Brugg

Dank Aargauer Innovation werden Öfen sauber: Hightech Zentrum Aargau bot Einblick in seine Arbeit

Markus Bürgin (Mitte) und der Experte des HTZ Reto Eggimann (links), erklären Moderator Herbert Scholl und dem Publikum, wie die Reinigung eines Kessels mithilfe von Explosionen vor sich geht.

Markus Bürgin (Mitte) und der Experte des HTZ Reto Eggimann (links), erklären Moderator Herbert Scholl und dem Publikum, wie die Reinigung eines Kessels mithilfe von Explosionen vor sich geht.

Das Hightech Zentrum Aargau zeigte sein Schaffen am Jahresanlass mit drei Beispielen aus der Praxis. Das Publikum erfuhr, wie man Russ durch Explosionen entfernt, im menschlichen Körper navigiert und die Qualität der Raumluft verbessert.

Markus Bürgin ist in der Reinigungsbranche tätig. Wäre seine Technologie auch für den privaten Haushalt verfügbar, so würde wohl manch einer, der sich vor der Hausarbeit drückt, diese mit Freuden erledigen. Denn Bürgin reinigt mit Explosionen. Leider sind seine Einsatzgebiete keine Wohnungen oder Gebäude, sondern Kessel, Öfen und Rohre, soe etwa in Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerken oder Raffinerien. Die Reinigung findet im laufenden Betrieb statt: Ein Sack wird am Ende einer Lanze befestigt und in den Kessel eingeführt. Er wird mit Gas befüllt und an der richtigen Stelle zur Explosion gebracht. «Wir nennen sie Explosions-Säcke oder auch Druckwellen-Säcke. Der Begriff Explosions-Sack kam in den USA nicht sonderlich gut an», sagt Bürgin schmunzelnd.

Am Jahresanlass des Hightech Zentrums Aargau erklärte er, wie seine Erfindung durch Druckwellen die Wände zum Vibrieren bringt und so Asche und Schlacke löst. Sein Unternehmen Bang & Clean Technologies AG aus Othmarsingen sowie zwei weitere Betriebe dienten als Beispiel dafür, wie das Hightech-Zentrum den Austausch zwischen Wirtschaft und Forschung vorantreibt. In besagtem Fall ging es darum, einen Forschungspartner zu finden, der in einer Studie nachweisen kann, wie effizient diese spezielle Art der Reinigung ist. Zudem sollte sie auch als Grundlage für die Weiterentwicklung der Technologie dienen. Das sei nicht einfach, erklärte der Reto Eggimann, Experte des Hightech Zentrums: «Es ist ein sehr spezielles Thema. Es gab kaum jemanden, der Erfahrungswerte hatte, was Druckwellenausbreitung in geschlossenen Räumen betrifft.» Schliesslich habe man mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften den richtigen Partner gefunden.

Bessere Luft in Holzbauten

Auch die Erne Holzbau AG aus Laufenburg profitierte vom Hightech Zentrum. Die Firma entwickelte im Rahmen eines Innoswiss-Projektes ein Tool, das die Raumluftemissionen aus Holzmodulen prognostizieren sollte. Zuerst entstand nur ein Prototyp – mit Unterstützung des Hightech Zentrums konnte dieser zu einer marktreifen Software weiterentwickelt werden. Momentan baut das Unternehmen für die Stadt Frankfurt ein Schulhaus für 2200 Schülerinnen und Schüler, jeden Tag verlassen fünf Holzmodule von fast 20 Metern Länge die Produktionsanlage Richtung Deutschland.

GPS für den Körper

Schliesslich erklärte Wolf Moser, wie die Atesos Medical AG aus Aarau dazu beiträgt, dass Hüftoperationen minimalinvasiv vorgenommen werden können. Die Firma hat Marker entwickelt, die als Teile für chirurgische Navigationssysteme fungieren – ein GPS für den Körper. «Manche Operationen werden so überhaupt erst möglich. Der Chirurg kann beispielsweise anhand der Marker erkennen, wo genau der Tumor sitzt.» Die Firma liess sich vom Hightech Zentrum beraten, weil sie den Produktionsprozess überarbeiten wollte. Mit der FH Bern wurde dies erreicht. Dank geringeren Produktionskosten, weniger Ausschuss und mehr Kapazität konnte die Produktion in der Schweiz gehalten werden.

«Die Beispiele aus der Praxis sind für uns in der Politik wichtig», sagte Regierungsrat Alex Hürzeler (SVP) am Jahresanlass des Hightech Zentrums Aargau in Brugg. Der Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport lobte den erfolgreichen Wissens- und Technologieaustausch zwischen Forschung und Wirtschaft.

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