Nach der Infoveranstaltung im letzten Herbst und der darauffolgenden Gemeindeversammlung wird der Umgangston zwischen der IG Pro Au und dem Gemeinderat Veltheim gehässiger. Für Aufruhr und rote Köpfe gesorgt hat kürzlich ein Flugblatt, das die IG Pro Au in den Gemeinden Veltheim und Auenstein in alle Haushaltungen verteilt hat.

Im Flugblatt geht es um die geplante Erweiterung des Steinbruchs. Der Abbau im bewilligten Perimeter neigt sich dem Ende zu. Seit längerer Zeit suchen die Jura Cement Fabriken (JCF) neue Abbaustandorte. Thalheim, Schinznach, Orte auf dem Bözberg sowie im Gebiet Bäumer (Auenstein/Veltheim) waren Kandidaten. Am Ende schaute nichts heraus. Für die JCF bleibt die Möglichkeit, den heutigen Steinbruch auf Auensteiner und Veltheimer Boden zu erweitern und abzusenken.

Einwohner fühlen sich veräppelt

Davon sind die Bewohner in der Au in Veltheim direkt betroffen. Und vor allem sind sie erbost darüber, dass der Steinbruch so nahe an das bewohnte Gebiet erweitert werden soll. «Es geht dabei nicht nur um die Erschütterungen, die beim Abbau entstehen», betont Rolf Kirchhofer, Mitglied der IG Pro Au. «Wenn es stark windet oder ein Gewitter kommt, dann wirbelt es den ganzen Staub durch die Au», entsetzt er sich.

Im zweiseitigen Flyer greift die IG Pro Au den Gemeinderat offen an. «Es ist extrem schwierig zu verstehen, dass die gemeindeeigenen Politiker nicht die Wahrheit sagen und einseitig nur die Interessen der JCF vertreten!», steht im Brief, der der az vorliegt. Oder: «Die JCF schreiben, dass sie bemüht ist, die Immission um einen Drittel zu reduzieren und der Gemeinderat Veltheim plappert es ungefiltert nach!» Und weiter: «Den Behörden geht es ausschliesslich um Geld und Ansehen, den JCF um die Rendite für die Aktionäre und die Bewohnerinnen und Bewohner aus der Au werden geopfert.»

Die Einwohner aus der Au fühlten sich nicht ernst genommen, ja gar veräppelt, sagt Rolf Kirchhofer, Mitverfasser des Briefs. «Diverse Fragen von unserer Seite wurden weder an der Informationsveranstaltung noch an der Gemeindeversammlung beantwortet.» Mit dem Brief wolle man aufrütteln. Denn: «Ich wünschte mir etwas mehr Interesse von der restlichen Bevölkerung in Veltheim», ergänzt Rolf Kirchhofer. Die Reaktionen auf das Flugblatt fielen mehrheitlich positiv aus, so Kirchhofer. «Auf fast 40 positive Rückmeldungen kommen 2 negative.» Sogar mehrere Mitglieder der IG Gisliflue – dem Auensteiner Pendant zur IG Pro Au – hätten sich gemeldet und eines hat geschrieben: «Habe letzte Woche das Informationsblatt von Pro Au studiert und bin hell begeistert davon. Endlich eine Organisation, die etwas unternimmt und hoffentlich einiges erreicht.»

Eine Reaktion gab es allerdings auch vom Gemeinderat Veltheim. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde antwortete er öffentlich auf das Flugblatt. «Mit Befremden haben wir Kenntnis genommen vom Informationsschreiben der Gruppe Pro Au. Nebst inhaltlichen Unwahrheiten lässt das Schreiben jeglichen Anstand vermissen», schreibt der Gemeinderat. Und weiter: «Der Gemeinderat ist daran, die Regelung der Reduktion der Belastungen gemeinsam mit der Gemeinde Auenstein und der Jura Cement Fabriken AG zu bestimmen. Wir verstehen die emotionale Betroffenheit bei diesem Thema. Gleichwohl erwarten wir einen fairen und anständigen Umgang miteinander.»

Gemeinderat sucht das Gespräch

Von dieser Replik hält Rolf Kirchhofer nicht viel. «Es ist das Recht des Gemeinderats, uns zu kritisieren. Beeindruckt sind wir davon aber nicht.» Wehren wolle sich die IG Pro Au, die es übrigens seit letztem Herbst gibt, trotzdem. «Auch wenn die Chancen nicht sehr gross sind», meint Rolf Kirchhofer. Ein weiterer Brief sei bereits geplant. Im Übrigen ist die Pro Au nicht grundsätzlich gegen eine Steinbrucherweiterung. Aber nicht so nahe an die Häuser, wie Rolf Kirchhofer betont.

Ulrich Salm, Gemeindeammann in Veltheim, will sich gegenüber der az zum Thema nicht weiter äussern. «Ich möchte diese Debatte nicht via Medien führen», sagt er. Der Gemeinderat suche das Gespräch mit der IG Pro Au.

Spätestens anlässlich der Gemeindeversammlung im Juni wird detaillierter über die Ergebnisse informiert, wie es mit dem Steinbruch weitergeht.

Informationsveranstaltung der Jura Cement Fabriken AG für die Anwohner des Steinbruchs Auenstein und Veltheim heute Donnerstag um 18 Uhr im Wohlfahrtshaus im Steinbruch Jakobsberg.