Brugg
Brugger Bezirksschüler stellen in nur fünf Wochen ein Theater auf die Beine

Ein betrunkener Kapitän, illegale Passagiere unter Deck und ein Leichtmatrose mit schwerem Schicksal – willkommen auf der Esperanza, dem Schiff der Hoffnung.

Emilia Lafleur*
Drucken
Für ihre Darbietung erhalten die Bezirksschüler einen riesigen, wohlverdienten Applaus. zvg

Für ihre Darbietung erhalten die Bezirksschüler einen riesigen, wohlverdienten Applaus. zvg

ZVG

In nur fünf Wochen hat die Klasse 3b der Bezirksschule Brugg unter der Leitung von Deutschlehrerin Flurina Lienhard ein komplettes Theater auf die Beine gestellt und im Salzhaus aufgeführt. «Das Schiff Esperanza» von Fred von Hoerschelmann ist eine Tragödie sondergleichen.

Wieso haben Axel und der Kapitän den gleichen Nachnamen? Und was geschieht mit dem «Abschaum», wie der Kapitän die Auswanderer im Bauch des Schiffes nennt? Nie kommen sie ans Licht, sitzen tage-, ja wochenlang in diesem stickigen Raum. Bis Axel sie findet – und den Kapitän darauf anspricht.

Herausforderungen gemeistert

Nach erstmaligem Lesen mit der ganzen Klasse stand fest: Dieses Stück wird anspruchsvoll. Doch keineswegs schreckten die 16 Schülerinnen und Schüler vor der Herausforderung zurück, ganz im Gegenteil! Voller Eifer stürzten sie sich in Rollenverteilung und erste Planung der Kulissen. Zu Beginn stand das Auswendiglernen des Textes im Zentrum; es wurden erste Szenen gespielt. Doch wo sollte das Theater stattfinden? Wie die Kulisse aussehen? Und wie kriegt man die schnellen Schauplatzwechsel (das Drama wurde ursprünglich als Hörspiel konzipiert) hin? Die Klasse 3b löste all diese Knacknüsse. «Unser Auftritt ist in einer Woche, jetzt wird geprobt, geprobt, geprobt!», meinte Mila.

Hauptprobe, Generalprobe – und schon war der grosse Tag da. Eine Schülervorstellung und die erste Präsentation vor den Eltern und Verwandten standen an. Aufregung machte sich bei den Jungschauspielerinnen und -spielern breit. Langsam trudelten die ersten Mitschüler ein, begrüssten ihre Kameraden und nahmen in den Stuhlreihen Platz. Und dann begann auch schon das Spektakel. «Halt, halt, halt. Das sind Weinfässer und keine Ziegelsteine!», herrschte Bengsten, gespielt von Albulina, Katherine, als Leichtmatrose Axel Grove, an.

Dafür schlug der junge Axel (in dieser Szene gespielt von Judith) zartere Töne an: «Ich habe Ihnen eine Decke mitgebracht . . .», meinte er zu Julia, die die Rolle der Edna innehatte. «Finden Sie nicht, dass es hier unten warm genug ist?», meinte diese – und musste fast lächeln ob der Besorgnis des Leichtmatrosen, die im starken Gegensatz dazu stand, wie sie «dort unten im Laderaum» normalerweise behandelt wurden.

Man müsse eben hart sein, meinte wenig später der Kapitän: «Das Leben ist eine wüste Sache. Man schwimmt im Dreck und man strampelt sich frei, wenn man nicht ersticken will – und man wird dreckig dabei!» Und der Nachdruck, mit dem der alte Grove (hier gespielt von Felix) seine Faust auf den Tisch schmetterte, liess das Publikum zusammenfahren – und die auf dem Tisch stehende Bierflasche geriet mehr als nur ins Wanken.

An einer Sandbank ausgesetzt

«Was sollen wir dieses Mal mit ihnen machen?» – «So wie immer.» Gemeint waren die Auswanderer. Und so wurden sie von Yanis, in der Rolle von Krucha, im Dunkeln an einer Sandbank ausgesetzt. Voller Hoffnung setzen sie einen Fuss vor den anderen – endlich an ihrem Ziel angekommen. Dachten sie. Erst Minuten später sollten sie merken, dass der Wasserspiegel stieg und stieg – und immer noch mehr. Stehen konnten sie wohl bereits nicht mehr auf der Sandbank, als die Besatzung bemerkte: Eine Auswanderin war zurückgeblieben. «Das kann doch nicht sein. Hören Sie, Bengsten, das kann doch nicht . . .» Doch die schlimmsten Befürchtungen von Kapitän Grove (Liv) bewahrheiteten sich: Axel Grove, sein Sohn, war an ihrer Stelle von Bord gegangen. Und so endete das Stück: mit einem aufgelösten Kapitän, unfähig zu begreifen, was geschehen war – und einem riesigen, wohlverdienten Applaus.

*Die Autorin besucht die Klasse 3b der Bezirksschule Brugg.

Aktuelle Nachrichten