Das Eierleset: ein recht unzimperlicher Kampf auf der Effinger Dorfstrasse.

SRF Archiv

Damals im Aargau
«Verzweifelt kämpft der Straumuni gegen seine Feinde»: ein Eierleset-Video aus dem Jahr 1964

Das Effinger Eierleset 2020 fand im leeren Dorf statt, nun musste der Anlass erneut abgesagt werden. Wir zeigen stattdessen eine Videoperle aus dem Archiv: der Aargauer Frühlingsbrauch in Schwarz-Weiss.

Simone Morger
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Es ist alles etwas verrückt. Am Anfang des Effinger Eierlesets stehen die anspruchsvollen Vorbereitungen. Für ganze 14 Darsteller müssen teils aufwendige Kostüme gefertigt werden ‒ das Kostüm des «Tannästlers» etwa besteht aus von Hand angenähten, gebündelten Tannenästen, der «Straumuni» ist eine Art Michelin-Männchen aus Jutesäcken, die mit gedroschenem Stroh gestopft werden.

Am Tag des Eierlesets selbst, jeweils der erste Sonntag nach Ostern, liefern sich die verschiedenen Figuren einen recht unzimperlichen Kampf im Dorf. Es ist der Kampf des Winters gegen den Frühling.

Während der Reiter der Dorfgrenze entlanggaloppiert, versucht der Eierläufer so schnell wie möglich die 162 Eier einzusammeln, die auf einer 80 Meter langen Bahn auf der Dorfstrasse im Sägemehl liegen. Jedes einzeln, das ergibt einen Lauf von zehn Kilometern.

Bei diesem Kampf wird nur einer verschont

Daneben verteilt der «Hüehnermaa» gefärbte Eier ans Publikum, der «Jasschärtler» spritzt aus seiner aufgeblasenen «Säublootere», die Frühlingsfiguren «Hobelspänler», «Stechpälmler» oder «Tannästler» werfen sich auf den den Winter symbolisierenden «Straumuni», der sich, einmal am Boden, kaum mehr regen kann. Und die beiden Alten haben früher junge Frauen (und alte Jungfrauen) mit rohen Eiern bestrichen. «Heute wird dies, den schönen Kleidern zuliebe, nicht mehr gemacht», heisst es auf der Website des Effinger Eierlesets.

Bei diesem Kampf wird nur einer verschont: der «Schnäggehüsler», dessen Kostüm aus Hunderten leeren Schneckenhäusern besteht. Zu aufwendig, dieses jedes Jahr neu anzufertigen.

«Ein kräftiger Turner ohne Platzangst»

Kein Wunder, sind es jeweils die Turner, die dieses Schauspiel inszenieren. Braucht das Effinger Eierleset doch so einiges an Muskelkraft, akrobatischem Talent und Mut. In das Kostüm des Straumunis werde etwa «ein kräftiger Turner ohne Platzangst» gesteckt, heisst es auf der Website des Brauchs. Vom Jasschärtler erwartet das Publikum die eine oder andere akrobatische Einlage und die jährlichen Eierläufer können regelrechte Berühmtheit im Dorf erlangen.

Alle zwei Jahre findet das Eierleset in Effingen statt. Im Coronajahr 2020 haben die Effinger Turner einen Anlass ohne Publikum, dafür mit Facebook-Livevideo veranstaltet:

In dem Video hatte der Eierleset-Pfarrer das Schlusswort: «Man sieht sich nächstes Jahr», sagte er. Der Plan war es, das Eierleset bereits ein Jahr später, 2021, noch einmal zu veranstalten ‒ und diesmal richtig. Doch auch dieses Jahr kann der Frühlingsbrauch nicht stattfinden. Die Effinger hoffen nun auf ein Eierleset am 24. April 2022. «Endlich wieder.»

Wir haben stattdessen diese Perle aus dem Archiv des Schweizer Fernsehens gehievt. Am 6. April 1964 ist der Beitrag in der Sendung «Antenne» ausgestrahlt worden. So kommt und bleibt der Frühling 2021 hoffentlich trotz allem. Denn er ist es, der bis jetzt noch jedes Eierleset gewonnen hat.