Fusion mit Schinznach-Bad
Brugger Heiratspläne: Windisch reagiert angesäuert und enttäuscht

Schinznach-Bad und Brugg wollen fusionieren, Windisch wurde damit auf dem falschen Fuss erwischt. Heidi Ammon, Gemeindeammann Windisch, bemängelt den Informationsfluss. Der ehemalige Bezirksamtmann Samuel Sumi hingegen begrüsst eine Fusion.

Janine Müller
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Not amused über die Fusionspläne: Heidi Ammon, Gemeindeammann Windisch.

Not amused über die Fusionspläne: Heidi Ammon, Gemeindeammann Windisch.

Claudia Meier/Barbara Adank

Brugg flirtet derzeit heftig mit Schinznach-Bad. Der Heiratsantrag ist quasi gemacht, ob dann die Ringe tatsächlich getauscht werden, ist noch unklar. Zuerst müssen der Brugger Einwohnerrat und das Stimmvolk von Schinznach-Bad den Projektierungskredit im Juni bewilligen (die az berichtete).

Die bisherige Geliebte – die Gemeinde Windisch – muss nun hinten anstehen. Dies, obwohl der Brugger Stadtammann Daniel Moser an der Pressekonferenz betonte, dass die Fusion mit Windisch längst nicht vom Tisch sei.

Auf diese Aussagen reagiert Heidi Ammon, Gemeindeammann Windisch, leicht angesäuert: «In den Leitsätzen des Brugger Stadtrats wird ausgeführt, dass die Stadt Brugg in ihrer Zentrumsfunktion ein solider Partner für die Gemeinden der Region sein will und Zukunfts-Workshops mit Gemeinden der Region geführt werden sollen. Da warten wir gespannt auf eine Einladung.»

Überrascht und enttäuscht

Die Gemeinde Windisch scheint mit den Brugger Fusionsplänen auf dem falschen Fuss erwischt worden zu sein. Gerade mal zwei Tage, bevor Brugg und Schinznach-Bad mit ihren Ideen an die Presse gingen, hat man Heidi Ammon über die Fusionspläne informiert. Das war am 17. März an einem der regelmässig stattfindenden Informationsanlässen zwischen den beiden Gemeinden. «Ich war doch überrascht über diese Ankündigung», gibt Heidi Ammon zu. «Und auch enttäuscht.»

«Offenbar reichte das Vertrauen nicht aus»

In den letzten Jahren habe man zwei Projekte lanciert – den Campussaal und das Räumliche Entwicklungsleitbild. «So unter dem Motto ‹prüfe, wer sich binden will›», führt Ammon weiter aus. «Diese waren prädestiniert gewesen, um den nächsten Schritt aufzugleisen... Doch offensichtlich reichte das Vertrauen nicht aus, um uns früher über solche Fusionspläne zu informieren.»

Heidi Ammon will zurzeit keine Vermutungen anstellen, wie die Zusammenarbeit weiter geht. Klar ist, dass der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit im Bereich der Bau- und Nutzungsplan-Revision wie geplant weitergeführt wird. Es sei aber schwierig abzuschätzen, wie die weitergehende Zusammenarbeit funktionieren wird. Denn Brugg dürfte mit dem Fusionsprozess zeitlich stark beansprucht werden.

Fusion als «geschickte Lösung»

Der Fusion gegenüber positiv gestimmt ist Samuel Sumi. Der ehemalige Bezirksamtmann aus Schinznach-Bad sagt gegenüber der az: «Zum heutigen Zeitpunkt würde ich ein Ja zur Fusion in die Urne legen.» Der 67-Jährige findet, dass eine Fusion von Schinznach-Bad und Brugg «eine geschickte Lösung» sei. Bereits vor Jahren habe er gesagt: Wenn Schinznach-Bad mit einer Gemeinde fusionieren soll, dann mit Brugg, einer starken Zentrumsgemeinde. Auch er führt, wie die Gemeinde Schinznach-Bad selber, ins Feld, dass es immer schwieriger wird, Funktionäre für die verschiedenen Ämter zu finden. Gleichzeitig müssen auch Verwaltungen immer professioneller arbeiten. «Durch die heutige Mobilität der Menschen wäre es auch kein Problem, wenn die Gemeindeverwaltung nicht mehr im eigenen Dorf ist» , meint Sumi.

«Eine gute Kommunikation ist wichtig»

Er hebt die positiven Aspekte einer Fusion hervor. Verweist auf das Frei- und Hallenbad in Brugg, von dem auch Schinznach-Bad profitieren kann. Oder auch auf das Thermalbad, das eine Aufwertung für die Stadt Brugg bedeuten würde. Er appelliert aber an den Gemeinderat: «Eine gute Kommunikation ist in diesem Fall enorm wichtig. Man muss die Bevölkerung auch über die Probleme informieren.» Ein Problem ortet er allenfalls in der Feuerwehr. «Diese erneut umzukrempeln, ist sicher nicht einfach.»