Der Wahlkampf ist lanciert in Brugg. Drei Kandidaten möchten die Nachfolge des amtierenden Stadtammanns Daniel Moser (FDP) antreten: Richard Fischer (67, parteilos), Barbara Horlacher (46, Grüne) sowie Titus Meier (36, FDP). Am Donnerstagabend stellten sie sich am Wahlpodium im Salzhaus während rund anderthalb Stunden den Fragen von Moderatorin Claudia Meier, Ressortleiterin Brugg der organisierenden Aargauer Zeitung. Das Interesse war gross: Über 100 Besucher erfuhren, bei welchen Themen die – überzeugenden – Kandidaten Prioritäten setzen möchten.

Wo besteht der grösste Handlungsbedarf in Brugg?

Für Titus Meier gibt es verschiedene Baustellen. Zentral sei die Kommunikation, hier könne der Stadtammann persönlich Einfluss nehmen. Ebenfalls gebe es Projekte, die von der Stadt vorangetrieben werden müssten. Meier erwähnte die Aufwertung von Bahnhofplatz und Neumarkt sowie die Überbauung «Alte Post» mit der Zentralisierung der Verwaltung. «Die Frage ist, wie wir unser Stadtzentrum weiterhin belebt halten können.» – Auch für Barbara Horlacher hat die Gestaltung der öffentlichen Räume sowie die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt eine hohe Bedeutung, ebenfalls die Verbindung zwischen Neumarkt und Altstadt.

Einstiegsfrage am Podium mit den drei Brugger Stadtammann-Kandidaten: Richard Fischer erklärt, für wie viel Lohn er den Stadtamman-Job machen würde, Barbara Horlacher erklärt ihr Wahlplakat und Titus Meier spricht über die Zukunft.

Es müsse in nächster Zeit etwas entstehen, das für die Bevölkerung erlebbar und sichtbar sei. Im Bereich Kommunikation sprach sich Barbara Horlacher dafür aus, das vorhandene Wissen in der Bevölkerung mit entsprechenden Kommissionen abzuholen. – Eine der wichtigsten Führungsaufgaben einer Exekutive sei es, Bürgernähe zu schaffen, pflichtete Richard Fischer bei. «Durch den Dialog entstehen Ideen.» Ein Schwerpunkt sieht auch Fischer bei der Schaffung von attraktiven Begegnungsräumen. Er nannte die Stichworte Eisi-Areal sowie Neumarkt und Bahnhofplatz.

Wie halten Sie es mit Fusionen?

Bei einer Fusion von Brugg und Schinznach-Bad müssten die beiden Gemeinden als Partner betrachtet werden, sagte Richard Fischer. Hinsichtlich Bildung oder Verkehr gebe es einiges zu diskutieren. – In erster Linie müsse es der Bevölkerung wohl sein, sie müsse sich mit dem Wohnort identifizieren können, hob Barbara Horlacher hervor. Das direkte Umfeld, die Strukturen, müssten auch in einem grösseren Gebilde aufrechterhalten werden. – Für Titus Meier ist weniger wichtig, ob sich die Einwohner als Brugger oder aber als Lauffohrer, Umiker, Altenburger oder eben als Schinznach-Bader bezeichnen. «Es geht darum, dass Brugg die städtischen Leistungen der Verwaltung für ein grösseres Gebiet erbringen muss. Es wird gewisse Vereinfachungen geben.» Dass bei einer Fusion 2020 im Vorfeld keine Neuwahlen stattfinden, bezeichneten die Kandidaten übereinstimmend als nicht optimal. Es sei schwierig, wenn die Bevölkerung nicht vertreten sei, sagte Barbara Horlacher. Richard Fischer sprach von einer demokratischen Durststrecke.

Was würde sich mit Ihnen als Stadtammann in der Stadt Brugg verändern?

Die drei Brugger Stadtamman-Kandidaten Titus Meier (FDP), Barbara Horlacher (Grüne) und Richard Fischer (parteilos) geben ihre Versprechen ab.

Wie soll das Gewerbe von der Stadt unterstützt werden?

Zwischen Stadt und Gewerbe brauche es einen regelmässigen Austausch, einen institutionalisierten Dialog, sagte Barbara Horlacher. – Auch für Richard Fischer ist die Bereitschaft von Bedeutung, aufeinander zuzugehen. Die Bedürfnisse des Gewerbes müssten abgeholt werden, um danach im politischen Prozess die richtigen Weichen stellen zu können. – Gemäss Titus Meier müsste bei den Treffen zwischen Behörde und Gewerbe ebenfalls die Spitze der Verwaltung anwesend sein. Aufgabe der Stadt sei es vor allem, gute Rahmenbedingungen schaffen.

Wie stehen Sie zu einer zentralen Verwaltung?

Die geplante Zentralisierung der Verwaltung im Bereich der «Alten Post« müsse genutzt werden, um die Strukturen zu überprüfen, sagte Titus Meier. Allerdings brauche es, um das Zentrum zu beleben, weitere publikumsintensive Nutzungen. Die Stadtbibliothek sei eine gute Idee. – Ein zentraler Verwaltungsstandort schaffe die Möglichkeit, den Raum zwischen Altstadt und Neumarkt aufzuwerten, die Verbindung attraktiv zu gestalten mit geeigneten Nutzungen, stellte Barbara Horlacher fest. Dazu könne über die Organisation der Verwaltung nachgedacht werden. – Für Richard Fischer besteht Nachholbedarf hinsichtlich Dienstleistungsgedanke. Dieser müsse stärker beachtet werden. Handlungsbedarf sieht er bei der Stabstelle Stadtplanung. Dieser Ansicht war auch Titus Meier. Er selber unterstütze die Integration und Aufstockung der Stadtplaner-Stelle.

Wie kann die Attraktivität der Altstadt erhöht werden?

Die Situation sei ganzheitlich zu betrachten, auch die Belebung des Eisi-Areals sei ins Spiel zu bringen, sagte Richard Fischer. Nach seinem Dafürhalten könnten die oberirdischen Parkplätze aufgehoben werden, um einen belebten Begegnungsraum zu schaffen. – Nach Titus Meiers Ansicht müsste auf der Verwaltung eine Ansprechperson definiert werden, die alle Anliegen betreffend Altstadt entgegennimmt. Denn für viele Einwohner sei es heute schwierig, an die richtige Stelle zu gelangen. – Barbara Horlacher wiederum könnte sich für die Altstadt eine Immobilienstrategie vorstellen mit einer aktiveren Rolle der Stadt, die sich als Vermittlerin einbringt.

Wie beurteilen Sie die geplanten Strassenbauprojekte?

Für Barbara Horlacher gibt es wirkungsvollere und günstigere Massnahmen, als neue Strassen zu bauen: gute Infrastruktur für Fuss- und Veloverkehr oder Verkehrsmanagement. – Das Projekt Ostaargauer Strassenentwicklung «Oase» werde noch viel Geduld verlangen, stand für Richard Fischer fest. «Es braucht eine grosszügige Lösung.» Der Verkehr aus dem unteren Aaretal müsse direkt zum Autobahn-Anschluss geführt werde können. – Für Titus Meier ist klar, dass eine Strasse, sollte sie dereinst kommen, unterirdisch verlaufen muss. Ein Viadukt mitten durch Brugg sei illusorisch. «Das hätte auch bei der Bevölkerung keine Chance.»

Nach der Fragerunde – zur Sprache kamen unter anderem das Präsidium des Regionalplanungsverbands, die Sondierbohrungen für ein Atommüll-Tiefenlager oder der Bildungsstandort – fanden die angeregten Diskussionen beim Apéro ihre Fortsetzung.

Lieblingsplatz: Brugger Stadtammann-Kandidat Titus Meier (FDP)

Lieblingsplatz: Brugger Stadtammann-Kandidat Richard Fischer (parteilos)

Lieblingsplatz: Brugger Stadtammann-Kandidatin Barbara Horlacher (Grüne)