Die Spannung am späten Dienstagabend war kaum mehr auszuhalten gewesen. Vor 650 Zuschauern auf dem Tägliger Kleinzelg drückten die Brugger mit Vehemenz auf den Ausgleich, wollten sich irgendwie in die Verlängerung retten. Denn nach einem frühen Gegentreffer lag Konkurrent Sarmenstorf mit 1:0 in Führung und stand kurz vor dem Aufstieg. Doch die Angriffe der Brugger waren zu ungestüm, zu wenig clever vorgetragen. Dann, Sekunden vor dem Abpfiff ein letzter, vielversprechender Versuch der FCB-Offensive. Doch mit einer Glanzparade sicherte Sarmenstorfs Keeper Patrick Schmidt seinen Farben Sieg und Aufstieg und lancierte damit die Fussballparty für die vielen Freiämter Schlachtenbummler. «In einem Final ist die Startphase eminent wichtig. Die haben wir verpasst. Es ist schade, aber so läuft es im Fussball», bilanzierte ein enttäuschter FCB-Trainer Ivo Keller.

Nach dem Schlusspfiff glich die Mannschaft des FC Brugg einem Häufchen Elend. Die Bezirkshauptstädter, die sich mit einer starken Leistung gegen Küttigen (4:0-Heimsieg) erst für dieses Finalspiel qualifiziert hatten, sanken zu Boden, legten sich auf den Rasen und verstanden die Welt nicht mehr. Frust pur. Als ob er eine Vorahnung gehabt hätte auf das, was noch kommen sollte, meinte FC-Brugg-Präsident Christian Arrigoni wenige Minuten vor dem Anpfiff: «Ich sehe keinen Favoriten. Beide Teams haben ihre Stärken, es ist jeder Ausgang möglich.» Wie recht der Vorstandsvorsitzende gehabt hatte!

Den direkten Aufstieg verspielt

Der Aufstieg hätte die verdiente Krönung einer starken 3.-Liga-Saison sein sollen. Denn die Brugger machten einen zwischenzeitlich neun Punkte grossen Rückstand auf Leader Fislisbach gut und schienen ihren Steigerungslauf durchziehen zu können. Doch in der zweitletzten Meisterschaftsrunde gab der FCB gegen Aussenseiter Muri II beim 2:2 überraschend Punkte ab und verspielte damit den direkten Aufstieg. So musste das Team von Trainer Keller den Umweg über die beiden Aufstiegsspiele gegen Küttigen und am letzten Dienstag Sarmenstorf nehmen. Letztlich ohne Erfolg. Apropos Trainer: Keller wird sein Amt abgeben und künftig beim FC Brugg als Sportchef wirbeln. Für ihn übernimmt Sacha Frischknecht. Der 45-Jährige spielte in früheren Jahren bei Windisch in der 2. Liga und absolviert aktuell seine Trainerausbildung.

Nun nehmen die Brugger ab 17. August beim Start in die 3.-Liga-Saison 2019/20 mit einem neuen Übungsleiter einen weiteren Anlauf für die angestrebte Promotion in die höchste regionale Liga. Doch dies soll nur eine Etappe sein. Auch wenn es Vereinspräsident Christian Arrigoni nie so direkt sagen würde: Für einen Klub wie den FC Brugg ist die 2. Liga lediglich eine Zwischenstation, der Aufstieg in die interregionale Klasse muss das mittelfristige Ziel sein. Schliesslich ist es keine Ewigkeit her, da spielte der FCB noch in der 1. Liga.

Das Team umgekrempelt

Doch nach dem Abstieg im Sommer 2008 kam es knüppeldick: Die Brugger wurden in der Folge gleich durchgereicht und fanden sich schliesslich in den Niederungen der 3. Liga wieder. Die Rückkehr in die 2. Liga gelang auf Anhieb, vor zwei Jahren folgte indes der neuerliche Fall in die 3. Liga. «Danach haben wir zusammen mit Trainer Ivo Keller das Team umgekrempelt», blickt Arrigoni zurück.

Mit mehr als 340 Mitgliedern stellt der FC Brugg laut eigener Aussage den grössten Sportverein der Stadt, über 200 Nachwuchsspieler jagen auf den Plätzen beim 1970 eröffneten Stadion Au dem Ball nach. «Wir sind stolz darauf, dass in der aktuellen 1. Mannschaft fast jeder Akteur aus unserem Nachwuchs stammt», so Arrigoni. Als Beispiel nennt er Captain Sven Schönenberger. Der 25-jährige Mittelfeldspieler lernte das Fussball-ABC in Brugg, schloss sich danach dem Nachwuchs des FC Zürich an und bringt jetzt seine ganze Erfahrung in seinen Stammverein ein. Arrigoni: «Das ist der Weg, so muss es laufen.» Für einen wie den talentierten, erst 19-jährigen Rolandas Ivanauskas – auch er aus dem eigenen Nachwuchs – würden sich bereits einige Vereine in höheren Ligen interessieren, verrät Arrigoni.