Birrhard
Collies hüten die Schafe: Vier Befehle und vier Jahre Training

Simone Schmid aus Birrhard züchtet zusammen mit Dorothee Boogen Ouessant- und Skudden-Schafe. Für das Hüten der Schafe bilden sie eigene Hunde aus.

Carolin Frei
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Ausbildung zum Treiber-Hund: Vier Befehle und vier Jahre Training
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Flight wartet auf den Pfiff und somit seinen Einsatz
Flight im Einsatz. Er weiss, die Schafe immer im Bogen anlaufen.
Flight muss das von der Herde getrennte Schaf in eine andere Richtung dirigieren
Flight in Einsatz. Beim ersten Anlauf wollen die Schafe nicht durch die beiden Stangen.
Flight hat es geschafft, die Tiere durch die beiden Stangen zu treiben
Flight hat es geschafft, die Tiere durch die beiden Stangen zu treiben

Ausbildung zum Treiber-Hund: Vier Befehle und vier Jahre Training

Carolin Frei

«Unique, lie down», ruft Simone Schmid ihrer Border-Collie-Hündin bestimmt zu. Unverzüglich hält sich Unique an den Befehl und geht «ins Platz». Dann ein sanfter Pfiff und sie darf ihre Arbeit als Schaf-Treiberin wieder aufnehmen.

Unique ist einer von vier Hunden, die auf der Wiese beim Kreisel Tankstelle in Mellingen im Schafe-Treiben ausgebildet werden. An diesem Morgen strotzt Unique vor Tatendrang und Energie, was für ihren Job nicht ganz ideal ist. Das Zusammentreiben der Schafe soll so vonstattengehen, dass die Schafe zwar parieren, aber nur flotten Schrittes und nicht rennenderweise. Das will an diesem Morgen nicht immer klappen. Unique darf eine Pause machen, derweil ihre Kollegin Anouk an die Reihe kommt.

Im Gegensatz zu Unique, die bereits die oberste Stufe der Ausbildung erreicht hat, ist Anouk noch Anfängerin. Aber auch sie gibt ihr Bestes. Zuletzt darf auch Flight ihr Können unter Beweis stellen. Sie erhält den Auftrag, zwei Schafe, die Simone Schmid vorher von der Herde separiert hat, in eine andere Ecke des Platzes zu dirigieren. Was ihr zweimal wunderbar gelingt. Das Training für die Hunde dauert jeweils zwei Stunden und wird etwa zweimal pro Woche durchgeführt. Die Befehle werden sowohl als Sprachkommando als auch mit der Pfeife erteilt.

Was ist das Ziel dieser Trainings? Simone Schmid: «Das Ziel ist, die Hunde optimal zu schulen, sodass sie, etwa beim ‹Zügeln› der Schafe von Weide zu Weide, eine gute Hilfe sind.» Was hingegen nicht zu ihren Aufgaben gehört, ist das Bewachen der Herde. «Ein Border will die Tiere immer neu ‹büschele›, er würde die ganze Zeit mit ihnen arbeiten wollen.» Für den Job als Schutzhund eignen sich andere Rassen, etwa ein Marremano oder ein Pyrenäenberghund. Bis ein Border Collie die vier Hauptbefehle kennt und in jeder Situation richtig anwenden kann, dauert es rund vier Jahre.

Im September hat die Birrharderin mit der sechsjährigen Unique erstmals an der Schweizermeisterschaft in der Ostschweiz teilgenommen. In den Final haben es die beiden nicht geschafft, aber Spass habe es trotzdem gemacht. Ein Border Collie müsse Kopf- und Beinarbeit leisten können, sonst werde man seinem Naturell nicht gerecht. Und wenn er diese Charakterzüge nicht als Schafetreiber ausleben könne, zeige er Fehlverhalten, könne sogar aggressiv werden.

Sind diese Trainings für die Schafe nicht ein Stress? «Nein, auf keinen Fall, trainiert wird ja nicht übermässig viel und die Schafe würden – ohne Hund zur Hand – viel mehr gestresst.» Zudem gewöhnen sich die Schafe an die Hunde und sie respektieren sich gegenseitig. Das Zusammentreiben der Schafe müsse man immer wieder tun, etwa wenn man die Schafe von der Weide in den Transportwagen verladen wolle. Auch das Einpferchen der Herde sei immer wieder ein Thema, etwa wenn Klauen schneiden, Entwurmen und anderes mehr auf dem Programm stehe. Und deshalb seien diese Trainings für beide Tierrassen letztlich ein Gewinn, ist Schmid überzeugt.