Coronavirus
«Kann man so noch turnen?»: Wie die jüngsten Covid-Vorgaben Vereine im Bezirk Brugg fordern

Seit Ende Dezember gelten für Indoor-Aktivitäten von Vereinen verschärfte Coronamassnahmen. Viele müssen diese aber erst jetzt nach den Weihnachtsferien in die Tat umsetzen. Zwei Sport- und zwei Kulturorganisationen aus Brugg, Bözberg, Mülligen und Windisch erzählen.

Maja Reznicek
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Die Vindonissa Singers probten bereits im Dezember mit Maske.

Die Vindonissa Singers probten bereits im Dezember mit Maske.

zvg

Manche entgegneten Naomi Geiser ein Augenrollen. Das Echo der Vereinsmitglieder sei aber ganz unterschiedlich gewesen, sagt die Oberturnerin vom STV Mülligen. Sie führt aus: «Einige haben die neuen Coronamassnahmen einfach hingenommen, ohne grossen Kommentar.» Andere hätten ungehaltener reagiert und sich gefragt: «Kann man so noch turnen?»

Seit dem 20. Dezember gilt in Sportvereinen die 2G-Regelung für Personen ab 16 Jahren, die eine Teilnahme im Innenbereich auf Genesene oder Geimpfte mit Zertifikat reduziert. Zudem muss laut Website des Kantons eine Maske getragen werden. Alternativ wäre 2G+ möglich (geimpft/genesen in den letzten vier Monaten bzw. geimpft/genesen mit negativem Test). Dann entfällt die Pflicht für den Mundschutz, bestätigt Maria Gares, Sprecherin des aargauischen Gesundheitsdepartements.

Als es noch ohne Maske ging: Turnerinnen des STV Mülligen.

Als es noch ohne Maske ging: Turnerinnen des STV Mülligen.

zvg

Der STV Mülligen hat sich gemäss Naomi Geiser für erstere Variante entschieden. Abgeschreckt hat das bisher niemanden: Von den 122 Mitgliedern – in der Jugendriege sind es 70 Kinder – trat keines den Rückzug aus den Vereinstätigkeiten an. Jedoch fügt die Oberturnerin an:

«Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Trainings ist immer sehr unterschiedlich, die Vorsicht ist doch gross.»

Zudem hätten sich zwei Frauen in der Gruppe von Geiser in dieser Woche gemeldet und angekündigt, es beim ersten Training in diesem Jahr einmal mit der Maske zu versuchen. «Sollten sie sich nicht wohlfühlen, werden sie pausieren, bis sich die Massnahmen wieder ändern.»

«Es fordert ganz schön die Kreativität der Leitenden»

Der Sport mit Mundschutz bringt neue Herausforderungen. Bei der Planung des Trainings hat Naomi Geiser deshalb Anpassungen vorgenommen: «Ich als Leiterin achte sehr darauf, dass es nicht zu anstrengende Übungen sind. Turnen mit Maske ist nicht zu unterschätzen.» Die Geselligkeit sei jedoch sehr wichtig, speziell in diesen Zeiten:

«Mir geht es darum, dass die Frauen gerne in die Halle kommen, Abwechslung und Spass haben, sich austauschen können und wir die Gemeinschaft pflegen.»

Sie sei der Meinung, dass – wenn das Training den Gegebenheiten angepasst werde – die Massnahmen eingehalten werden können. «Natürlich freue ich mich drauf, wenn ich mir nicht mehr so grosse Gedanken machen muss, was wir tun können. Es fordert doch ganz schön die Kreativität der Leitenden.»

Kann ich (2G) beim Verein (2G+) mitmachen, wenn ich eine Maske trage?

Eine Kombination der Regelungen ist gemäss Maria Gares, Sprecherin des kantonalen Departements für Gesundheit und Soziales, nicht möglich. So darf etwa eine Person, deren zweite Covid-19-Impfung mehr als vier Monate her ist, nicht mit Maske ausgestattet an einer Chorprobe unter dem 2G+-Label teilnehmen. «Solche Regelungen gelten immer für alle Anwesenden gleich», erklärt Gares. (mre) 

Auch der Volleyballclub Brugg (VBC) hat nach den Weihnachtsferien den Betrieb mit 2G-Regelung und Mundschutz ab 16 Jahren aufgenommen. «Die Trainings werden nun der Situation angepasst und sind nicht mehr so streng», erklärt Vereinspräsidentin Jeanine Pabst. Die neuen Regelungen seien für alle der zirka 80 Mitglieder, darunter sehr viele Juniorinnen, in Ordnung gewesen. Pabst führt aus:

«Es kam kein einziges Beschwerdemail zu mir, dass die Massnahmen übertrieben oder so sind.»

Trotzdem gäbe es einzelne Spielerinnen und Spieler, die unter den neuen Vorgaben des Bundes nicht mehr trainieren dürfen – ihnen fehlt die Impfung. Dies betreffe fünf Personen. Zu einem Austritt aus dem Verein hat das bis Ende letzter Woche aber nicht geführt.

Bis vor der Coronapandemie war das Trainieren mit Maske für den Volleyballclub Brugg kein Thema.

Bis vor der Coronapandemie war das Trainieren mit Maske für den Volleyballclub Brugg kein Thema.

zvg

Momentan sind laut Jeanine Pabst für die Mannschaften sowieso nur Trainings möglich. Der Meisterschaftsbetrieb bleibt bis am 24. Januar unterbrochen.

Hoffnung auf ein gemeinsames Singen am Jubiläumskonzert

Am Mittwoch probten die Vindonissa Singers aus Windisch erstmals unter den neuen Vorgaben des Bundes. Für kulturelle Aktivitäten von Laien gilt indoor wie beim Sport die 2G+- beziehungsweise 2G-Regelung mit Maskenpflicht.

Für den 37-köpfigen Chor unter der künstlerischen Leitung von Ulrich Nyffeler war das aber nichts Neues. Eveline Kohler, Präsidentin des Pop-Ensembles, erklärt:

«Wir haben bereits im Dezember die 2G-Regelung mit Maske eingeführt.»

Mit negativen Reaktionen seitens der Mitglieder rechnet sie nicht.

Die Vindonissa Singers bestehen aus 37 Sängerinnen und Sängern und einem Dirigenten.

Die Vindonissa Singers bestehen aus 37 Sängerinnen und Sängern und einem Dirigenten.

zvg

Bei den vergangenen Adventskonzerten Mitte Dezember hätten sie aber bereits auf vier Stimmen verzichten müssen. «Wir haben Mitglieder, die die Vorgaben nicht erfüllen. Daher mussten sie von den Proben fernbleiben», erklärt Kohler. Zwar hätte der Verein diesen Personen Übungsdateien zur Verfügung gestellt, um sich auf die Adventskonzerte vorzubereiten, aber:

«Das Proben zu Hause macht nicht gleich viel Spass und bringt natürlich auch nicht denselben Erfolg.»

Die meisten der Betroffenen hätten deshalb an den Auftritten doch nicht mitgemacht.

Nun hofft Eveline Kohler, dass bis im Herbst ein gemeinsames Singen mit allen Beteiligten wieder möglich ist. Dieses Jahr feiert der Chor nämlich sein 50-jähriges Bestehen. Am 11. September 2022 ist ein grosses Jubiläumskonzert in der Klosterkirche Königsfelden geplant. «Es wäre natürlich sehr schön, wenn alle Mitglieder mitmachen könnten.»

«Die aktuelle Situation setzt dem Chor sehr zu»

Barbara Dethomas, Präsidentin Chor Bözberg.

Barbara Dethomas, Präsidentin Chor Bözberg.

zvg (20. August 2020)

Für eine andere Variante hat sich der Chor Bözberg entschieden. Seit Mitte Dezember befinden sich die 26 Mitglieder im Weihnachtsurlaub. Anfang Januar habe man diese Massnahme verlängert, so Präsidentin Barbara Dethomas. Die Proben würden bis mindestens Ende Februar nicht abgehalten werden. Dethomas sagt:

«Wir wollen unsere Mitglieder und die Dirigentin nicht unnötig der Coronagefahr aussetzen.»

Singen mit Maske sei für sie keine Option.

Die aktuelle Situation setze dem Chor schon sehr zu, erklärt Dethomas. «Kaum konnten wir im Sommer mit den Proben beginnen, musste der Betrieb auch schon wieder eingestellt werden.» Zwei ungeimpfte Sängerinnen der Gruppe nahmen bereits vor dem Weihnachtsurlaub nicht mehr an den Übungstreffen teil. «Trotzdem freuen wir uns über alles, was möglich ist, und geniessen jede Probe und jedes gesellige Zusammensein, das stattfinden kann», erklärt die Präsidentin.

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