Brugg
Campus-Brand: Das Bauunternehmen handelte grobfahrlässig

Im juristischen Nachspiel des Brugger Campus-Brandes unterlag die Bauherrin HRS Real Estate vor Spezialverwaltungsgericht gegen die Aargauische Gebäudeversicherung. Sie forderte eine Begründung an. Diese liegt nun vor – die HRS kommt darin nicht gut weg.

Noemi Lea Landolt
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Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.
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Das Gebäude stand kurz vor der Fertigstellung.
Die alarmierte Feuerwehr war rasch vor Ort.
Sie stiess im mehrstöckigen Verbindungstrakt zwischen den beiden Hauptgebäuden auf den Brandherd.
Etliche Scheiben gingen in der Gluthitze zu Bruch.
Personen wurden nicht verletzt. Ein Feuerwehrmann war aber wegen Erschöpfung zusammengebrochen.
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch.
Kopie von Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch (10. April 17)

Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Regina Grob

Der Streit der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV und des Bauunternehmens HRS Real Estate füllt mehrere Ordner. Die HRS reichte Klage beim Spezialverwaltungsgericht ein, weil die AGV nach dem Brand auf der Grossbaustelle des Campus-Neubaus in Brugg-Windisch die Versicherungsleistung um 3,3 Millionen Franken gekürzt hatte. Das Gericht musste klären, ob der Baufirma Grobfahrlässigkeit vorgeworfen werden kann. Denn nur dann ist eine Kürzung rechtens.

Anfang Juli wies das Gericht die Beschwerde der Baufirma ab und gab der AGV recht (die az berichtete). Die HRS verlangte daraufhin ein begründetes Urteil. Dieses liegt unterdessen vor.

Von Anfang an ohne Plan

Das Bauunternehmen kommt auf den 75 Seiten schlecht weg. Das Gericht kritisiert, dem Brandschutz auf der Campus-Baustelle habe von Anfang an «Planung, Organisation und eine der Bauleitung übergeordnete Führung» gefehlt. Es sei auch nicht glaubwürdig, dass «eine auf Grossbauprojekte spezialisierte Generalunternehmerin» vorgebe, sie habe nichts von der Pflicht für einen Sicherheitsbeauftragten gewusst. «Ein verantwortungsbewusster Bauherr hätte den Brandschutz nicht ohne Fachbegleitung umzusetzen versucht», heisst es im Urteil weiter. Das Gericht kommt zum Schluss, dass die HRS grobfahrlässig gehandelt hat und die Gebäudeversicherung die Leistung zurecht gekürzt hat. Die HRS muss der AGV 45'000 Franken Entschädigung zahlen und die Verfahrenskosten von 14'850 Franken übernehmen.
Der Entscheid kann innert 30 Tagen beim kantonalen Verwaltungsgericht angefochten werden. Ob die HRS das Urteil weiterzieht, ist noch unklar. Auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» sagt Andreas Netzle, Mediensprecher der HRS, die schriftliche Urteilsbegründung werde jetzt analysiert.

Einblick in Ermittlungsarbeit

Das Urteil geht auch im Detail auf die damals gemachten Abklärungen zur Brandursache ein. Unbestritten ist demnach, dass das Feuer im Abfall ausgebrochen ist, der im Bereich der Parkettverlegearbeiten gelagert wurde. Als Zündquelle kämen mit «überwiegender Wahrscheinlichkeit» ölgetränkte Lappen infrage, mit denen die Parkettleger gearbeitet haben. Das «WOCA-Diamond-Oil», ein Holzbehandlungsmittel, ist selbstentzündlich. Die Kantonspolizei fand im Bereich des Brandherds Rohparkettholz, eine grosse Menge Schleifstaub sowie verbrannte, zusammengeknüllte Textilstücke.

Die Kapo schliesst aber auch eine andere Brandursache nicht aus: Im Abfall und in einer Kartonschachtel fanden die Ermittler nämlich mehrere Zigarettenstummel. Das lasse darauf schliessen, dass die HRS das Rauchverbot auf der Grossbaustelle nicht effektiv durchgesetzt habe.

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