Schinznach

Creanatira baute in der Gewässerschutzzone – ein Baugesuch dafür lag nie vor

Die Steinkörbe sichern den Hang, damit der Weg nicht mehr abrutschen kann.

Die Steinkörbe sichern den Hang, damit der Weg nicht mehr abrutschen kann.

Ein Schinznacher Bürger ist besorgt, weil die Arbeiten in der Gewässer- und Quellschutzzone ausgeführt wurden.

In den Bereichen «Wanne» und «Halde» in Schinznach-Dorf hat die Firma Creanatira GmbH – eine Tochter­ge­sell­schaft der Pro Natura Aargau – seit 2016 Arbeiten ausgeführt. Ältere Hangsicherungen, bestehend aus Steinkörben, wurden ersetzt.

Einem aufmerksamen Schinz­nacher Bürger, der anonym bleiben möchte, ist nun aufgefallen, dass dafür nie ein Baugesuch auflag und die Arbeiten unter anderem in der Gewässer- und Quellschutzzone ausgeführt wurden. «Zudem wurden bestehende Wege massiv beschädigt und als Lagerflächen entfremdet und blockiert», enerviert sich der Schinznacher und schickt der Redaktion Fotos ein, die seine Aussagen belegen.

Steinkörbe dienen auch Reptilien als Lebensraum

Gemäss Ulysses Witzig, Geschäftsführer von Creanatira, wurde eine Hangsicherung vorgenommen. Dies im Auftrag des privaten Grundeigentümers. Er sei überrascht, dass sich der Bürger erst jetzt gemeldet habe und nicht bereits vor Jahren, so Witzig. Grund für die Arbeiten: «Der Weg um die Liegenschaft hatte sich gesenkt und es lösten sich immer wieder Steine aus dem Hang», sagt Witzig. «Sie purzelten in die Wiesen hinunter, was die Bewirtschaftung durch die Landwirte erschwerte.» Die erstellten Steinkörbe würden – nebst der Hangsicherung – auch Reptilien als Lebensraum dienen.

Der Flurweg wurde beschädigt durch die Arbeiten.

Der Flurweg wurde beschädigt durch die Arbeiten.

Vom Auftraggeber hatte Creanatira gemäss Witzig keinen Auftrag, ein Baugesuch einzureichen. Das wäre Aufgabe des Grundeigentümers gewesen. «Creanatira wird nun den Grundeigentümer auffordern, ein nachträgliches Baugesuch aufzulegen, damit alles seine Richtigkeit hat», verspricht Witzig. So könne der Bürger eine Einwendung einreichen, wenn dies aus seiner Sicht angebracht ist.

Grundwassergefährdende Stoffe wurden nicht verwendet

Weil die Arbeiten im Gewässer- und Quellschutzzonenbereich ausgeführt wurden, seien die Massnahmen unter grösstmöglicher Rücksichtnahme auf das Terrain umgesetzt worden, so der Geschäftsführer von Creanatira. «Insbesondere ohne die Verletzung der für das Trinkwasser entscheidenden Filterschichten im Boden.» Die Oberfläche in der Schutzzone 2 sei möglichst unberührt geblieben, um den Hang nicht zusätzlich zu destabilisieren. Zudem sei ohne jegliche grundwassergefährdende Stoffe gearbeitet worden. Witzig verspricht zudem, dass die Schäden am Flurweg geflickt werden. Die Arbeiten für die Hangsicherung wurden vor gut zwei Wochen abgeschlossen.

Über die erwähnten Arbeiten in Schinznach war Pro Natura Aargau nicht informiert. «Creanatira führt auch selbstständig im direkten Auftrag von Gemeinden oder Privaten Arbeiten aus, die sie als eigenständige Firma akquiriert und ausführt», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Über diese schuldet Creanatira Pro Natura keine Rechenschaft.»

Pro Natura sei, so Jenny, bei anderen Aufträgen in Schinznach beteiligt gewesen und habe dafür Creanatira beauftragt. «Im Gebiet ‹Chalm› wurden Abfall beseitigt, Waldränder gestuft und weitere Massnahmen umgesetzt, um für die typische Flora und Fauna des Jura Südfusses optimale Bedingungen zu schaffen», nennt er ein Beispiel. All diese Massnahmen seien ausgezeichnet umgesetzt worden und helfen auch den Landwirten, die Direktzahlungen für diese Flächen erhalten.

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