Brugg

Brugger Sängerin liebäugelt mit Eurovision Song Contest

«Das Singen macht mich einfach glücklich»: Seraina Telli.

«Das Singen macht mich einfach glücklich»: Seraina Telli.

Seraina Telli alias Dead Venus singt fürs Leben gern. «Das Singen macht mich einfach glücklich», sagt sie. Nun liebäugelt die Bruggerin mit einer Kandidatur am Eurovision Song Contest.

Was wir uns mit dem Spruch: «Bleib so, wie du bist» gegenseitig in Geburtstagskarten wünschen, fällt vielen Menschen nicht immer leicht. «Sich selber sein» ist für Seraina Telli aber selbstverständlich. Ohne Wenn und Aber versucht die 25-Jährige, immer so zu sein, wie sie ist.

Das gelingt ihr sehr gut, nicht nur ihr spezielles und farbenfrohes Äusseres, sondern auch ihre besondere Art zu reden ist authentisch und einzigartig. Mit der tiefen Stimme wirkt sie zwar ruhig, doch ihre Augen strahlen vor Lebensfreude.

Kommt sie von der Musik ins Schwärmen, sprudeln die Worte nur so aus ihr heraus und die Leidenschaft ist förmlich spürbar. «Ich bin jung und experimentierfreudig, lasse mich gerne auf neue Dinge ein und bin für fast alles zu haben.»

Immersed (Dead Venus) by Seraina Telli

Immersed (Dead Venus) by Seraina Telli

Das drückt sich auch in ihrer Musik aus: Momentan ist sie mit drei Projekten beschäftigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während in ihrem Soloprojekt namens «Dead Venus» vor allem die Stimme und das Klavier zur Geltung kommen, probt sie an anderen Tagen mit einer Heavy-Metal-Band. Mit einem anderen Künstlerfreund konzentriert sie sich wiederum auf Progressive Rock der 70er-Jahre, als Pink Floyd und Genesis die Musik prägten.

Nebenbei liebäugelt sie damit, Kindern und jungen Leuten Gesangsunterricht zu geben. Das Wissen, die Technik und das Talent dazu hat sie. Während dreier Jahre lernte sie an der Hochschule für Künste im deutschen Freiburg einiges.

Von der Stimmbildung, dem Gesangsunterricht bis hin zu Musikgeschichte und Komponieren von Liedern hat sie viele Fächer besucht, die ihrer musikalischen Karriere weiterhalfen.

Dass sie heute so viel Zeit in die Musik investieren kann, ist für sie nicht selbstverständlich. Es war kein einfacher Weg, der sich aber mehr als gelohnt hat. Nach der Ausbildung zur Damencoiffeuse stand sie vor einer schweren Entscheidung.

«In meiner Familie war es nicht üblich, dass sich jemand für ein Studium entscheidet. Einerseits dachte ich, dass ich das niemals meistern würde, und andererseits wusste ich nicht, wie ich alles finanzieren sollte.» Der Wunsch, beruflich Musik zu machen, überwog aber alle Zweifel und gab ihr Mut. Dank der Unterstützung der Familie sowie einem Wochenendjob als Serviceangestellte klappte es dann auch mit der Finanzierung.

An drei Tagen die Woche arbeitet sie für die Post und trägt Briefe und Pakete aus. Den Rest der Zeit widmet sie sich voll und ganz ihren musikalischen Projekten und geniesst das Künstlerleben.

«Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich frage, wofür ich das eigentlich mache. Würde ich Vollzeit bei der Post arbeiten, wäre mein Verdienst höher und geregelt. Doch dann merke ich, wie mich das Singen erfüllt und mich einfach glücklich macht», sagt sie.

Wer Seraina Telli in eine musikalische Schublade stecken möchte oder sie gar einem Konzept unterwerfen will, scheitert schnell. Als sie im Jahr 2008 bei «Music Star» ihr Glück versuchte, wurde sie enttäuscht. Statt die Musiker in ihrer Eigenart zu ermutigen, wurde lieber geformt.

«Auch wenn ich jegliche Art von Kulturförderung unterstütze, fühlte ich mich bei ‹Music Star› fehl am Platz. Ich passte wohl nicht in ihr Schema», erzählt sie lachend.

Ein ähnliches Erlebnis hatte sie bei «The Voice of Switzerland»: «Obwohl ich die Sendung gerne schaue, war die Teilnahme dann eher komisch. Vieles war aufgesetzt und auf Kommerz ausgerichtet. Diese Schauspielerei sagt mir überhaupt nicht zu.»

So ist sie sich selber treu geblieben, schreibt ihre Texte alleine und komponiert die passenden Klänge dazu. Beim Wettbewerb «Offene Bühne», der vor einigen Wochen in Brugg stattfand, stiess ihre Musik auf Anklang und sie wurde Dritte. Neben der Musik näht sie ihre Bühnenkostüme oder übernimmt auch mal die gesamte Arbeit der Maskenbildnerin für die Theatergruppe Villigen.

Für die Zukunft möchte sie ihre drei Projekte vorantreiben und alles andere so nehmen, wie es kommt. Ihre musikalischen Ambitionen sind hoch, schmunzelnd fügt sie leise hinzu: «Vielleicht versuche ich, beim Eurovision Song Contest mitzumachen.»

Passen würde es: Die Gewinner überzeugen oft von ihrer ganz speziellen Art und haben vor allem dann Erfolg, wenn sie sich als Unikat herausstellen. Ein Unikat ist Seraina Telli ganz bestimmt.

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