Brugg-Windisch
«Canta Libre»: Junge Frauenstimmen entführen in den kühlen Norden

Der Chor der Pädagogischen Hochschule ist eine Seltenheit – der Leiter René Koch erklärt warum. «Canta Libre» lädt am 27. September zum «Sommarpsalm» in der reformierten Kirche Windisch. Der Abend widmet sich dem Thema «Skandinavische Volkslieder».

Meret Radi
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Das Frauenvokalensemble «Canta Libre» der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz bei einem Auftritt im Mai 2014.

Das Frauenvokalensemble «Canta Libre» der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz bei einem Auftritt im Mai 2014.

ZVG

Beim Betreten des Schulzimmers wird die Besucherin sofort erfasst vom Gesang des Frauenensembles.

Der 14-köpfige Chor steht im Halbkreis im Raum und singt aus vollen Lungen. Am Klavier gibt der Leiter René Koch den Ton an: Er greift leidenschaftlich in die Tasten und gibt den Sängerinnen Hilfestellungen, die richtigen Töne zu finden. «Das war eine siebenstimmige Auswahlsendung», bemängelt er lachend.

In einer Ecke des Raums sitzen die Instrumentalisten: ein Violinist, ein Gitarrist und ein Musiker, der zwischen Klarinette und Saxofon wechselt. Das kleine Schulzimmer fühlt sich eng an: Zu wenig Raum für so viele Musiker und ein solches Klangvolumen. «Prima, jetzt habt ihr den Ton», lobt der Chorleiter.

Lebendige Chortradition

Das Frauenvokalensemble «Canta Libre» der Pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz bereitet sich auf das Konzert am 27. September vor.

Dirigent Koch hat das Thema «Skandinavische Volkslieder» ausgesucht. Er begründet seine Wahl damit, dass Länder wie Finnland, Schweden oder Norwegen einen enorm reichen Fundus an Volksliedern und eine starke und lebendige Chortradition haben.

Ausserdem schätzt der Dirigent, die Kontraste der Lieder dieser Länder: «Das Volksliedgut reicht von melancholischen Melodien in Moll bis zu tänzerisch-fröhlichen Stücken.» Er begründet seine Auswahl weiter: «Ausserdem bin ich ein Liebhaber von moderner Jazzmusik und viele skandinavische Jazzmusiker schöpfen aus dem Volksliedgut ihrer Heimat.»

Die persönliche Leidenschaft des Dirigenten für die ausgewählten Stücke ist sichtbar: er klopft energisch mit dem Fuss auf den Boden, haut in die Klaviertasten und ruft: «Angriff!»Der Gesang des Chors wird lauter und aufbrausender.

Kurz darauf summen die Frauen wieder leise und sanfte Töne. Alle Mitglieder von «Canta Libre» sind Studentinnen oder Absolventinnen der Pädagogischen Fachhochschule. Jede von ihnen belegt zusätzlich das Fach Einzelstimmbildung.

Schwester singt Stücke ein

Als Nächstes probt der Chor ein Lied mit norwegischem Text. Eine Sängerin korrigiert die Aussprache der andern: «Furte! Es heisst furte und nicht forte!» Das Ensemble singt teilweise in Originalsprachen, doch woher wissen die Sängerinnen, wie man die Wörter ausspricht?

«Wir haben verschiedene Quellen», erklärt der Dirigent, «Beispielsweise wohnt die Schwester des Saxofonisten in Stockholm. Sie hat die schwedischen Stücke eingesungen und den Sängerinnen zukommen lassen.» Die Spezialistin für die norwegische Aussprache singe selber im Chor, sagt Koch, sie sei dieser Sprache mächtig, weil ihr Mann in Norwegen doktoriert habe.

«Canta Libre» als Ausnahme

Während dem Singen der Stücke sind alle hochkonzentriert: Die Blicke der Sängerinnen hängen am Notenblatt, die Musiker begleiten den Gesang, mal improvisierend, mal ab Blatt und der Dirigent behält den Überblick. Doch zwischen den einzelnen Liedern ist die Stimmung ausgelassen.

Es wird eifrig diskutiert, welche Wiederholungen gemacht werden und wann der Chor einstimmig und wann mehrstimmig singt.

«Reine Frauenensembles mit jungen Stimmen wie ›Canta Libre‹ sind selten», sagt der Dirigent. Er fügt hinzu: «Es gibt Literatur, speziell im skandinavischen Raum, die für reine Frauenchöre geschrieben ist.» Ein paar Lieder habe er aber selber umgeschrieben, damit sie für das dreistimmige Ensemble passen.

«Es gibt leider keine Garantie fürs Weiterbestehen von ›Canta Libre‹. Es fehlt eine Kontinuität», bedauert Koch. Die Teilnehmerinnen bleiben meist nicht länger als ein Semester im Chor, weil sie eine neue Stelle antreten oder vom Angebot eines Austauschs profitieren.

Die Probe endet, so der Dirigent begeistert, mit einem «Norwegischen Schlussfeuerwerk». Die Besucherin fragt sich, von den kräftigen Tönen erfasst, wie»Canta Libre» wohl in einer Kirche klingt?

«Sommarpsalm» - Scandinavian Folksongs PH-Frauenvokalensemble «Canta Libre», Samstag, 27. September, 19.30 Uhr, Reformierte Kirche Windisch