Es ist das Horrorszenario für Mütter und Väter: Am Montag ist in Windisch ein fünfjähriger Knabe auf dem Weg in den Kindergarten von einem Lastwagen erfasst und überrollt worden. In kritischem Zustand wurde das Kind mit der Rega ins Universitätsspital Zürich geflogen. Dort erlag es seinen schweren Verletzungen.

Einen Tag nach dem tragischen Unfall spricht der Windischer Schulpflegepräsident Philipp Küng von einem totalen Schock für alle Involvierten. Trotz unglaublicher Belastung: Von grösster Bedeutung sei jetzt, dass in dieser schwierigen Situation niemand allein gelassen werde. «Alle müssen auf Begleitung und Unterstützung zählen können. Alle müssen wissen, an wen sie sich für Hilfe wenden können.»

Wert gelegt werde auf einen angemessenen, pietätvollen Umgang, so Küng weiter. Es werde auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingegangen. Deshalb seien sowohl Vertreter der Schule als auch des Care-Teams vor Ort. «Die Hinterbliebenen – die Trauerfamilie, die Kinder, die Lehrpersonen – erhalten eine Stütze.» Das weitere Vorgehen werde Schritt für Schritt, Stunde für Stunde, Tag für Tag abgeklärt und entschieden, sagt Küng. «Das ist sehr individuell.»

Riesige Betroffenheit

«Dieser Unfall ist die absolute Horrorvorstellung jedes Chauffeurs», sagt Daniel Knecht, Verwaltungsratspräsident der Knecht Brugg Holding AG. Das Unfallfahrzeug war im Auftrag der Muldenzentrale Brugg unterwegs, einem Unternehmen der Daetwiler AG, welche zur Knecht Brugg Holding AG gehört.

«Im ganzen Betrieb herrscht enorme Betroffenheit. Zudem kennen einige Mitarbeiter die betroffene Familie persönlich», so Knecht, der am Montagmorgen wenige Minuten nach dem Unfall vor Ort war. Die Mitarbeitenden seien umgehend via E-Mail und Mitteilungsblatt am Anschlagbrett informiert worden. Am Dienstagmorgen hätten sich in der Muldenzentrale Brugg an der Aarauerstrasse alle Mitarbeitenden versammelt. «Wir wollen alle Fakten, die wir kennen, weitergeben. Die Mitarbeiter wollen die Information aus erster Hand.»

Kein Alkohol- oder Drogeneinfluss

Erste Abklärungen haben laut Knecht ergeben, dass der Chauffeur zum Zeitpunkt des Unfalls im Schritttempo unterwegs war und weder unter Alkohol noch unter Drogeneinfluss stand. Der Chauffeur ging am Dienstagmorgen auf das Strassenverkehrsamt, wo der Lastwagen einer technischen Prüfung unterzogen wurde. Für Knecht ist es wichtig, die Betreuung des Chauffeurs sicherzustellen, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden.

«Der Chauffeur hat den Wunsch geäussert, sich im Betrieb mit einer anderen Tätigkeit ablenken zu können. Diesem Wunsch wollen wir entgegenkommen», so Knecht. «Wir wollen die Möglichkeit für eine aktive Verarbeitung des Unfalls im Team bieten.»

Erst vor zwei Wochen absolvierte der Chauffeur zusammen mit 17 weiteren Chauffeuren einen Sicherheitskurs, wo genau das Vermeiden solcher Situationen geübt wurde. «Jetzt geht es darum, den Fall exakt zu analysieren und mögliche Lehren daraus zu ziehen», fasst Knecht die Situation zusammen.

«Am Dienstag und Mittwoch verkehren im Gebiet der Schule und des Kindergartens in Windisch keine unserer Lastwagen. Wir werden detailliert prüfen, wie wir mit den Gefahrenherden bei Schulen und Kindergärten in Zukunft besser umgehen können», betont Knecht.