Windisch

Chanel und Prada gibts hinterm Bäcker ums Eck

Für die kaufmännische Angestellte Tamara Hochuli ist die Boutique ein Hobby. jam

Für die kaufmännische Angestellte Tamara Hochuli ist die Boutique ein Hobby. jam

Im unscheinbaren Ladenlokal der «EpicBoutique» verstecken sich Schätze für modeaffine Schnäppchenjäger. Facebook-Werbung soll nun mehr Kunden anlocken.

Auf der Social-Media-Plattform Facebook gibt es die Möglichkeit, in einem gewissen Umkreis Werbung zu schalten. Dieses Angebot nutzt seit Kurzem auch Tamara Hochuli, Besitzerin der «Epic Boutique». Mit Erfolg: Teilweise zählte sie mehr als das Doppelte an Kundschaft. «Ob es jetzt an Facebook alleine liegt oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen», meint sie. «Aber es ist doch eine erfreuliche Tendenz.»

Für Tamara Hochuli, blonder Pferdeschwanz, grünes Jackett mit goldfarbenen Knöpfen, dezent geschminkt, ist die Boutique ein Hobby. Vor einigen Jahren bemerkte sie in Baden ein leeres Ladenlokal. Sie presste ihre Nase an die Scheibe, versuchte, möglichst viel vom Raum zu erhaschen, und dachte dann: «Es wäre perfekt für einen Secondhand-Laden.»

Die Idee, selber ein solches Geschäft zu eröffnen, liess sie nicht mehr los. Ihr schwebte ein First- und Secondhand-Laden für Luxusmarken vor. Im Internet machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Lokal und wurde in Windisch an der Zürcherstrasse 28, etwas versteckt hinter der Bäckerei Lehmann, fündig. «Die Mietpreise an einem prominenteren Standort hätte ich mir gar nicht leisten wollen», betont sie. «Der Laden ist ein Hobby.»

Einkaufen mit dem Hund

Während die 33-jährige Ladenbesitzerin erzählt, macht draussen vor der Tür eine Frau mit Hund Halt. Sie trägt robuste Schuhe und eine Windjacke. Dann stöbert sie interessiert durch die Kleider, die an einer Stange hängen. Dann ergreift sie einen Ganzkörperanzug aus Jeansstoff und betrachtet ihn genauer. Mit dem Hund tritt sie in den Laden, lacht und fragt: «Darf ich den probieren?» Tamara Hochuli nickt erfreut, zeigt ihr die Umkleidekabine. Dann fährt sie fort mit dem Erzählen.

Seit Dezember 2012 gibt es die «Epic Boutique» schon. Mittlerweile ist sie bekannt dafür, dass sich hier wahre Schätze für modeaffine Schnäppchenjäger verstecken. Von Chanel über Prada und Louis Vuitton – Frauenkleider sowie Schuhe und Handtaschen gibt es in vielen Luxusmarken. Rasch konnte sich Tamara Hochuli einen kleinen, aber treuen Kundenstamm aufbauen. Das Wissen über dieses Segment und das Faible für die Marken musste sich Tamara Hochuli, die 100 Prozent als kaufmännische Angestellte arbeitet, zuerst aneignen. «Mittlerweile kann ich die Ware gut beurteilen, vor allem die gängigen Luxusmarken», sagt sie. In den wenigen Fällen, in denen sie sich nicht ganz sicher ist, ob jetzt eine Louis-Vuitton-Tasche echt ist, spaziert sie in Zürich oder Basel in den Store und fragt kurzerhand nach, ob die Profis das Produkt kurz überprüfen können.

Berg- und Talfahrt im Laden

Denn die Ware, die Tamara Hochuli in ihrem Laden verkauft, stammt von Frauen, die die Markenschuhe oder -Taschen nicht mehr wollen, aber trotzdem noch etwas dafür erhalten möchten. Es kann dann also doch passieren, dass die eine oder andere Tasche noch 800 oder 1000 Franken kostet, weil der ursprüngliche Preis vielleicht bei 2500 Franken lag. «Eine Freundin von mir sagte mal: ‹Wer sich mit Marken nicht auskennt, macht bei dir im Laden eine Berg- und Talfahrt›», sagt Tamara Hochuli. Und meint damit, dass es vorkommt, dass ein schwarzes T-Shirt für 50 Franken neben einem hängt, das fast gleich aussieht und dann halt 150 Franken kostet. «Den Kundinnen muss ich jeweils die Unterschiede erklären», sagt sie und lacht.

Tamara Hochuli bietet in ihrer Boutique aber auch Firsthand-Ware an. Wird beispielsweise ein Schuhgeschäft liquidiert, kann sie häufig vorbei gehen und sich einen Teil der Ware, der in ihr Konzept passt, mitnehmen. Sie ist stets auf der Suche nach guten Angeboten. «Ich vergleiche das gerne mit dem Goldgräberinstinkt», sagt sie. Verleidet ist Tamara Hochuli ihre Boutique bisher noch nie. Obwohl sie praktisch jeden Samstag im Laden steht. «Klar, ich habe kaum einen Samstag frei», sagt sie. «Aber ich mache das aus purer Freude.»

Mittlerweile hat sich die Frau mit dem Hund entschieden, den Hosenanzug zu kaufen. Ein Spontaneinkauf auf dem Morgenspaziergang. «Das sind super Momente für mich», schwärmt Tamara Hochuli.

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