Von aussen sieht das Dahlihaus seit Monaten gleich aus: eingerüstet, das Dach mit einer Plane abgedeckt und auf dem Vorplatz türmt sich Baumaterial. Doch im Innern hat sich einiges getan: Ein Meilenstein in der gesamten Dahlihaus-Sanierung ist diese Woche gefeiert worden: Der Dachstock in seiner ursprünglichen Bauart wurde fertiggestellt.

Diese Arbeit hatte es in sich. Die Verbindungen von Firstbalken auf Aussenwände, die Rafen, mussten alle demontiert, heruntergenommen, gebürstet und wieder montiert werden. Auf den Rafen wurde zudem eine lasierte Schalung angebracht. Doch diese Decke ist «nur» Zierde, sprich die Konstruktion des Hauptdaches. Bei schönem, trockenem, Wetter wird nächsten Monat der neue Dachstuhl daraufgelegt.

«Auf einem Anker-Bild haben wir die bemalten Kacheln des Ofens entdeckt»

«Auf einem Anker-Bild haben wir die bemalten Kacheln des Ofens entdeckt»

Bauherr Robert Kühnis über die Arbeiten in der neuen alten Stube.

Handwerker sind die Stars

Bauherr Robert Kühnis, der bereits während seiner Studienzeit auf Baustellen arbeitete, und die Fachleute wie Zimmermann-Vorarbeiter Marcel Sutter, Zimmermann Jan Schulz, Alexander Ott und Erstlehrjahr-Stift Noel Erne von der Firma Vögeli Holzbau AG in Kleindöttingen sowie Sanitärinstallateur Rolf Liechti von der Firma Daniel Zulauf in Brugg sind mittlerweile ein eingeschworenes Team.

Kühnis spricht denn auch von «seinen» Stars: «Ich weiss, was ich will, doch die Handwerker lösen die Probleme vor Ort», erklärt er. Die Leidenschaft für das über 460 Jahre alte Hochstudhaus merkt man auch den Handwerkern an. Marcel Sutter erklärt: «Hier kann man im Groben planen, gebaut wird aber vor Ort.» 

Zum Vergleich: Ein Neubau wird nach Plan umgesetzt. Bei einem Objekt wie dem Dahlihaus ist dies nicht möglich, da sich jeden Tag andere Probleme oder Herausforderungen ergeben. Auf die Frage nach einem Zeitplan lachen alle Handwerker am Znüni-Tisch auf und Robert Kühnis ruft: «Ich bin der Plan.»

Auf dem Rundgang im Dahlihaus sind die Raumaufteilungen für die vier Wohnungen und die Leitungsführungen ersichtlich. Auch die frühere Bauart «Fachwerk», diese schwarzen, ineinanderfliessenden Verstrebungen, ist im alten Hausteil von 1750 zu sehen. «Unter Dach und Fach» sei ein Zimmermann-Zitat, wobei man unter «Fach» eben das Fachwerk der Wände verstand, erklärt der frühere Geschichtslehrer Robert Kühnis. Neue Böden wurden verlegt, das Ganze brandgeschützt, da es sich hier um zwei Wohnungen handelt. Um einen grossen Wohnraum zu erhalten, wurden Wände herausgenommen. «Das wird eine Traumwohnung mit freiem Blick ins Dach hinauf», sagt Robert Kühnis.

Ähren und Kornblumen

Ein imposantes Vorher-Nachher-Bild ergibt sich beim Betreten der früheren Wohnung von Taglöhner Hans Dahli aus dem Jahr 1560: Aus der Baustelle ist eine gemütliche Stube geworden. Der imposante Ofen musste ganz abgebaut und danach Kachel für Kachel wieder zusammengesetzt werden. Der Grund: Der Boden musste für Isolationen abgesenkt werden. Um den Raum in seiner ursprünglichen Form zu erhalten, wurden alte Materialien verwendet.

Blickt man zur Decke, so fallen die Balken sowie die eingesetzte, mit Ähren und Kornblumen verzierte Decke auf. Die eingesetzte Decke ergibt die damalige, niedrige Raumhöhe. Der Boden besteht aus sechs verschiedenen Arten alter Eichenriemen. «Hätten wir hier einen neuen Boden verlegt, wäre dies ein Stilbruch gewesen», erläutert Robert Kühnis. Der Restaurator renoviert so, wie es einst ausgesehen haben könnte. Auch die anderen Wohnungen werden dem jeweiligen Entstehungsjahrhundert angepasst.