Brugg
Clavichord-Musik in Brugg: «Nach fünf Minuten ist klar: Das geht ja»

Die vom renommierten Organisten und Cembalisten Oskar Birchmeier begründete und von ihm über 40 Jahre programmierte «Abendmusik» in der Stadtkirche ist eiserner Bestandteil des kulturellen Brugger Lebens.Die neue Reihe beginnt am 12. Januar

Elisabeth Feller
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Dieses Clavichord klingt nicht nur gut, es sieht auch ausgesprochen schmuck aus.

Dieses Clavichord klingt nicht nur gut, es sieht auch ausgesprochen schmuck aus.

Viele Brugger haben den zweiten Samstag im Monat nicht in der Agenda, sondern im Kopf gespeichert. Um 20 Uhr finden sich zur «Abendmusik» in der Stadtkirche entweder 30 bis 50, aber auch schon mal 100 oder mehr Zuhörer ein, um erlesene Musik zu geniessen.

Programm der Abendmusik-Reihe in der Stadtkirche

12. Januar: «Amarilli mia bella»: Das Ensemble

«I Ragazzari» spielt italienische Vokal- und Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts.

9. Februar: Buntes Programm quer durch die Musikgeschichte.

9. März: Das leiseste Tasteninstrument: Andres Erismann aus Bern spielt das Clavichord.

13. April: Chorkonzert mit Dvoraks Messe in D-Dur und einer Magnificat-Vertonung des Ungarn Miklos Kocsar.

11. Mai: Musik für Cembalo und Orgel (Buxtehude und Bach).

8. Juni: «Königreich des Himmels»: Das Mittelalter-Ensemble Dragma singt Minnelieder.

Konzertbeginn 20 Uhr; Kollekte erbeten. (AZ)

«Ein Motto haben wir nicht», sagt Kantor Gaudenz Tscharner, der für die Reihe seit 2003 verantwortlich zeichnet. Die Auswahl von Werken und Interpreten treffe er meist intuitiv, «aber es ergibt sich stets ein sinnfälliges Programm.» Birchmeier hat sich vornehmlich auf Tasteninstrumente konzentriert; Tscharner lässt auch andere Instrumente zu – etwa die menschliche Stimme.

In der Halbzeit der Reihe wird im April mit vergleichsweise grosser Kelle angerichtet. Dann leitet Tscharner ein Konzert mit dem Chor der Stadtkirche Brugg und dem Engadiner Kammerchor. Das Programm stimmt freudig, denn mit Antonin Dvoraks Messe in D-Dur steht ein beliebtes Werk auf dem Programm. «Wir spielen es jedoch nicht in der Orchester-, sondern in der Orgelfassung», sagt Tscharner lächelnd.

Wer ist Miklos Kocsar, dessen Magnificat im selben Konzert erklingt? «Das ist ein zeitgenössischer Komponist aus Ungarn.» Tscharner schätzt ihn und dessen gemässigt moderne Werke schon lange.

Das Wort «kennen» gibt das Stichwort. Der Kantor engagiert für die Abendmusik am liebsten Interpreten und Ensembles, die er kennt.
Andreas Erismann ist dafür ein Beispiel. Der Berner wird in einem kommentierten Konzert mit dem Clavichord das leiseste Tasteninstrument der Musikgeschichte vorstellen. Ist es nicht zu zart für die Stadtkirche? Tscharner schüttelt den Kopf: «Nein. Zu Beginn denkt man vielleicht: ‹Man hört nichts›. Aber nach fünf Minuten ist klar: ‹Das geht ja.› Man lauscht äusserst konzentriert und kann so den klanglichen Feinheiten mühelos folgen.» Das Publikum, so Tscharner, werde bei diesem Anlass nicht im Schiff, sondern im Chor sitzen, wo Erismann zwei Vertreter jenes feinen Instrumentes platzieren wird, das auch Mozart gespielt hat. Das kommentierte Konzert in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Clavichordgesellschaft ist Auftakt zu einer kleinen Clavichord-Reihe, die Gaudenz Tscharner ab 2014 in Brugg installieren will.