Brugg/Guatemala

Brugger Zwillinge von Vulkan überrascht: «Arme und Beine fallen ab und sind wie Beton»

Die Zwillinge Fernando und Javier Caxaj aus Brugg besuchen ihre Mutter in Guatemala und werden vom Vulkanausbruch überrascht. So haben sie die Naturkatastrophe erlebt.

Als Fernando und Javier Caxaj vor einer Woche nach Guatemala flogen, um ihre 84-jährige Mutter zu besuchen, ahnten sie noch nicht, was sie erleben werden. Die Zwillinge sind zwar in Antigua Guatemala aufgewachsen, die Liebe brachte sie aber vor 23 Jahren nach Brugg, wo sie noch heute mit ihrer Familie leben.

Der Feuervulkan, der am Sonntag ausbrach und seither über 100 Menschen das Leben gekostet hat, liegt nur 20 Kilometer südwestlich der hübschen Touristenstadt Antigua Guatemala. Kaum angekommen, waren die Zwillinge während dreier Tage damit beschäftigt, das Haus im Zentrum mit den vermietbaren Gästezimmern zu reinigen. Überall lag eine dicke Schicht aus dunkler Vulkanasche.

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Bergung nicht überall möglich

In der Zwischenzeit hat sich der Feuervulkan etwas beruhigt. «Die Rettungstruppen können nun hoch, um nach Vermissten zu suchen. Das ist aber nicht überall möglich, weil der Boden an einigen Stellen noch immer sehr heiss ist», sagt Fernando Caxaj gegenüber dieser Zeitung.

In Antigua ist laut Caxaj sogar die Rede davon, dass die Opferzahl am Schluss auf über 1000 ansteigen könnte, weil vier Dörfer stark betroffen sind und drei davon komplett begraben wurden. Die heftigen Regenfälle Tage nach dem Ausbruch sorgten für weitere Schlammlawinen unterhalb des Vulkans. Und so hat die nationale Behörde in der Nacht auf Freitag die Gemeinde San Miguel Los Lotes zur unbewohnbaren Zone deklariert.

Die 49-jährigen Zwillinge können sich an keine vergleichbare Katastrophe beim Feuervulkan erinnern. «Eine ähnliche Situation erlebten wir vor etwa 25 oder 30 Jahren mit dem südlich von Guatemala-Stadt gelegenen Vulkan Pacaya», so Fernando Caxaj. Jener Vulkan ist seit Donnerstag auch wieder aktiv.

Die Solidarität mit den Opfern und Rettungskräften im Feuervulkan-Gebiet ist gross. Fast alle Departemente in Guatemala sowie die Nachbarländer Mexiko und Honduras haben ihre Unterstützung angeboten. «Die Bevölkerung von Antigua hat sich entschieden, den Soldaten, die die ganze Nacht in der Gefahrenzone am Berg im Einsatz stehen, mit Essen und Getränken zu helfen», erklärt Fernando Caxaj.

Ein Familienangehöriger der Zwillinge arbeitet in der sogenannten «Nullzone» am Feuervulkan und hat erzählt, dass die Körper der gefundenen Todesopfer auf dem Transport zum Teil zerbrechen. Wenn die Arme und Beine abfallen, scheinen diese wie aus Beton zu sein.

Einfache Hilfsmittel

In den Medien sind Bilder zu sehen, die einfache Utensilien wie Holzstangen und Tücher für den Leichentransport zeigen, der zu Fuss erfolgt durch die Rettungskräfte im schwer zugänglichen Katastrophengebiet.

Nach mehreren Tagen Einsatz in der «Nullzone» sind die Retter Risikofaktoren ausgesetzt, die medizinische und psychologische Aufmerksamkeit erfordern. Gestern Freitag ist ein mobiles Spital aus Israel eingetroffen. Sechs Personen mit besonders starken Verbrennungen konnten für die Behandlung in die USA gebracht werden.

Es rumort weiter

Der Feuervulkan rumort weiter. Die guatemaltekische Tageszeitung «Prensa libre» veröffentlichte gestern Abend (Schweizer Zeit) neue offizielle Zahlen, wonach als Folge der Feuervulkan-Ausbrüche seit letztem Sonntag 12 407 Personen evakuiert, 58 verletzt sowie 109 getötet wurden. Noch immer werden 197 Personen vermisst.

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