Neujahrsblätter Brugg
Brugger Neujahrsblätter am Ende: Es mangelt an interessierten Lesern

Zu wenige Leser, mangelnde Unterstützung, zu grosses Risiko: Ende Jahr erscheint das letzte Brugger Neujahrsblatt. Damit droht einer 122-jährigen Tradition das Aus.

Tabea Baumgartner
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Brugger Tradition wird begraben.

Brugger Tradition wird begraben.

zvg

Einer 122-jährigen Tradition droht das Aus: Wie die Redaktion der Brugger Neujahrsblätter am Dienstag mitteilte, wird die Produktion der Neujahrsblätter noch dieses Jahr eingestellt. In erster Linie mangelt es an interessierten Lesern – heute werden nur noch 300 Exemplare verkauft. «Wir suchen nach Autoren, betteln um das nötige Geld und am Ende müssen wir gar noch um die Käufer buhlen», sagt Beat Kaufmann, Vorsitzender des Redaktionsteams.

«Leser scheiden altershalber aus»

Bis anhin ist jedes Jahr ein Büchlein erschienen, das dem Leben und Treiben in der Region Brugg ein Gesicht gab. Doch die Einwohnerinnen und Einwohner scheinen kein Interesse für Beiträge über die Geschichte, die Kultur und die Natur der Region aufzubringen. Kaufmann: «Unsere treue Leserschaft scheidet altershalber aus. Neue Leser gibt es keine.»

Die Redaktion legt ihre Arbeit schweren Herzens nieder. «Ohne Trägerschaft lastet das finanzielle Risiko auf uns Redaktoren. Das können wir nicht mehr verantworten», sagt Beat Kaufmann. Die Kosten für die Produktion der kleinen Auflage belaufen sich zurzeit auf 28000 Franken. Das finanzielle Risiko sei zu hoch, teilt die 5-köpfige Redaktion mit. Bisher hatte die Einwohner- und Ortsbürgergemeinde Brugg pro Jahr 12000 Franken beigetragen. Dieser Betrag musste jedes Jahr erneut vom Einwohnerrat bewilligt werden.

Keine Trägerschaft, kein Neujahrsblatt

Der Verkaufserlös ist gering. «Das ist himmeltraurig. Wir schämen uns, so viel Geld für niemanden auszugeben.» Alle Redaktoren arbeiten ehrenamtlich. Es sei ihnen nicht mehr möglich, sich «im Nebenjob» um Produktion, Finanzierung und Verkauf zu kümmern. Ist bis Ende März keine Trägerschaft gefunden, wird künftig kein Neujahrsblatt mehr erscheinen.

Erste Reaktionen sind deutlich: «Das kann noch nicht das definitive Aus einer bewährten Institution sein», sagt Titus Meier, Historiker und FDP-Grossrat. «Alle grösseren Orte im Aargau haben eine solche Publikation.» Die Bedeutung der Neujahrsblätter reiche über die Rückschau aufs vergangene Jahr hinaus – insgesamt stellen sie eine wertvolle Dokumentensammlung für die Nachwelt dar.

Rettung dem Neujahrsblatt

Gibt es eine Möglichkeit zur Rettung des Neujahrsblattes? «Es müsste jemand da sein, der für die Sache einstehen würde», sagt Kaufmann. Einerseits braucht es Engagement, andererseits eine finanzielle Absicherung. «Wäre ein Träger da, könnten wir uns wieder mit Hingabe der redaktionellen Arbeit widmen.» Ob eine günstiger produzierte Version Rettung bringen würde? Der Qualitätsanspruch seitens der Redaktion bleibt hoch. «Eine einfachere Version würde noch weniger gelesen», sagt Kaufmann.

Titus Meier will das Aus nicht ohne weiteres hinnehmen: «Man muss zusammensitzen, die Argumente der Redaktion aufnehmen und nach Lösungen suchen», sagt Meier. «Die Mitteilung des Aus ist ein Hilferuf.» Kaufmann lässt verlauten, dass es nicht reiche, das Ableben des Neujahrsblattes zu bedauern. «Jene Menschen, denen das Neujahrsblatt wichtig ist, mögen nun die Initiative ergreifen.»