Hockey News Schweiz gilt als das drittgrösste Sportnetzwerk der Schweiz, direkt hinter den Plattformen von Blick und SRF. Hinter der grossen Community steckt ein Männer-Trio aus der Region Brugg, das keine Ausbildung im Bereich Social Media besitzt und dennoch monatlich bis zu sieben Millionen Menschen erreicht.

Dieses Trio steht hinter Hockey News Schweiz (von links): Nicola Lüssi, Nik Dömer und Filip Bolt.

Dieses Trio steht hinter Hockey News Schweiz (von links): Nicola Lüssi, Nik Dömer und Filip Bolt.

Nik Dömer zückt sein Smartphone, öffnet Instagram und veröffentlicht eine Aufzeichnung, in der ein junger Mann mit Puck und Hockeyschläger Kunststücke aufführt. Innert wenigen Minuten sammelt der Videoclip dutzende Likes. Doch die Aufnahme stammt nicht von ihm. Dömer gesteht: «Bei so vielen Posts pro Tag lässt sich nicht jeder Inhalt selbst kreieren; kopieren ist Teil des Geschäfts.»

«Das kann ich besser»

Inzwischen weiss Dömer genau, was seine Community interessiert. Grund dafür sind vier Jahre Erfahrung. 2015 startete er gemeinsam mit Filip Bolt und Nicola Lüssi ein Projekt, das mittlerweile ihr Leben bestimmt. Anfangs war es für die Männer Mitte 20 nicht mehr als eine persönliche Herausforderung. Es ging darum, sich selbst etwas zu beweisen. Dömer arbeitete dazumal beim Nachrichtenportal Watson, wo er den Prozess der Bildung sozialer Plattformen von aussen her miterlebte und sich sagte: «Das kann ich besser.» So gründete er auf Facebook Hockey News Schweiz, auch HNS genannt, und startete mit der Verbreitung eigener Beiträge. «Ich liebte es schon immer, meinen Senf dazuzugeben», urteilt Dömer über sich selbst.

Angespornt durch die Leidenschaft für den kontaktintensiven Mannschaftssport, begannen die drei Freunde eine immer stärker wachsende Online-Community kontinuierlich mit neuen Inhalten zu füttern. Trotz ihres Aufstiegs bezeichnen sie sich nicht als Experten der Hockey-Szene. Auch spielte keiner aus dem Trio je Eishockey auf professioneller Stufe. Ihr Erfolgsrezept sei schlichtweg ihr Verständnis für soziale Medien, das sie sich durch «Learning by doing» aneigneten. In diesem Tätigkeitsbereich erklären sie sich für Pioniere der Schweiz. «Viele haben keine Ahnung von dem, was sie tun», äussert sich Dömer über Schweizer Medienschaffende.

Verglichen mit den zahlreich vorhandenen Sportportalen, berichtet HNS nicht nur über aktuelle Geschehnisse des Spitzensports, sondern interagiert auch mit seinen Followern; beispielsweise in der Form von Umfragen. Generell bedienen sie sich allen möglichen Mitteln, wie Memes und weiteren, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und ihre Leserschaft am Ball zu halten. Ähnliche Onlineportale im Bereich Sport existieren in der Schweiz kaum. Dömer: «Ich bin davon überzeugt, dass unsere Arbeit einen immer höheren Stellenwert erhalten wird.»

Bisher fehlte der Gewinn

Obwohl das Team fast seine gesamte Freizeit für die Betreibung der Online-Kanäle aufopfert, konnte es bis jetzt kaum Gewinne erzielen. Grund dafür seien fehlende Marketingkenntnisse. «Das immer ‹Up to date›-Sein beeinträchtigt unser Leben stark», bekennt Lüssi.

Der zusätzliche Zeitaufwand nebst ihrem Berufs- und Studentenleben soll sich von nun an auszahlen. Zusammen mit der Unterstützung Dritter gründeten sie im vergangenen Jahr die Social-Media-Agentur «yooozer». Zeitgleich sorgten sie für die Schaffung weiterer Sportkanäle, die sie alle «yooozer» unterordneten. So organisierten sie zum Beispiel den Ableger Hockey News Deutschland. Unterdessen besitzen sie 25 Kanäle, bei deren Unterhalt sie von rund 30 freiwilligen Mitarbeitern unterstützt werden. Noch heute erstellen sie in ihrem Expansionsdrang fortlaufend Communitys für alle möglichen Sportwelten: Eishockey, Unihockey, Football, Wintersport allgemein.

Durch das Aufschalten von Werbung auf allen Kanälen unter «yooozer» soll schliesslich ein geregeltes Einkommen sichergestellt werden. Auch der Beratung, Betreuung und Unterhaltung anderer Unternehmen wollen sich Dömer, Lüssi und Bolt voraussichtlich zuwenden. Abschliessend blickt Dömer hoffnungsvoll in die Zukunft und verkündet mit einem Augenzwinkern: «Noch so ein Jahr wie 2018 und wir trinken Cüpli im Bademantel.»