Eine engagierte Diskussion wird geführt in Brugg über die Zukunft der Liegenschaften «Müller-Haus», «Alte Schmitte» sowie «Kupper-Haus». Abriss oder Erhalt lautet die Frage. Der Entscheid darüber, ob die Gebäude unter Schutz gestellt werden oder nicht, liegt bei der Stadt, ergibt eine Nachfrage bei der Kantonalen Denkmalpflege. Denn: «Für den Schutz und Erhalt der historisch relevanten baukulturellen Erbe sind grundsätzlich die Gemeinden verantwortlich.»

Der Reihe nach: Der Zusammenzug der Verwaltung ist seit Jahren ein Thema in Brugg. Direkt vor der Altstadt – zwischen Schulthess-Allee und Annerstrasse – möchte der Stadtrat nun einen Neubau realisieren für eine zentrale Verwaltung mit Stadtbüro sowie für Verkaufsflächen, Büros und rund 55 Wohnungen. In der bestehenden, denkmalgeschützten «Alten Post» an der Spitze sollen unter anderem Besprechungsräume eingerichtet werden. Mit diesem Altbau verbunden wird der geplante Verwaltungsneubau über eine verglaste Treppenhalle.

1541 Unterschriften überreicht

Gegen die Pläne wehrt sich eine Initiativgruppe. Ihre «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt» ist auf breite Unterstützung gestossen. Ende Juni konnten der Stadt insgesamt 1541 Unterschriften überreicht werden (die AZ berichtete). Das «äusserst überdimensionierte» Bauvorhaben, so die Initiativgruppe, nehme keine Rücksicht auf die bestehenden kunst- und kulturhistorisch wertvollen Bauten «Müller-Haus», «Alte Schmitte» sowie «Kupper-Haus». Diese seien im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt und dürften nicht ohne weiteres abgebrochen werden, hält die Initiativgruppe fest.

Der Stadtrat dagegen will auf den Erhalt der Liegenschaften «Alte Schmitte» sowie «Müller-Haus» verzichten, gemäss Planungsbericht «zugunsten einer klareren städtebaulichen Gesamtlösung».

«Alte Post» steht unter Schutz

Das hinter der «Alten Post» liegende Gebiet sei für die städtebauliche Geschichte von Brugg zwar relevant, führt die Kantonale Denkmalpflege aus. Die einzelnen Gebäude allerdings besitzen nicht den Stellenwert von kantonalen Schutzobjekten. Anders ausgedrückt: «Somit ist für die Planung und die Entwicklung – aber auch für allfällige Unterschutzstellungen – die Gemeinde zuständig.» Sie entscheidet, fährt die Kantonale Denkmalpflege fort, ob die Gebäude den Status als kommunale Substanzschutzobjekte erhalten – selbstverständlich unter verschiedenen Interessensabwägungen sowie unter Einbezug des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, das die Altstadt von Brugg als von nationaler Bedeutung einstuft.

Anders präsentiert sich die Ausgangslage beim Gebäude «Alte Post»: Dieses steht unter kantonalem Schutz. Als es vor bald 10 Jahren darum gegangen sei, die «Alte Post» abzureissen oder zu erhalten, sei klar geworden, dass die Liegenschaft den Status eines kantonalen Denkmalschutzobjekts habe, blickt die Kantonale Denkmalpflege zurück. «Dies, weil dem Gebäude eine grosse Bedeutung im kantonsinternen Vergleich attestiert werden kann.»

Als Spar- und Leihkasse gebaut

Zur Erinnerung: Damals fand eine intensive Auseinandersetzung statt. 2009 plante der Stadtrat, die Liegenschaft abzureissen und an der Stelle den Neubau für eine Stadtverwaltung zu erstellen. Eine Gruppierung um Titus Meier, Barbara Iten und Konrad Zehnder setzte sich für den Erhalt des Gebäudes ein und lancierte eine Petition. Ende November 2009 konnten dem damaligen Stadtammann Rolf Alder über 1100 Unterschriften übergeben werden. Anfang 2010 entschied der Regierungsrat, die «Alte Post» unter kantonalen Schutz zu stellen.

Erbaut wurde das Gebäude 1893/94 nach den Plänen der Badener Architekten Otto Dorer und Adolf Füchslin als städtische Spar- und Leihkasse. Die Post zog als Mieterin ein. Seit 1961 ist die Liegenschaft im Besitz der Stadt.