Viele Brugger haben den zweiten Samstag im Monat nicht in der Agenda, sondern im Kopf gespeichert. Um 20 Uhr finden sich zur «Abendmusik» in der Stadtkirche entweder 30 bis 50, aber auch schon mal 100 oder mehr Zuhörer ein, um erlesene Musik zu geniessen.

«Ein Motto haben wir nicht», sagt Kantor Gaudenz Tscharner, der für die Reihe seit 2003 verantwortlich zeichnet. Die Auswahl von Werken und Interpreten treffe er meist intuitiv, «aber es ergibt sich stets ein sinnfälliges Programm.» Birchmeier hat sich vornehmlich auf Tasteninstrumente konzentriert; Tscharner lässt auch andere Instrumente zu – etwa die menschliche Stimme.

Zeitgenosse aus Ungarn

In der Halbzeit der Reihe wird im April mit vergleichsweise grosser Kelle angerichtet. Dann leitet Tscharner ein Konzert mit dem Chor der Stadtkirche Brugg und dem Engadiner Kammerchor. Das Programm stimmt freudig, denn mit Antonin Dvoraks Messe in D-Dur steht ein beliebtes Werk auf dem Programm. «Wir spielen es jedoch nicht in der Orchester-, sondern in der Orgelfassung», sagt Tscharner lächelnd.

(Quelle: Youtube/teafruitbat)

Johann Sebastian Bachs 3. Partitur auf Violine mit einem Clavichord

Wer ist Miklos Kocsar, dessen Magnificat im selben Konzert erklingt? «Das ist ein zeitgenössischer Komponist aus Ungarn.» Tscharner schätzt ihn und dessen gemässigt moderne Werke schon lange.

Clavichord-Reihe in Brugg

Das Wort «kennen» gibt das Stichwort. Der Kantor engagiert für die Abendmusik am liebsten Interpreten und Ensembles, die er kennt.
Andreas Erismann ist dafür ein Beispiel. Der Berner wird in einem kommentierten Konzert mit dem Clavichord das leiseste Tasteninstrument der Musikgeschichte vorstellen. Ist es nicht zu zart für die Stadtkirche? Tscharner schüttelt den Kopf: «Nein. Zu Beginn denkt man vielleicht: ‹Man hört nichts›. Aber nach fünf Minuten ist klar: ‹Das geht ja.› Man lauscht äusserst konzentriert und kann so den klanglichen Feinheiten mühelos folgen.» Das Publikum, so Tscharner, werde bei diesem Anlass nicht im Schiff, sondern im Chor sitzen, wo Erismann zwei Vertreter jenes feinen Instrumentes platzieren wird, das auch Mozart gespielt hat. Das kommentierte Konzert in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Clavichordgesellschaft ist Auftakt zu einer kleinen Clavichord-Reihe, die Gaudenz Tscharner ab 2014 in Brugg installieren will.