Brugg
Chämifeger ist auch ein moderner Glücksbringer

Die Fachleute gelten als Neujahrsglücksbringer, das aktuelle Berufsbild wird hingegen oft verkannt. Und der Berufsstand kämpft mit Nachwuchsproblemen.

Claudia Meier
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Bei den Kaminfeger-Lernenden sind rund ein Viertel Frauen. zvg

Bei den Kaminfeger-Lernenden sind rund ein Viertel Frauen. zvg

Ursprünglich wurde der Kaminfeger mit dem Teufel in Verbindung gebracht, was auf die durch Russ verursachte schwarze Haut zurückzuführen war. Doch bereits im Mittelalter begannen die Leute die Arbeit der Kaminfeger zu schätzen, sie realisierten, dass durch das Sauberhalten der Rauchabzüge Kaminbrände verhindert werden konnten. Denn die verheerenden Brände breiteten sich manchmal über das ganze Dorf aus und richteten enorme Schäden an. Später wurde es Brauch, dass der Kaminfeger am Neujahrstag die Rechnung für seine Arbeit brachte. Da er als einer der Ersten gute Wünsche für das neue Jahr überbrachte, galt er als Glücksbringer. Noch heute werden zum Jahreswechsel Glücksklee mit Kaminfeger-Figuren feilgeboten.

Immer wieder schmunzeln Leute auf der Strasse, wenn sie einen Kaminfeger sehen. Doch als Glücksbringer werde man meist nur noch von älteren Personen bezeichnet, weiss Paul Herzog, Kaminfegermeister aus Frick. Brandschutzkontrollen gehören zwar noch immer zu den Kernaufgaben der Kaminfeger, aber Immissionsmessungen und Kontrollen von Öl-, Gas- und Holzfeuerungen sind ebenso wichtige Bestandteile des Berufsalltags. Paul Herzog kann sich erinnern, dass der Kaminfeger früher alle Werkzeuge und Apparate, die er für die tägliche Arbeit brauchte, mit den Händen tragen konnte. Später brauchte er ein Töffli mit Anhänger und heute müssen die Arbeitsutensilien mit dem Auto transportiert werden.

Anspruchsvolle Aufgaben

Eben erst hat der Schweizerische Kaminfegermeister-Verband ein neues Berufsbild verabschiedet, welches vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie genehmigt wurde und auf den 1. Januar 2011 in Kraft tritt. «Der Beruf wurde interessanter», ist Konrad Imbach, Direktor des Schweizerischen Kaminfegermeister- Verbands überzeugt. Die Kaminfeger hätten eine wichtige Informationspflicht zu erfüllen, in dem sie beispielsweise der Kundschaft erklärten, wie man die Heizung richtig einstelle oder mit Holz am besten heize, indem das Feuer von oben her entfacht werde. Dadurch helfen sie mit, die Schadstoffimmissionen zu reduzieren, und leisten einen Beitrag zum Brandschutz. Natürlich gebe es bei der Arbeit noch ab und zu einen schwarzen Kopf, sagt Imbach. Die Berufsleute müssten sich aber auch in Stuben mit Marmorböden geschickt verhalten.

Hansruedi Blatter aus Stein, Kassier im Vorstand des Aargauischen Kaminfegermeisterverbands, ergänzt: «Alle Arbeiten sind zeitlich abgesteckt, und so entsteht ein gewisser Druck.» Man müsse damit umgehen können, dass man pro Tag in verschiedenen Häusern arbeite, fährt er fort. Das Handwerk gehe auf die Dauer an die Substanz.

Nachwuchsprobleme

Im Kanton Aargau gibt es 38 Kaminfegergeschäfte, die alle von Männern geführt werden. Der Frauenanteil bei den Lernenden macht rund ein Viertel aus. Doch mit dem Nachwuchs sei es seit Jahren schwierig, ist von allen Angefragten zu erfahren. «Leider sind wir nicht erste Wahl, wenn sich Jugendliche für einen Beruf entscheiden», stellt Imbach ernüchternd fest. Pro Jahr beginnen
in der Deutschschweiz zirka 60, in der Westschweiz durchschnittlich 20 und im Tessin nur gerade zwei bis drei Lernende die dreijährige berufliche Grundbildung, die mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abschliesst.

Im Aargau beginnen durchschnittlich nur fünf Lernende pro Jahr mit der Ausbildung. Die Berufsschule besuchen sie in Olten. Ob allfällige Interessenten für den Beruf geeignet sind, klärt Herzog mit einem Eignungstest ab, der vom Verband ausgearbeitet wurde. Erstaunlich ist, dass längst nicht alle Betriebe ihre freien Lehrstellen melden. Stattdessen möchten sie lieber direkt von Interessierten kontaktiert werden. Schulabgänger mit Flair und Verständnis für den Beruf des Kaminfegers haben also gute Chancen, noch eine Lehrstelle auf den kommenden Sommer zu finden. Wer sich in der Lehre bewährt, darf mit einer Festanstellung rechnen. «Mein Kapital sind meine Leute an der Front», stellt Herzog fest. Der Kanton ist in Konzessionsgebiete aufgeteilt. Das heisst, die Betriebe sind für eine Anzahl Gemeinden zuständig. Bei Engpässen helfen sich die Betriebe aber mit Personal gegenseitig aus.

Beruf mit Perspektive

Der Beruf biete eine gute Grundausbildung, sagt Imbach, auch wenn viele mit 30 oder 40 Jahren den Beruf wechseln. Kaminfeger werden gerne für Hauswartdienste eingestellt, weil sie ein technisches Flair haben. Zudem stehen den jungen Berufsleuten auch zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Neben der Meisterprüfung kann man sich zum Feuerungskontrolleur mit eidgenössischem Fachausweis weiterbilden. Der Berufsgruppe öffnet sich mit der Wartung und Reinigung von Komfortlüftungen bei Minergiegebäuden ein zusätzliches, neues Betätigungsfeld. «Eigentlich ist der Kaminfeger auch ein moderner Glücksbringer», bilanziert Konrad Imbach, «er sorgt nicht nur für Brandschutz, sondern kümmert sich um gute Luftqualität und hilft beim Energiesparen.»