Brugg-Windisch
Campus-Dozenten verbieten Laptop – Student ärgert sich über Bevormundung

Am Campus Brugg-Windisch gibts gewisse Skripts nur elektronisch – aber sie müssen ausgedruckt werden. Der daraus folgende «Papierverschleiss» und die Bevormundung ärgern einen Fachhochschul-Studenten.

Claudia Meier
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«Dieser Papierverschleiss auf Anordnung der Fachhochschule macht aus ökologischer und logistischer Sicht keinen Sinn», sagt Student F., der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Zu gross sind seine Bedenken, von Dozierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) schikaniert zu werden. F. studiert Energie- und Umwelttechnik in Brugg-Windisch. Ein Studiengang, der sich mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetzt.

Der junge Mann stört sich daran, dass Studierenden während des Unterrichts der Einsatz des Laptops «weitgehend verboten» wird. F. ist sich von einer anderen Hochschule gewöhnt, die Dokumente nicht auszudrucken, sondern direkt am Laptop zu bearbeiten – und seine Notizen dort einzufügen.

Damit konnte er sich das Ausdrucken von rund 1000 Blättern pro Jahr sparen, sagt er. «Dazu kommt, dass ich auf dem Laptop immer alle Dokumente dabei hatte. Ich konnte zu Hause, unterwegs und auf dem Campus gleichermassen lernen, da die meisten Daten auf dem Rechner jederzeit verfügbar waren.»

Jetzt, an der FHNW, fehle die Möglichkeit, mobil zu sein: So viele Ordner und Bücher könne eine Studententasche gar nicht fassen, da müsste es schon ein Koffer sein, so F.

Auf seinem Laptop hat er spezifische Programme installiert, um beispielsweise in PDF-Dateien Notizen und Markierungen einfügen zu können. Das klappe gut.

Einen Teil der Bücher kauft sich F. als E-Books, die nun teils ausgedruckt werden müssen aufgrund des «Bildschirmverbots». Stossend ist für den Studenten, dass die technische Infrastruktur inklusive WLAN am Campus vorhanden ist, deren Nutzung aber eingeschränkt wird. «So etwas nennt sich Erwachsenenbildung an einer Hochschule», ärgert er sich.

Eine Regel, dass alle Studenten generell nur noch mit digitalen Dokumenten arbeiten sollten, findet er aber auch über das Ziel hinausgeschossen.

Dozierende bestimmen die Regeln

Für den Laptop-Einsatz an der FHNW gibt es keine offizielle Regelung. Annette Lüthy, Beauftragte für Kommunikation an der Hochschule für Technik, hat sich zu diesem Thema bei mehreren Dozierenden der Hochschulen für Wirtschaft, für Technik sowie der Pädagogischen Hochschule in Brugg-Windisch umgehört.

Zusammenfassend teilt Lüthy mit: «Die Dozierenden regeln den Gebrauch der Laptops in ihrem Unterricht. Je nach Unterrichtsform sind diverse Varianten sinnvoll, deshalb gibt es keine Regelung auf Stufe Hochschule.» Während des Unterrichts sei der Gebrauch des Laptops für Plattformen wie Facebook, Spiele, Videos etc. nicht erwünscht.

Dies habe mit der nötigen Aufmerksamkeit, die während des Unterrichts erwünscht und sinnvoll ist, sowie mit dem Respekt gegenüber den Dozierenden und den Mitstudierenden zu tun, so Lüthy.

Die Hochschule für Technik, zu der der Lehrgang Energie- und Umwelttechnik gehört, verlange von ihren Studierenden, dass sie für den Unterricht einen Laptop haben, fährt Lüthy fort. Die Skripts werden nur in elektronischer Form über eine Internetplattform zur Verfügung gestellt. Die Studierenden haben sich gegebenenfalls um den Ausdruck zu kümmern.

Student F. räumt ein: «Ich bin mir der Versuchung bewusst, dass unbegrenzter Zugang zum Internet im Unterrichtsraum bei einigen Studenten als Aufforderung zum E-Mail-Lesen, Gamen oder zum Austausch über die sozialen Netzwerke missverstanden werden kann.»

Allerdings sei er davon überzeugt, dass jeder Erwachsene selbst wissen und lernen müsse, wie er den vermittelten Stoff am besten lernt, um die Prüfungen zu bestehen.

Festplatte statt Bücherregal

Solange jemand nicht fähig sei, das Internet in vernünftigem Rahmen zu nutzen, dürfe er auch an der FHNW scheitern, statt diplomiert auf die Berufswelt losgelassen zu werden, so F.. Sollte es ausarten, dürften die Dozenten ruhig mal den Mumm haben, Studierende rauszuschicken, um dort weiterzuspielen, schliesslich gebe es keine Anwesenheitspflicht.

«Auch wenn ich an die Zeit nach dem Studium denke, macht dieser Papierkrieg einfach keinen Sinn. Einer meiner Kollegen hat ein ganzes Bücherregal voll Skripts. Dabei hätte doch alles auf einer Festplatte Platz», sagt der angehende Energie- und Umwelttechniker.

Der Laptop sei ein wichtiges Werkzeug und täglich im Einsatz. Den professionellen Umgang damit sollte man doch an der Hochschule lernen können – für eine Berufswelt, die immer mehr auf papierlos drängt, fasst er die Situation zusammen.