Schinznach-Dorf
Chrusi chrampft und chnüblet für den schönen Weihnachtsschmuck

Stefan Hartmann behängt seit gut 15 Jahren für die Weihnachtszeit die grosse Hagebuche beim Gasthof Bären mit Hunderten von Lichtern. Das ist ein Chrampf und braucht viel Geduld.

Janine Müller (Text und Foto)
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Stefan Hartmann findet es nicht immer lustig. Jahr für Jahr fragt er sich, was er sich mit dem Schmücken der gut 5 Meter hohen Hagebuche seiner Eltern wieder eingebrockt hat. Und doch nimmt er jeweils Mitte November die Leiter hervor, kramt nach den Lichterketten und macht sich an die Arbeit.

Dann steigt er die Leiter hoch und runter, wickelt den Baum Zentimeter für Zentimeter rundherum ein. Zehn Rollen LED-Lichterketten passen locker an den Baum. Wenigstens sei dank der modernen Technologie die Stromrechnung ziemlich viel tiefer als früher, gibt Stefan Hartmann zu bedenken.

Das Anbringen der Lichterketten ist eine «Chnübliarbeit», anders kann man es nicht sagen. Es ist ein Chrampf und braucht viel Geduld. «Fast jedes Mal, bevor ich anfange, überlege ich mir, ob ich das wirklich wieder tun soll», sagt Stefan Hartmann, im Dorf besser bekannt unter dem Namen Chrusi.

«Ich könnte den Baum ja auch einfach bodeneben absagen.» Übers Herz hat er das aber bisher nicht gebracht. Im Gegenteil. Viele Erinnerungen, beispielsweise an die Kindheit, hängen daran.

Die Buche sei bestimmt 60 Jahre alt, meint Stefan Hartmann. Wenn am Ende der Baum aber im Licht erstrahlt, dann sei auch er glücklich und zufrieden darüber, dass er die Arbeit auf sich genommen hat.

Lob und Anerkennung

Am wahrscheinlich letzten schönen Tag in diesem November hat sich Stefan Hartmann wieder ans Schmücken des Baums gemacht. Jeder, der mit dem Auto durchfährt, weiss, was es geschlagen hat.

Auch die Busfahrer nicken Chrusi zu und winken. Einige lassen einen Spruch fallen. «Der Affe steigt, es gibt schönes Wetter», rufen die einen. Stefan Hartmann nimmts mit Humor. «Ich glaube, es gibt keinen einzigen Spruch, den ich noch nicht gehört habe», sagt er und grinst.

Für seine Mühe bekommt er aber auch viel Lob und Anerkennung. So ruft einer: «Dieser Baum ist das Wahrzeichen von Schinznach.» Und er meint es ernst. Einige im Dorf sagen hinter vorgehaltener Hand sogar, dass es der schönere Weihnachtsbaum sei als jener von der Gemeinde.

Eine Bieridee wird Realität

Wenn Stefan Hartmann das hört, winkt er ab. Ihm gehts nicht um die Konkurrenz. Irgendwann vor gut 15 Jahren – er war damals noch Student für Elektrotechnik und den Baum der Gemeinde gabs noch nicht – kam er auf die Idee «etwas Gescheites mit dem Baum zu machen». «Es war eigentlich eine Bieridee», sagt er und klettert erneut die Leiter hoch.

Es ist warm an diesem Nachmittag. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Stefan Hartmann muss sich ab und zu den Schweiss von der Stirn wischen. Weihnachtlich ist es auch ihm noch nicht zumute.

Doch er will das schöne Wetter nutzen, um den Baum zu schmücken. Es gehe einfacher so, meint er. Ein Prinzip hat er, was den Schmuck von Weihnachtsbäumen angeht: «Draussen kommen nur Lichter an den Baum. Kugeln oder Ähnliches braucht es nicht. Das ist zu kitschig», sagt er.

Wen es jetzt wundernimmt, wie der Baum in der Nacht leuchtet, der muss sich noch etwas gedulden. Die Lichter zündet Stefan Hartmann erst am 28. November an. Pünktlich zum ersten Advent.