Brugg
Brugger Firma liefert die Liftseile für das neue World Trade Center

Die Industriegruppe Brugg durfte am Prestigebau der US-Amerikaner in New York mitarbeiten. Trotz Prestigeprojekten bleibt die Gruppe Brugg aber im vergangenen Jahr hinter den grossen Erwartungen zurück, auch wenn der Umsatz gesteigert werden konnte.

Marc Fischer
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Globaler Hochseilakt aus Brugg: Die Kabelwerke Brugg haben einen Auftrag für das neue World Trade Center in NY erhalten
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Das neue World Trade Center
Bauarbeiten hoch über Manhattan

Globaler Hochseilakt aus Brugg: Die Kabelwerke Brugg haben einen Auftrag für das neue World Trade Center in NY erhalten

Keystone

Die Industriegruppe Brugg mit ihren vier Geschäftsbereichen Kabelsysteme, Seiltechnik, Rohrsysteme und Prozessleittechnik hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 4 Prozent auf 681 Millionen Franken gesteigert.

Beim Cashflow nach Steuern – für die Gruppe die relevante operative Grösse – resultierte ein Plus von 21 Prozent auf 32 Millionen Franken.

«Unter dem Strich resultierte ein Gewinn, und die Aktionäre erhalten eine Dividende in der Höhe des Vorjahres», so der Verwaltungsratspräsident Otto H. Suhner in Brugg an einer Pressekonferenz. Detaillierte Zahlen publiziert die Gruppe nicht.

Mit dem Resultat war der Präsident nicht ganz zufrieden. «Wir haben unsere Ziele nicht erreicht», so Suhner. Langfristig peile die Gruppe einen Umsatz von 700 Millionen und einen operativen Cashflow von 50 Millionen Franken an.

Dass man sich derzeit darunter bewegt, hat auch damit zu tun, dass sich die Staaten in Europa und den USA wegen der Schuldenkrise bei Investitionen in die Erneuerung der Stromnetze zurückhalten.

Somit sind auch die dicken Stromkabel aus Brugg derzeit nicht stark gefragt. Grundsätzlich erwarte man aber wegen der Energiewende, die den Bau von neuen Netzen nötig machen werde, in Zukunft positive Impulse.

Auch beim Netzausbau in der Schweiz gehe es nicht vorwärts. Insgesamt müssen gemäss früheren Angaben der Netzgesellschaft Swissgrid bis 2030 rund 1000 Kilometer Hochspannungsleitungen erneuert werden.

Die Gruppe Brugg erhofft sich für ihre Kabeleinheit dadurch neue Aufträge. «Es wurde viel über den Netzausbau gesprochen, bisher aber wenig gemacht», so Urs Schnell, CEO der Gruppe.

Die politische Diskussion über über- und unterirdische Stromleitungen schaffe Rechtsunsicherheit und verzögere die Investitionen.

Den stärksten negativen Einfluss aufs Geschäftsergebnis hatte 2012 die Sparte Seiltechnik. Wegen Managementproblemen bei der Tochter Geobrugg und Qualitäts- und Abwicklungsproblemen beim Stadionbau in Vancouver blieb sie deutlich unter den Erwartungen.

Nicht ganz reibungslos verlief auch der Auftrag für Liftseile im Freedom-Tower des neuen World Trade Center in New York.

Seile der Gruppe Brugg, die von der US-Tochter hergestellt wurden, betreiben hier Aufzüge von ThyssenKrupp.

Eine erste Lieferung wurde aber vom Hurrikan Sandy beschädigt und Brugg musste ein zweites Mal liefern. Mittlerweile würden die Lifte aber für den Innenausbau verwendet.

Kurzarbeit in Brugg

Dank Grossaufträgen aus dem In- und Ausland läuft die Rohrdivision dafür einwandfrei. Und auch der Bereich Prozessleittechnik sei gut unterwegs. Die Gruppe dagegen ist trotzdem verhalten ins laufende Jahr gestartet. Sie liegt nach den ersten vier Monaten hinter dem Vorjahr zurück.

In der Kabelproduktion wurde deshalb im April Kurzarbeit eingeführt. «Diese wird im Juli und August unterbrochen, aber im September vielleicht wieder eingeführt», so Schnell. Das Umfeld bleibe herausfordernd. «Ich bin glücklich, wenn wir 2013 auf dem Niveau von 2012 abschliessen können», so Schnell.

Da die Gruppe solide finanziert und schuldenfrei sei, habe man aber einen langen Atem. Längerfristig erhofft man sich neue Impulse auch von den sportlichen Grossanlässen wie der Fussballmeisterschaft 2022 in Katar.

«Die Stadien müssen in Katar wegen der Kühlung geschlossen sein, wir könnten das Seilbauwerk für die Dachaufhängung liefern», so der Gruppen-CEO. Die Aufträge seien noch nicht vergeben, aber erste Projektskizzen seien vielversprechend.