Um 11 Uhr am Samstag war der offizielle Start. «Doch die ersten Besucher standen schon um halb 9 vor den Toren», berichtet Gregor Tomasi, Initiant des Bahnparks und Präsident der Trägerstiftung. Und der Besucherstrom riss auch nicht mehr ab. Viele nutzten die Gelegenheit und legten die letzte Distanz zwischen dem Bahnhof Brugg und dem Bahnpark-Areal in der Unterwerkstrasse mit dem Gratis-Shuttle-Dampfzug zurück. Diese Besucher mussten die Bahngleise nicht mehr überqueren, was für die, die zu Fuss oder mit dem Auto kamen, mit längeren Wartezeiten verbunden war. Der Grund dafür: Wegen Bauarbeiten verkehrte am Wochenende der gesamte Ost-West-Verkehr der SBB über Brugg, was viele Züge und damit lange geschlossene Barrieren bedeutete. Die Dampffahrten an den beiden Tagen mussten sich entsprechend einschränken. Dennoch gab es viele Nostalgieverbindungen: Am Samstag schnaufte eine E 3/3 «Tigerli» zwischen Brugg und Wohlen. Und nicht umsonst hat die Dampflok C 5/6, die am Sonntag zwischen Brugg und Frick fuhr, den Spitznamen Elefant, so massig ist ihre Gestalt. Von Brugg nach Effingen und zurück pendelte an beiden Tagen der Dampftriebwagen CZm 1/2 Nummer 31 aus dem Bestand der SBB Historic.

Kleine Züge ganz gross

Doch auch für die, die am Wochenende das Bahnpark-Areal nicht verliessen, gab es Attraktionen. Schon beim Hereinkommen auf das Gelände leuchtete den Besuchern eine Weltneuheit in Rot entgegen – das Modell des Lösch- und Rettungszuges der SBB, der seit 2008 in Brugg stationiert ist. Auf die Idee, diesen in Spur-G, im Massstab 1:22, nachzubauen, ist das Unternehmen Innolutions aus Villnachern gekommen. «Wir haben fast ein Jahr daran gebaut», erzählt Geschäftsführer Marco Suter. Tomasi fand die Idee gelungen, das Modell vor dem Zug in Originalgrösse zu präsentieren.

Ebenso den Modellbahnen vorbehalten war die Galerie des Rundschuppens, wo das mehr als fünf Meter lange Diorama des alten Lokdepots Basel die Blicke auf sich lenkte. Gebaut haben es Mitglieder des Fördervereins Lokdepot Basel. Aus Platzgründen aber mussten sie sich nach Fertigstellung davon trennen. «Wir haben es gerne übernommen, zumal wir schon länger auf der Suche nach einer Attraktion für die Galerie waren», informiert Tomasi begeistert. Auch Förderverein-Präsident Oswald Bieli ist froh: «Hier in Brugg ist unser Diorama in den besten Händen. Wir haben mehr als 20 Jahre daran gebaut, rund 22 000 Arbeitsstunden investiert. Alles ist Marke Eigenbau, da ist nichts hinzugekauft.»

Sanierung steht an

War der Samstagvormittag noch sonnig und trocken, gingen am Nachmittag immer wieder Regenschauer nieder. Gut, dass die historische Perronhalle, 1882 ursprünglich für den Bahnhof Bellinzona gebaut und danach für die Seetalbahn beim Bahnhof Wildegg errichtet, auf dem Areal Schutz bot – ein weiteres Highlight des neunten Tags der offenen Tore im Bahnpark Brugg.

Schutz vor dem Regen sollten auch die Dächer von Rundschuppen und Langhaus bieten. Doch das tun sie nur noch eingeschränkt. So muss sich Gregor Tomasi jetzt Gedanken machen, woher er das Geld für die Sanierung nimmt. Mindestens 350 000 Franken kostet sie – eine Herausforderung für den kleinen Kreis von Idealisten und Eisenbahn-Freunden in Brugg.