Brugg
Brugger Neujahrsblätter nehmen Leser auf Weltreise mit

An der Buchvernissage der Neujahrsblätter blickt ein ehemaliger Chefdiplomat ausführlich und kritisch auf seine lieb gewonnene Heimat. Der 87-jährige Fritz R. Stähelin appelliert zum Schluss ans Publikum, zu den bilateralen Veträgen Sorge zu tragen.

Claudia Meier
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Vorne die Autoren, hinten die Leser: Die Buchvernissage ist ein feierlicher Akt.

Vorne die Autoren, hinten die Leser: Die Buchvernissage ist ein feierlicher Akt.

Claudia Meier

Was mag das vierstöckige Eckhaus in der Unteren Hofstatt 31 in Brugg wohl schon so alles erlebt haben? Was hat die Kulturgesellschaft des Bezirks Brugg in den letzten 200 Jahren bewirkt? Welche Bedeutung hat Hightech für die Region Brugg und wie arbeiten die verschiedenen Akteure zusammen? Diese und weitere Fragen werden in der druckfrischen Ausgabe der Brugger Neujahrsblätter beantwortet.

Bei der Präsentation des 126. Jahrgangs am Sonntagabend im Brugger Salzhaus bedankte sich Cédric Kaiser, Geschäftsleiter der Effingerhof AG, nicht nur beim fünfköpfigen Kernteam bestehend aus Peter Belart, Stefan Höchli, Alfred Schaffner, Brigitte Süess und Irene Wegmann, sondern bei allen Autoren und Mitarbeitern. Elf Männer und drei Frauen haben einen bunten Strauss mit 14 Geschichten zusammengetragen. Das ausdrucksstarke Titelbild des Badener Fotografen Alex Spichale zeigt eine Szene aus «Sibil.la – Tanzgesänge» in der Klosterkirche Königsfelden. Abgerundet wird das 115 Seiten umfassende Werk wie üblich mit der Jahreschronik. Dem Historikerpaar, Barbara und Jürg Stüssi-Lautenburg, ist es gelungen, das regionale Geschehen in den kleinen und grösseren Gemeinden der Region umfassend, übersichtlich und präzise zusammenzufassen.

«Wir sollten nicht von Krieg sprechen»

Als Höhepunkt des Abends erzählte der in Brugg wohnhafte, ehemalige Chefdiplomat Fritz R. Stähelin aus seinem Leben. Der heute 87-Jährige, der am Tag des Terroranschlags von 9/11 in New York Ferien verbrachte, nahm zuerst Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Paris: «Wir sollten nicht von Krieg sprechen.» Denn so habe etwa der Irak-Krieg zur Destabilisierung der ganzen Region im Nahen Osten beigetragen. Stähelin warnte davor, panisch zu reagieren. Vielmehr appellierte er, stets wachsam zu sein und sich für Demokratie sowie Transparenz einzusetzen.

Dann erzählte er, warum er immer wieder in Brugg gelandet ist. Nach seinem Nomadenleben mit längeren Stationen in Kairo, Tokio, Brüssel und Bern sowie nach unzähligen Auslandreisen als Direktor der späteren Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) fühlt er sich in Brugg zu Hause und frei. «Hier kann man in kurzen Hosen in der Migros einkaufen gehen, ohne dass es jemand stört. Das würde ich mich in Bern unter den Lauben nie getrauen.»

Er schrieb General einen Brief

Aufgewachsen war Stähelin im Pfarrhaus Rein. Frisch von der Leber erzählte er, warum er von General Henri Guisan nach einer Begegnung mittels Brief seinen Haselstock zurückverlangte. Er erinnerte an die velofreundliche Zurzacherstrasse und seine Zeit als aufmüpfiger Schüler. Anschliessend liess er sich zum Lehrer ausbilden. In einer Jugendherberge in Frankreich lernte Fritz R. Stähelin vor 63 Jahren seine spätere Ehefrau – eine Amerikanerin – kennen. Dank ihr lernte er Englisch, was ihm schliesslich den Weg in die Diplomatie ebnete.

Das Publikum folgte Stähelins Ausführungen interessiert. Der 87-Jährige hätte noch stundenlang aus dem diplomatischen Nähkästchen erzählen können. Etwas abrupt spannte der ehemals Zuständige für Handelsfragen bei der Schweizer Delegation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dann plötzlich wieder den Bogen zur Gegenwart.«Gebt den bilateralen Verträgen Sorge! Sie sind lebenswichtig für die Schweizer Wirtschaft», betonte Stähelin.

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