«Aargau und Kultur und Cécile Laubacher gehören untrennbar zusammen.» Das sagte der Schriftsteller Andreas Neeser im vergangenen November, als die Brugger Kulturpädagogin Cécile Laubacher als erste Aargauerin eine Ehrengabe des Kantons erhielt. Jetzt ist sie nicht mehr: Cécile Laubacher ist am 4.September im Alter von 94 Jahren gestorben, wie ihre Freunde in einer Todesanzeige mitteilten.

Der Aargau trauert um eine Grand Dame, eine Frau mit unverkennbarem Stil, eine Pionierin. Und Brugg fehlt definitiv eine der markantesten Einwohnerinnen – auch wenn Cécile Laubacher, die schon im November auf den Rollstuhl angewiesen war, zuletzt im Prophetenstädtchen kaum mehr anzutreffen war.

«Wie viele hundert Schülerinnen und Schüler sie als Zeichenlehrerin an der Alten Kanti für Kunst begeistern konnte, wie vielen Besuchern sie im Aargauer Kunsthaus die Augen und Herzen öffnete, wie vielen Menschen sie an der Volkshochschule, bei Kursen, durch Vernissagereden, als Reiseorganisatorin den Zugang zur Kultur verschaffte, ist nicht mehr eruierbar», schrieb die AZ aus Anlass der Ehrung.

Kulturpädagogin und Kulturvermittlerin

«Aber klar ist: Cécile Laubacher war Kulturpädagogin und Kulturvermittlerin, bevor es diese Bezeichnungen überhaupt gab.» Aus Anlass ihres 90. Geburtstags hiess es: «Wer nur ein kleines bisschen kulturaffin ist, hat Cécile Laubacher zumindest schon gesehen. Sie ist unübersehbar, zwar leiser als der Durchschnitt, aber extravagant in der Erscheinung.» Der Coiffeur am Donnerstag – er war gesetzt. Ein Café und die Zeitungslektüre im Bioladen Buono gehörten zu ihrem Tagesritual, als sie noch in der Brugger Altstadt wohnte. Sie war stets perfekt geschminkt und so elegant wie eigenwillig gekleidet. «Eine ausserordentliche Erscheinung», wie der Brugger Stadtrat Leo Geissman letztes Jahr sagte. Im Kulturhaus Odeon fand sie ein zweites Zuhause, sei es im Kinosaal oder in der Bar, wo sie sich oft und gerne mit den jungen Angestellten unterhielt.

Laubacher, das Multitalent

Cécile Laubacher war ein Multitalent. Sie hatte nicht nur an der Kunstgewerbeschule die Zeichenlehrerinnenausbildung gemacht, sondern am Konservatorium auch ein Klavierdiplom erworben. Cécile Laubacher wuchs mit einem älteren Bruder und zwei älteren Schwestern in Brugg auf. Ihre Mutter war sehr religiös gewesen, ihr Vater ein ausgebildeter Lokomotivführer, der dann aber als Autobus-Chauffeur arbeitete. Eigentlich wollte sie Innenarchitektin werden, doch nach einem halben Jahr an der Ecole des Beaux Arts in Genf wechselte sie an die Kunstgewerbeschule Zürich. Später war sie während 30 Jahren Zeichenlehrerin an der Alten Kantonsschule Aarau. 1984 bis 1996 sass sie im Stiftungsrat der Pro Argovia.

Ihr Lebensmotto lautete: «Es esch wies esch!» Jetzt isch es verbi. Zu Ehren von Cécile Laubacher zeigt das Kulturhaus Odeon am 11. Oktober, am Tag der Gedenkfeier, um 20.15 Uhr ihren Lieblingsfilm «Amarcord» von Federico Fellini. (UHG/CM)