Ein Zug nach dem andern fährt vorbei. Ein permanentes Brausen und Donnern begleitet die Fussgänger, die vom Perron 1 des Brugger Bahnhofs dem grosszügig geschwungenen Metron-Gebäude zustreben. Sie mögen noch so sehr in Eile sein, ihn können sie nicht übersehen – den «Brutkasten Metron»: eine Glasvitrine, die nicht durch ihre Grösse, sondern durch ihren Inhalt überrascht – Kunst.

Demokratische Entscheidung

Metron, das Unternehmen für Architektur, Raumentwicklung, Verkehr, Landschaft und Umwelt, betreibt seit vier Jahren eine spezielle Kulturförderung, an der die Metron-Mitarbeitenden den grössten Anteil haben. Sie setzen sich alle sechs Monate zusammen, um gemeinsam nach einem Wort zu suchen, das auf irgendeine Art mit der Firma zu tun hat. Demokratisch wird so lange abgestimmt, bis ein Wort gefunden worden ist. Dieses wird danach Kunstschaffenden zur künstlerischen Bearbeitung überlassen.

Neue Blickwinkel

Was will Metron mit dieser speziellen Art von Kulturförderung erreichen? «Das jeweilige Kunstobjekt soll neue Blickwinkel und einen anderen Zugang zur eigenen Arbeit bieten – und zwar für Mitarbeitende genauso wie für Besucher und Passanten.» Nun wird der 60×60 Zentimeter grosse, 70 Zentimeter hohe «Brutkasten» einmal mehr bespielt.

Alles ist Illusion

Der 64-jährige Deutsche Burghard Müller-Dannhausen setzt sich mit dem Wort «Illusion» auseinander. Und: Was sehen die Betrachter? Streifen, die in sattem Rot und Blau leuchten. Erst wer den «Brutkasten» genauer inspiziert, merkt, dass es sich um 17 schlanke Pfeiler über kreuzförmigem Grundriss handelt. «Illusion» macht seinem Namen alle Ehre: Die Farben bringen die Kanten der Pfeiler zum Verschwinden, die Senkrechten kippen in eine, freilich nur scheinbare, Schräglage.

Wer die Glasvitrine umrundet, sieht, wie sich das Objekt bewegt. Das heisst: Er glaubt daran. Dabei ist es der Betrachter, der sich bewegt. Kurzum: Burghard Müller-Dannhausen erweist sich als Virtuose im Umgang mit dem Thema «Illusion». Fragt sich bloss, wie seine Installation auf die permanenten Erschütterungen durch die vielen Züge reagiert. Vielleicht wird sie sich verändern. Das wäre ganz im Sinne von Metron; schliesslich strebt die Firma Veränderungen an. Ergo wird sie den «Brutkasten» erneut bespielen – im Frühling 2012.

«Illusion» Das Objekt ist bis April 2012 am Gleis 1, beim Brugger Bahnhof, zu sehen.