Buchvernissage im Tennisclub Brugg: Freddy Siegenthaler begrüsst die ersten Gäste, und als es immer mehr werden, schleppt er gemeinsam mit Tennislehrer-Kollege Ibrahim Fetov zusätzliche Sitzbänke heran. «Bernhard Schär müsste auch gleich da sein, er hat vorher angerufen, als er im Gubrist unterwegs war», informiert Siegenthaler. Die beiden sind seit langem befreundet. Für die Buchvernissage fährt der bekannte SRF-Radiosportmoderator nach Brugg, um im Gespräch mit Freddy Siegenthaler die Beweggründe für sein Buch «Selbst ist die Maus» zu erhalten.

«Warum hast du dich als erfahrener Trainer entschieden, ein Buch herauszugeben?», ist Schärs erste Frage. Freddy Siegenthaler erzählt, dass er schon vor zehn Jahren mit dem Verlag gesprochen habe. «Damals wäre es allerdings ein Buch über Kondition und die Technik im Sport geworden.» Eine Frau habe ihn herausgefordert – und zwar Amy Chua, die sogenannte «Tiger Mom», die 2011 mit ihrem Buch «Die Mutter des Erfolgs, wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte» für Aufsehen sorgte. In einer Artikel-Serie habe er die Antwort auf Chuas Thesen, welche die chinesischen Erziehungsmethoden in den Vordergrund stellt, gegeben.

Freies Spiel gefordert

In seinem interaktiven Bilderbuch, mit Illustrationen von Beat Sigel, für sportbegeisterte Kinder und deren Eltern und Leiter, beschreitet Freddy Siegenthaler einen anderen Weg; einen, auf dem sich die Kinder im freien Spiel entfalten, sich verabreden, um einfach Tennis oder auch eine andere Sportart zu spielen. Die Kinder erleben ihren Tennis-Club mit allem, was dazugehört: Sie organisieren sich selbst, bestimmen mittels «Schere-Stein-Papier»-Spiel, wer das Training leiten soll. Das Ganze passiert bewusst ohne Eltern. Der diplomierte Turn- und Sportlehrer, Tennislehrer «Swiss Tennis» und «Swiss Olympic»-Diplomtrainer Leistungssport, appelliert an die Eltern, den Kindern das Vertrauen zu schenken, auch wenn sie mal Mist machten. «Kinder spielen viel, das muss nicht zwingend Tennis sein.» Als Beispiel nennt er die Aussage einer Mutter, die vor rund 30 Jahren befand, ihr Sohn habe nicht richtig Tennis gespielt. Siegenthalers Antwort: «Es ist nicht deine Aufgabe, deinen Sohn zu kontrollieren.»

Der Titel «Selbst ist die Maus» ist von «Selbst ist die Frau» abgeleitet und eine Kreation seiner Ehefrau Susanne Bertschi. Die Hauptdarstellerin ist das selbstbewusste und erfolgreiche Maus-Mädchen «Mausi», um die Rolle der Mädchen in der männerdominierten Sportwelt zu thematisieren. An der Vernissage zeigte Freddy Siegenthaler die weiteren tierischen Hauptdarsteller: Wolfi ist oft ungestüm und wild, dann gibt’s da noch die Schafe «Zwilling weiss» und «Zwilling schwarz», das etwas steife «Erdmännli» und «Stinki», Mausis Trainingspartner. Die Trainingseinheiten werden in Bildern beschrieben wie zum Beispiel «Hüpfe wie ein Floh, springe wie ein Frosch». Er brauche diese Metaphern und Bilder, denn sie seien positiv. Die Kinder lernten so, positiv zu denken, statt sich mit eigenen Fehlern zu beschäftigen.

Vorwort von Stefanie Vögele

Das Geschichtenerzählen ist eine Botschaft an die Eltern: Siegenthaler enerviert sich, wenn er Fünfjährige mit iPads sieht, während deren Geschwister Tennis spielten. Der seit über 30 Jahren als Brugger Clubtrainer agierende Siegenthaler setzt seit je aufs Geschichtenerzählen: Im Vorwort der langjährigen Fed-Cup-Spielerin Stefanie Vögele ist zu lesen, dass die Trainingslager mit ihm viele Stunden an Bewegung beinhalteten, eine Gutenachtgeschichte mit Mausi und ihren Freunden aber immer dazugehörte. «Die sportliche Maus begleitete mich in den Schlaf, und halb weggedöst, freute ich mich schon wieder auf den nächsten Tag voller Tennis», schreibt Stefanie Vögele.