Wenn die Puppen im Kindergarten Dohlenzelg in Windisch jammern könnten, hätten sie es wohl getan. Viele von ihnen hatten kein einziges Kleidchen mehr. Diejenigen, die noch etwas zum Anziehen hatten, mussten oft mit zerlöcherten und zerrissenen Pullöverchen und Röckchen vorliebnehmen. Jetzt ist alles anders.

Dank einem Generationenprojekt der Katholischen Kirchgemeinde Windisch hat jede Puppe im Chindsgi eine tolle Robe und sowohl die Kindergärtler als auch die Strickerinnen der «Lismigruppe», die die Kleidchen in sorgfältiger Handarbeit hergestellt haben, sind um eine Erfahrung reicher. Nun weitet sich das Projekt auf andere Kindergärten aus.

Eigentlich hatte sich die katholische Frauengemeinschaft zum Ziel gesetzt, am Chlausmärt 2014 in Brugg möglichst viele Socken und Kappen zu verkaufen. Gekauft wurde fast nichts. Auch von Kindergärtnerin Claudia Ackermann nicht. Stattdessen fragte sie die beiden Frauen am Stand, ob sie nicht auch Puppenkleider im Angebot hätten. Die könnte sie für die «Bäbi-Ecke» im Kindergarten gut gebrauchen. «Wir kramten die kleinsten Kinderpullover hervor. Selbst die waren noch zu gross», erzählt Benita Buman, Aktuarin der katholischen Frauengemeinschaft.

Keine Berührungsängste

Als der Vorstand den zehn «Lismifrauen» – alle über 70 Jahre alt – bei einem der monatlichen Treffen von der Anfrage erzählte, waren sie begeistert von der Idee, den Kindern neue Kleider für ihre Spielsachen zu stricken. Kurze Zeit später trafen sich die Kindergärtler und die Strickerinnen zum ersten Mal. Mit selbst gebackenen Muffins, vorgetragenen Versen und Liedern hiessen die Kinder die Frauen willkommen.

Danach stellte jedes von ihnen eine Puppe vor. Sie erzählten, dass ihr «Bäbi» unbedingt ein Röckchen brauche, weil ihm sonst ständig kalt ist, dass der braune Zottelbär sich eine blaue Kuscheljacke wünscht und Stoffpüppchen David schon lange auf eine hübsche Jacke und eine Mütze wartet. «Die Kinder sind mit den Frauen ganz leicht ins Gespräch gekommen», sagt Benita Buman. Der Funke sei sofort gesprungen. «Es war wunderschön.»

So dauerte es nicht lange und die Frauen machten sich an die Arbeit. «Sie haben die Kleidchen über den Sommer zu Hause gestrickt», sagt Benita Buman. Einige hätten sich so ins Zeug gelegt, dass ihre Ehemänner anfingen, sich zu beschweren, weil ihre Frauen nur noch Zeit fürs Stricken fanden. Als sie die Kleidchen dann einige Monate später in den Kindergarten brachten, war die Freude riesig. Die Kinder fingen sofort an, ihren Bäbi die neuen Kleidchen anzuziehen. «Für die Frauen war es ein unglaubliches Erlebnis.

Ihnen wurde gezeigt, dass sie auch im hohen Alter noch gebraucht werden und jungen Menschen eine Freude machen können», sagt Benita Buman. Zwar könnten nicht mehr ganz alle Frauen die kleinen Kleidchen stricken, emotional seien aber alle stark im Projekt eingebunden. Inzwischen habe sich bereits ein weiterer Kindergarten gemeldet, um am Generationenprojekt teilzunehmen. Für weitere Anfragen ist die Frauengemeinschaft offen.

Die Puppen im Kindergarten Dohlenzelg haben bis auf weiteres genügend Kleidchen. Hier ist das Projekt abgeschlossen – eigentlich. «Ab und zu», sagt Benita Buman, «findet Kindergärtnerin Claudia Ackermann im Briefkasten trotzdem ein neues Geschenk. Eine oder mehrere Frauen müssen weitergestrickt haben – fast wie Heinzelmännchen.»