«Ich finde unser Drei-Säulen-Modell für die Altersvorsorge phänomenal. Viele Länder beneiden uns um dieses System», betonte Ständerätin Christine Egerszegi am Montagabend mehrmals während ihrem Interface-Vortrag an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch.

Das Podium Interface pflegt den Dialog zwischen Naturwissenschaft, Technik, Philosophie und Kunst. Mit dem neuen Programmzyklus (siehe Box rechts) werden die neuartigen Herausforderungen zwischen den Generationen thematisiert, die sich aufgrund des rasanten Gesellschaftswandels ergeben. Zielpublikum sind alle Angehörigen der FHNW, anderer Hochschulen und die interessierte Öffentlichkeit.

Egerszegi zeigte in ihrem Referat das Zusammenspiel der verschiedenen Sozialwerke in der Schweiz auf. Sie ortete die wichtigsten Herausforderungen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Migration. «Die Generationensolidarität ist im Wandel», so die Ständerätin. Angesichts der gestiegenen Lebenserwartung spricht man heute von vier Generationen: Die erste Generation umfasst Kinder und Jugendliche bis zum Einstieg ins Berufsleben, die zweite die erwerbstätige Bevölkerung bis 55 Jahre, die dritte Generation umschreibt die tatkräftigen 56- bis 75-Jährigen und die vierte die Hochbetagten.

«Das Armutsrisiko bei Kindern und Müttern ist höher als bei Rentnern» , sagte die 5-fache Grossmutter und ergänzte: «Das Mittagsessen mit Geschäftspartnern kann man von den Steuern abziehen, aber die Kosten für die Spielgruppe nicht.»

Zwei Drittel der Sozialversicherungsausgaben gehen heute an Betagte. Egerszegi bezeichnete die Finanzierung der AHV mittels Umlageverfahren als einmaliges Solidaritätswerk zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie zwischen Jungen und Alten. Die rund 2 Millionen Rentner beziehen eine monatliche Durchschnittsrente von 1839 Franken»Wo soll man hier noch sparen?», so die FDP-Politikerin. Dass die AHV trotz abnehmender Geburtenrate relativ gesund sei, schrieb Egerszegi den höheren Löhnen, der Migration von Hochqualifizierten und der zunehmenden Frauenerwerbsquote zu.

Das Rentenalter zu erhöhen mache nur Sinn, wenn es genügend Stellen für ältere Arbeitnehmer gebe, so die Politikerin. Egerszegi wünschte sich insbesondere von der dritten Generation, gezieltes Engagement für die Gesellschaft mit Tätigkeiten wie Kinderbetreuung oder Vereinsarbeit. Sie appellierte an die mehrheitlich ältere Zuhörerschaft in der Aula: «Die Solidarität unter den Generationen muss immer wieder neu gelebt werden. Wir sind vier Generationen und eine Gesellschaft.»

Auch wenn heute viele Pflege- und Betreuungsleistungen von Dritten erbracht würden, so sei der grosse Anteil an Freiwilligenarbeit enorm wertvoll und eine grosse Entlastung für die Sozialwerke, schloss Egerszegi ihre Auslegeordnung.