Im Campussaal hat man schon vieles erblickt, doch diese roten, bequemen Sessel noch nicht. «Die sind neu», bestätigen Kathrin Kalt und Armin Baumann, die beiden Betreiber des Campussaals. «Dank dieser Sitzgruppe können wir Konferenzen einrichten und Kundenbesprechungen abhalten oder wir können die Sessel für eine Diskussion aufs Podium hieven.»

Das Duo Baumann/Kalt freut sich: Wieder etwas Neues in diesem «Raum für grosse Ideen», wie die beiden den Saal bezeichnen. Grund unseres Besuches ist der 10 000. Besucher, der am 18. März erwartet wird. Rückblick: Vor einem halben Jahr wurde der Campussaal, noch vor der offiziellen Eröffnung, mit einem Anlass der KMU Swiss AG eingeweiht.

Armin Baumann, Kathrin Kalt: Seit jener Veranstaltung im September sind 6 Monate verstrichen. Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie in dieser kurzen Zeit erreicht haben?

Kathrin Kalt: Zufrieden darf man nie sein, aber wir sind sehr zuversichtlich für die kommende Zeit.

Armin Baumann: Das unterstreiche ich. Wir können aber sagen: Im Hinblick auf die Zielvorgabe sind wir auf Kurs.

Lässt sich diese, für Sie relative, Zufriedenheit mit Zahlen beziffern?

Baumann: Wir sind bei 30 Veranstaltungen innert 6 Monaten angelangt; es dürften aber noch mehr sein.

Kalt: Die Zufriedenheit drückt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch in positiven Rückmeldungen aus.

Inwiefern?

Kalt: Positiv erwähnt wird unser gesamtheitliches Angebot: Der professionelle Service aus einer Hand – der Veranstalter kann derweil entspannt zurücklehnen und geniessen. Das schliesst auch das Catering, die Koordination der Anlieferungen, die Garderobe, die Technik, den Empfang oder den Blumenschmuck ein.

Welches war der bisher kleinste, welches der grösste Anlass?

Kalt: Die Firma Nexell war mit 30 Personen im Foyer zu Gast – sie wollte sich dort präsentieren. Der Jugendpsychologische Dienst Aargau war mit 800 Personen anwesend.

Die Akustik des Saales empfinden manche Besucher als zu trocken.

Baumann: Akustisch gesehen, ist der Saal für Rockmusik okay, für Sinfonisches erweist er sich jedoch als schwierig. Diesbezüglich sind wir sehr abhängig vom Zusatzequipment, um eine etwas halligere Ambiance zu erzielen.

Kalt: Man darf nicht vergessen: Der Campussaal ist primär auf Bild und Sprache ausgerichtet.

Stammen die Kunden, die bei Ihnen in den ersten Monaten gebucht haben, vor allem aus der Region?

Baumann: Nein. Die Mehrheit kommt nicht aus der Region Brugg-Windisch.

Weshalb ist das so? Ist es nicht naheliegend, dass Kunden aus der Nähe einen Ort in der Nähe auswählen?

Baumann: Nicht unbedingt. Es gibt offenbar in der Region immer noch falsche Vorstellungen über den Raum, der einmal als eine Art Gemeindesaal geplant war. Der Campussaal ist aber ein Kultur- und Kongresszentrum.

Kalt: Er ist eine Top-Event-Location, die es mit anderen vergleichbaren Sälen aufnehmen kann. Wir bieten hier ja auch ein ganzes Paket von Dienstleistungen an.

War vor allem die Wirtschafts-Branche stark vertreten?

Baumann: Nein. Die Region Baden weist mehr grosse Wirtschaftsfirmen aus, was aber hier, im Raum Brugg-Windisch, weniger der Fall ist. Wir möchten Wirtschaftsvertreter jedoch unbedingt ansprechen.

Wie denn?

Baumann: Zum Beispiel mit der KMU Swiss Piazza am 20. März.

Ist das eine Gewerbemesse?

Baumann: Nein. Die Piazza funktioniert folgendermassen: Mitglieder diverser Branchen bekommen Gelegenheit, sich an Ständen über Produkte und Dienstleistungen zu informieren, Vorträge zu erleben und sich in der Bar/Lounge mit Besuchern vertieft auszutauschen.

Ein lupenreiner Insideranlass?

Baumann: Gerade das soll er nicht sein, deshalb ist dies ein öffentlicher Anlass – jedermann ist dazu herzlich für einen Besuch eingeladen.

Die in unterschiedlichen Rottönen gehaltene Farbgestaltung des Campussaals wird überwiegend als gelungen wahrgenommen. Dazu korrespondiert das variable Licht. Gibt es für Kunden eigentlich massgeschneiderte Lösungen?

Kalt: Aber sicher. Eine Konferenz erfordert warmes Licht; Ausstellungsgegenstände hingegen kaltes. Eine Firma kann sich ihre individuelle Lichtstimmung wünschen. Das Blau der Neuen Aargauer Bank ist ein anderes, als jenes der Aargauer Zeitung (lacht).

Von jenem Moment, als Sie beide als Campussaal-Betreiber feststanden, mussten Sie werben – und das für einen Raum, der damals erst eine Hülle war. Welche Argumente haben Sie ins Feld geführt?

Baumann:Sicher spielte die fantastische Verkehrsanbindung eine ganz grosse Rolle. Mit dem öV, also der Bahn, ist der Campussaal von allen Richtungen her rasch erreichbar. Er liegt vom Bahnhof Brugg nur 2 Minuten entfernt. Dazu haben wir rund 1000 Parkplätze in der engsten Umgebung. Ein weiteres Argument: Die Möglichkeit, den Saal in einen grossen und kleinen Raum zu unterteilen.

Welche Kunden haben Sie gewonnen, beziehungsweise abgeworben? Immerhin sind das Kultur- & Kongresshaus in Aarau und das Trafo in Baden Konkurrenten.

Kalt: Klar sind sie das, aber wir arbeiten auch als Veranstaltungsorte zusammen. Ist ein Datum bei uns belegt, verweisen wir Kunden an andere Häuser. Wichtig ist uns allen dies: dass der Kunde im Aargau bleibt.
Baumann: Uns freut es, dass wir auch einige Kunden aus Zürich für den Campussaal gewinnen konnten.

Was braucht es, um grosse Fische an Land zu ziehen?

Baumann (lacht): Beziehungen. Diese machen den grössten Anteil am Geschäft aus.

Sticht der Standort als Trumpf denn nicht auch?

Kalt: Das Renommee eines Ortes fällt weit weniger ins Gewicht, als seine Verkehrslage – und diese muss gesamtschweizerisch stimmen. Was beim Campussaal ja zutrifft.

Selbst wenn der Betrieb gut gestartet ist: Es müssen noch mehr Kunden nach Brugg-Windisch kommen. Was tun Sie dafür?

Kalt: Meldet sich jemand bei uns, laden wir ihn erst einmal zu einer Besichtigung ein. Wir spielen dann – abgestimmt auf das Budget des Kunden – alle Möglichkeiten durch. Vielleicht möchte er kein Setting mit einer konventionellen Bestuhlung, sondern eines, das einer Zirkusarena ähnelt.
Baumann: Das ist das Eine. Das Andere ist ein spezieller Anlass im Juni mit unseren Partnern: An diesem Tag können sich Eventveranstalter inspirieren lassen.

Was heisst das konkret?

Baumann: Wir bieten eine Plattform für jene, die bei uns mitmachen. Egal, ob es sich um Blumen, Möbel oder Catering handelt – dahinter stehen Menschen. Und diese bekommen ein Gesicht.

Werten Sie die letzten 6 Monate als finanziellen Erfolg?

Baumann: Wir sind in der Anfangs- und damit Aufbauphase. Da ist es völlig normal, dass wir derzeit keine Riesensprünge machen können.

Stichwort Aufbauphase: Wie viele Personen beschäftigen Sie?

Baumann: Wir haben 6 Festangestellte und einen Pool von etwa 20 Mitarbeitenden im Logistik- und Servicebereich.

Fliesst aus dem, was Sie erwirtschaften, etwas in die Region zurück?

Baumann: Natürlich. Als Beispiele erwähne ich Caterer aus der Region, Lieferanten und Mitarbeiter.

Wenn Sie auf das erste Halbjahr zurückblicken: Gab es Highlights?

Kalt: Das Besondere ist, dass alles, was wir in diesem neuen Saal organisieren, neu ist. Somit haben wir kein Déjà-vu-Erlebnis. Bei uns gibt es keinen Copy&Paste-Anlass.
Baumann: Schön wäre es, wenn die Gemeinden Brugg und Windisch künftig gemeinsam einen Neujahrsapéro im Campussaal ausrichten würden (schmunzelt).

Wünsche, Hoffnungen für 2014 und die Zukunft?

Baumann: Wir hoffen auf 60 Veranstaltungen in diesem Jahr. Möglich wären 100 bis 150. Aber wie gesagt: Wir befinden uns im Aufbau.

Visieren Sie auch mehrtägige Anlässe an?

Baumann: Wir haben durchaus grosse Kongresse im Auge. Aber da stellt sich die Frage nach Hotels – Business Hotels. In dieser Hinsicht müsste noch etwas getan werden.

Haben Sie, Kathrin Kalt und Armin Baumann, den Eindruck, dass der Campussaal im allgemeinen Bewusstsein schon verankert ist?

Kalt: Im Grossen und Ganzen Ja. Ich meine aber, dass Brugg und Windisch als Standorte noch mehr an Mut und Selbstvertrauen gewinnen könnten.
Baumann: Und ich glaube, dass die Nähe zur römischen und habsburgischen Geschichte noch ausbaufähig ist. Die Region Brugg hat vieles zu bieten und das soll sie auch selbstbewusst und gemeinsam zeigen.