Alle sechs Monate, so heisst es offiziell, hält Pascale Bruderer einen Apéro fédéral-regional ab, am Samstagmorgen im Brugger Salzhaus den insgesamt zweiten. Der Ständerätin Ziel: den Leuten in ihrem Heimatkanton jeweils kurz nach Ende der Session in Bern die Bundespolitik näherbringen. «Es geht nicht um mich, sondern um die Zuhörer», sagt Bruderer dazu, «die letzte halbe Stunde ist der Sinn der Veranstaltung.» In der letzten halben Stunde fand nach Referat und kurzer Fragerunde der eigentliche Apéro statt. Ein Erfolg? Und wenn ja, für wen?

Basisdemokratie im Salzhaus

Rein von der Masse her, war es nicht die erwünschte «breite Bevölkerung», die bei nass-kaltem Winterwetter den Weg ins Brugger Salzhaus auf sich nahm und nicht am Weihnachtsmarkt oder in einem Café hängen blieb. Erfreulicherweise beteiligten sich rund 15 Gehörlose am Anlass, weil eine Dolmetscherin Bruderers Ausführungen in Gebärdensprache übersetzte. Ohne die Gehörlosen wäre da ein denkbar kleines Grüppchen im Saal gesessen, insgesamt wollten rund 40 Personen hören – und sehen –, was die Ständerätin zu berichten hatte. Dabei macht die Ständerätin eine höchst basisdemokratische Ansage: Kommt her, sagt mir persönlich, was ihr denkt!

Fragen zu den Krankenkassen

Jene 40, die gekommen waren, wussten das natürlich zu schätzen. Zum Beispiel Hugo Herde aus Brugg, der sich die Chance nicht entgehen liess und den Apéro in zwei Sätzen zusammenfasste: «Es war gut und interessant. Leider war die Zeit etwas begrenzt. Man konnte kaum ausführlich über die einzelnen Themen diskutieren.» Dass sich die Gäste mehr Zeit mit der Ständerätin gewünscht hätten, zeigt das Beispiel von Johann Ritzinger.

Der Österreicher ist vor 50 Jahren nach Brugg gekommen, hat ein Einzelunternehmen aufgebaut und wollte von Bruderer in erster Linie Details über die Krankenkasse erfahren. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Einheitskrankenkasse», sagt Ritzinger, «man muss auf jeden Fall etwas machen. In anderen Ländern wird die Prämie vom Lohn abgezogen oder es gibt nur wenige Kassen: für Bauern, Beamte, Angestellte und Selbstständige.»

Ritzingers Gedanke fand bei Bruderer Gehör. «Die Krankenkasse ist ein Thema, das sehr beschäftigt. Eben hat mich ein Herr aus Österreich darauf angesprochen», so die Ständerätin, sie nehme seine Anregung gerne auf.

Auch Oswald Widmer sprach Bruderer auf die Krankenvorsorge an. Er habe in der Schweizer Familie gelesen, dass Alain Berset für seine Familie mit drei Kindern bloss 500 Franken Krankenkassenprämie zahle. «Wie macht er das bloss?», fragte er und leitete so eine der wenigen kurzen Privatdebatten mit der Ständerätin ein.

Was nach viel Diskussion klingt, war aber auch schon beinahe alles, was an persönlichem Austausch in der besagten «halben Stunde» stattfand. «Einige der Sessions-Themen beschäftigen die Leute sehr, wie zum Beispiel das Atom-Endlager, die Krankenkasse und die Einwanderung», sagte Bruderer.

«Sie ist nicht unnahbar»

Alec Gagneux, wohnhaft in der Brugger Altstadt und politisch aktiv für die Ecopop-Initiative, fand lobende Worte für die Ständerätin: «Lässig, dass sie zur Bevölkerung kommt. Das eine oder andere Thema hat sie auch angesprochen. Sie ist nicht unnahbar.» Und Brigitte Perren meinte, es sei spannend, das «Uhrwerk der Demokratie kennen zu lernen. Ich glaube Frau Bruderer, was sie sagt. Es war verständlich, auch weil sie die Themen fürs Publikum mundgerecht vorgekaut hat.»

Bruderer hat den Apéro sicher nicht organisiert, um sich zu inszenieren, sondern um zu informieren. Gerade im ersten Teil ist ihr das mit dem Referat gut gelungen. Hingegen endeten die abschliessenden Apéro-Gespräche nach oft oberflächlichen Analysen meist mit der Schlussfolgerung, wie toll es sei, dass die Ständerätin direkt mit dem Volk Kontakt aufnehme. Dass jemand bei der Standesvertreterin ernsthaft Frust abladen oder eine neue Idee pflanzen konnte: Einzelfälle. Schade ist trotzdem, dass die Bevölkerung so zählbar erschienen und der Apéro eher kurz ausgefallen ist.