Windisch/Brugg

Christian Bolt macht aus einer kleinen Idee ein grosses Theater

Christian Bolt steht auf der Galerie im Hallerbau, wo er mit dem Ensemble als Sänger auftreten wird. Colin Frei

Christian Bolt steht auf der Galerie im Hallerbau, wo er mit dem Ensemble als Sänger auftreten wird. Colin Frei

Co-Produktionsleiter Christian Bolt (56) spricht über das grenzübergreifende Theaterprojekt «Heimat 52», das in Brugg und Windisch im Spätsommer für nachhaltige Erlebnisse sorgen dürfte. Der Vorverkauf beginnt beginnt am 1. Mai.

An diesem Nachmittag ist der Lichthof im Hallerbau der Fachhochschule Nordwestschweiz Brugg-Windisch fast menschenleer. Die Sonne scheint durch die Fenster in der obersten Etage. «Dieses Gebäude ist ein perfekter Theaterraum», schwärmt Christian Bolt. Der Windischer ist zusammen mit seiner Arbeitskollegin Daniela Hauser Produktionsleiter des Theaterprojekts «Heimat 52». Die Zahl ist eine Anspielung auf die ersten beiden gemeinsamen Ziffern der Postleitzahlen 5200 Brugg und 5210 Windisch.

Ab dem 7. August werden im Erdgeschoss des Hallerbaus am Abend jeweils 166 drehbare Stühle auf das Theaterpublikum warten. Das rund 60 Personen zählende Ensemble wird auf den Galerien rund um den Lichthof auftreten. Zum Einsatz kommen Chor, Sprechrollen
und Orchester. Hier wird gemeinsam an der Zukunft geforscht. Der erste Teil des Theaters findet im Kulturhaus Odeon statt. Die Idee zu dieser Produktion, bei der es um die wechselvolle Beziehung zwischen Windisch, Brugg und der Region geht, hatte Bolt schon vor einigen Jahren. «Alleine bin ich nicht so mutig. Glücklicherweise trugen Freunde und
Kollegen diesen Gedanken von Beginn her mit und haben sich dem Projekt verschrieben.»

«Hunz und Kunz» war vor Premiere ausverkauft

Seine erste grosse und durchaus unkonventionelle Idee zur Theaterproduktion «Hinz und Kunz» war im Sommer 2014 ein riesiger Erfolg. Alle 14 Vorstellungen waren bereits vor der Premiere ausverkauft. Mit dem Stück, das zum 50-Jahr-Jubiläum des Quartiervereins entstand, wurden der Alltag und der Wandel des Windischer Unterdorfs dargestellt. Mit dabei waren viele Unterdörfler als Mitglieder des Ensembles sowie das künstlerische Team mit Adrian Meyer als Autor und Regisseur, Marc Urech als musikalischer Leiter und Komponist sowie Jacqueline Weiss als Bühnenbildnerin.

Auf einige der damaligen Mitstreiter – vor allem auf das künstlerische Team um Adrian Meyer – kann Bolt auch beim aktuellen Projekt wieder zählen. Neu dazugekommen ist der Filmemacher Wolfgang Heilgendorff. Was vor drei Jahren mit etwa 30 Gästen bei Bolt zu Hause in einer lockeren Runde ausgelotet wurde, hat sich inzwischen zu einem aufwendigen Projekt mit einem 190000-FrankenBudget entwickelt.

Bauerntrampel und Besserwisser

Die Idee hinter «Heimat 52» ist aus einem Gedankenspiel entstanden: Was wäre, wenn Bauerntrampel und Besserwisser in eine gemeinsame Zone umgesiedelt würden? Wo blieben Sicherheit, Heimat und Identität, wenn die Ortsgrenzen zwischen Bruggern und Windischern nicht mehr bestünden? Diesen und weiteren Fragen wird mit Humor nachgegangen.

Der Entstehungsprozess ist ähnlich wie bei «Hinz und Kunz»: Es geht – abseits von politischen und finanziellen Zwängen – um die kleinen und grossen Geschichten sowie prägende Persönlichkeiten, über die man gerne spricht. Um gemeinsame Erlebnisse zu sammeln, organisierte das Kernteam Gesprächsrunden mit Windischer und Brugger Persönlichkeiten sowie Spielabende, an denen Regisseur Meyer gezielt Fragen stellte und so den Stoff für das Drehbuch aufspürte.

Während dreiviertel Jahren entstanden für den ersten Theaterteil mehrere Filmszenen – mit prominenten Mitwirkenden wie Windischs Gemeindepräsidentin Heidi Ammon und Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher. «Für das Filmprojekt, respektive einzelne Sequenzen, konnten wir auch Mitwirkende berücksichtigen, die sich nicht für ein mehrmonatiges Engagement verpflichten konnten oder wollten», so Bolt. Ende März entstand die letzte Szene «Brautschau». Darin buhlen die Schinznacher und Windischer Braut um den Brugger Bräutigam.

Er will nichts unversucht lassen

Bolt ist neben den Aufgaben, die zur Produktionsleitung gehören, auch im Chor als Sänger aktiv. Dem Ensemble steht nach den Frühlingsferien eine intensive Probezeit mit Einsätzen an den Samstagen und an einigen Abenden bevor. Wie viele Lieder es am Schluss für die Sänger
sein werden, weiss Bolt noch nicht.

Überhaupt ist es für den Windischer, der vor Ideen sprudelt und top motiviert bei diesem Projekt dabei ist, nicht immer einfach, sich abzugrenzen. Er ist eher von der Sorte Mensch, der alle miteinbeziehen und keine Idee zu früh begraben möchte. Besteht nicht die Gefahr, dass am Schluss fast mehr Leute am Theater beteiligt sind, als im Publikum sitzen werden? Bolt nickt und fügt an: «Das Produktionsleitungsteam mit Daniela Hauser, Eva Beck, Antonio Carlucci und Kurt Schneider ergänzt sich sehr gut. Die Diskussionen zeigen oft anschaulich auf, was noch machbar ist und was nicht.»

Kultureller Beitrag ans Stadtfest Brugg

«Heimat 52» ist auch ein kultureller Beitrag von Bruggern und Windischern zum Brugger Stadtfest. Finanziert wird die Produktion, von der es zum Abschluss eine Dokumentation und eine DVD geben wird, durch Stiftungsbeiträge, Sponsorengelder, Crowdfunding und Eintrittsgelder. Der Verein «Zufall regiert» betreibt während des Stadtfests
die Theaterbar Pavillon Utopia hinter dem Stadthaus. Dort werden eher die jüngeren Mitglieder im Einsatz stehen. Schreiner Markus Spicher wird die Kochlöffel schwingen und einige Theaterleute dürften sich nach der Aufführung hier einen Schlummertrunk gönnen.

Mit Blick in die Zukunft steht für Christian Bolt bereits fest: «Das nächste Stadtfest sollte ein Fest der Region Brugg Windisch sein.» Er erklärt die Idee dahinter in der Förstersprache: «Holz wächst am Holz. Je dicker der Baumstamm ist, umso mehr Holz wächst pro Jahrring. Jetzt ist es Zeit für eine sichtbare und nachhaltige Entwicklung als Region!» 

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