Windisch
Bürgerliche bodigen Jugendprojekt Brugg-Eigenamt diskussionslos

Mit einer Budgetänderung stellt der Einwohnerrat die Partnergemeinden vor eine Herkulesaufgabe. Das Jugendprojekt hätte im kommenden Jahr auf eine solide Finanzbasis gestellt werden sollen. Nun ist neben der Stadt Brugg auch Windisch ausgestiegen.

Claudia Meier
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Kreative Ideen sind gefragt: Mit der Eröffnung eines Strassencafés hat die Projektstelle Jugend im Rahmen des regionalen Jugendkonzepts Brugg-Eigenamt im Sommer 2012 in Hausen ein erstes Experiment gestartet. MANUEL HEDIGER/Archiv az

Kreative Ideen sind gefragt: Mit der Eröffnung eines Strassencafés hat die Projektstelle Jugend im Rahmen des regionalen Jugendkonzepts Brugg-Eigenamt im Sommer 2012 in Hausen ein erstes Experiment gestartet. MANUEL HEDIGER/Archiv az

«Ich bin sehr betroffen», sagt Vizeammann Rosi Magon am Tag nach der Einwohnerratssitzung in Windisch. «Mit einem Strich und ohne Diskussion wurden drei Jahre Arbeit zunichtegemacht.» In der Budgetdebatte entschied die Legislative, den Betrag von 37’440 Franken für das Regionale Jugendkonzept Brugg-Eigenamt zu streichen (az vom 23. Okt.).

Auch der Praktikumslohn von über 30’000 Franken für den Jugendtreff fiel dem Rotstift zum Opfer. Dies obwohl Gemeinderat Christoph Haefeli einräumte, dass sich im Budget ein Fehler eingeschlichen habe und dafür nur 20’000 Franken benötigt würden.

Auch Stadt Brugg verabschiedet sich von Projekt

Wo sich die Jugendlichen in der Freizeit aufhalten, stehe in einem sehr engen Zusammenhang mit dem Oberstufenschulstandort. Zu diesem Resultat kam eine Erhebung der Projektstelle Jugend. Aufgrund dieser Ausgangslage hat sich der Stadtrat Brugg entschieden, per Ende 2014 aus dem Regionalen Jugendkonzept Brugg-Eigenamt auszusteigen und sich Gedanken über eine Regionalisierung im Gebiet Brugg-Nord (Bözberg, Geissberg) zu machen. Im Budget 2014 waren für das Projekt Brugg-Eigenamt noch 26 600 Franken eingestellt.

Stadtrat Willi Däpp sagt dazu: «Die Auswertungen in diesem Jahr haben ergeben, dass die Jugendlichen der Stadt Brugg die Angebote in der Region wenig bis gar nicht nutzen. Projekte der Stadt Brugg stossen im Gegenzug bei den Jugendlichen aus Windisch und dem Eigenamt auf wenig Interesse.» Die lokale Jugendarbeit in der und für die Stadt Brugg funktioniere jedoch bereits seit Jahren gut. Es fehlen aber Angebote für die Altersgruppe U16, so Däpp weiter. (CM)

Auslöser dieser beiden Änderungsanträge war Peter Vismara von der FDP. Er argumentierte, die Gemeinde Windisch trage unverhältnismässig viele Zentrumslasten, die Aussengemeinden profitieren; die Gemeinde solle sich auf ihre Kernkompetenzen und Eigeninteressen konzentrieren. Der Jugendtreff werde von Jugendlichen aus den Nachbargemeinden genutzt; die Aussengemeinden leisten aber keinen Kostenbeitrag. Mit 17 zu 15 Stimmen wurde die Lohnreduktion für den Jugendtreff angenommen.

«Keine Zeit für taktische Spiele»

18 der 34 anwesenden Einwohnerräte stimmten der Streichung des Beitrags für das Regionale Jugendkonzept Brugg-Eigenamt zu. Paul Bitschnau stellte im Namen der SP-Fraktion einen Rückkommensantrag, der auch von Martin Schibli, EVP, unterstützt wurde. «Wir sind uns den Auswirkungen dieser Streichung nicht bewusst. Für taktische Spiele haben wir keine Zeit», sagte Schibli. Mit 19 Stimmen wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht, sodass es im Rat nicht zu einer nachträglichen Diskussion über das Jugendkonzept kam. Das abgeänderte Budget wurde schliesslich mit 25 zu 0 Stimmen gutgeheissen.

Das Regionale Jugendkonzept Brugg-Eigenamt wurde Anfang 2012 lanciert. Über 800 Jugendliche haben bisher an unterschiedlichen Projekten teilgenommen. Ende Jahr läuft das Projekt aus. Da es bisher nicht gelungen war, eine für alle beteiligten Gemeinden akzeptable Finanzierungslösung zu finden, wollte man das Projekt um ein weiteres Jahr verlängern, sagt Rosi Magon. Annina Friz von der Projektstelle Jugend verlässt die per Ende 2014 auslaufende Stelle bereits Ende Oktober, da sie eine neue Anstellung gefunden hat.

Reaktion der Partnergemeinden noch unklar

Mit dem ursprünglich budgetierten Betrag vom 37’440 Franken hätte der «Verein für Jugend und Freizeit Wohlen» die regionale Zusammenarbeit auf ein solides Fundament stellen und die Projektstelle für ein Jahr weiterführen sollen. Die beteiligten Gemeinden Birr, Birrhard, Hausen, Mülligen, Lupfig, Scherz und Windisch – die Stadt Brugg macht 2015 nicht mehr mit – hatten sich auf den neuen Pro-Kopf-Beitrag von Fr. 5.20 geeinigt.

Wie die Partnergemeinden auf den Entscheid von Windisch reagieren, werde sich an der Projektleitungssitzung zeigen, so Magon weiter. «Eines ist aber klar: Das Sparpotenzial für Windisch ist gering, zum Schuldenabbau reicht es nicht.»