Brugg

Brugger Berufsoffizier übernimmt im Kosovo das Kommando

Der Brugger Swisscoy-Kommandant Thomas Wymann berichtet für die az exklusiv von seinem mehrmonatigen Einsatz im Kosovo. Heute der erste Teil unter dem Motto: «Was du tust, das tu auch richtig»

Nun gilt es ernst: Das Kontingent 27 der Swisscoy und ich sind im Kosovo. Den Einsatz wollen die Männer und Frauen getreu ihrem Motto «Was du tust, das tu auch richtig» leisten. Jetzt ist es an dir. Jetzt bist du verantwortlich für diese 220 Frauen und Männer in den nächsten sechs Monaten - für sie und für ihr Tun im Kosovo»: Dieser Gedanke durchfuhr mich, als ich die Fahne des Kontingents in den Händen hielt. Die Fahnenübernahme symbolisierte den Kommandowechsel vom vorherigen zu unserem, dem Kontingent 27 der Swisscoy.

Die schlichte Feier des Change of Command am 4. Oktober auf dem Flughafen in Pristina war für mich ein erhabener Moment. Nicht nur, weil ich als höchster Schweizer Offizier im Einsatzraum die Verantwortung für meine Leute trage. Mir war auch bewusst, dass ich sie zum letzten Mal alle beieinander sehe: Das Schweizer Kontingent 27 ist auf fünf verschiedenen Standorte im ganzen Kosovo verteilt.

Wie eng haben wir im Vergleich dazu während den drei Ausbildungsmonaten in der Schweiz gelebt. Eine intensive Zeit, sah ich Kontingentsangehörige doch jeweils vom Sonntagabend bis Freitagnachmittag fast rund um die Uhr. Dort, in den Containern des Ausbildungszentrums in der Kaserne Wil bei Stans (NW), sind wir zu einem Team herangewachsen. Getreu dem Motto des Kontingents 27: Age quod Agis - was du tust, das tue auch richtig.

Bei den vielen verschiedenen Ausbildungen - Minenerkennung, Erste Hilfe, Fahrausbildung, Landeskunde - habe ich die Stärken noch besser kennen gelernt, die meine Soldatinnen und Soldaten aus dem Berufsleben mitbringen. Ich habe sie mitrekrutiert und weiss, dass jede und jeder Einzelne in ihrem Aufgabenbereich echte Profis, ja Perlen sind. Fiele eine von diesen Perlen weg, fehlte sie unwiederbringlich.

Zu schauen, dass dies nicht geschieht, wird eine Herausforderung für die nächsten sechs Monate sein. Denn der Camp-Alltag macht es einem nicht einfach, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung zu halten: Mein Büro befindet sich nur wenige Meter neben meinem Schlafcontainer. Und Arbeit gäbe es für 24 Stunden an sieben Tagen zu erledigen. Ablenkung dagegen fehlt weitgehend. Was also mache ich nach fünf, sechs Stunden Schlaf? Ich verschiebe ins Büro. So geht es vielen meiner Soldatinnen und Soldaten.

Noch haben wir schöne Tage mit viel Sonne und Licht. In den dunklen Wintermonaten aber werden wir zu uns schauen müssen. Ähnlich wird es den rund 500 Leuten aus 22 Nationen gehen, die hier im Hauptquartier der Kfor in der Hauptstadt Pristina leben. Amerikaner, Ukrainer, Italiener, Türken - so unterschiedlich die Länder aus denen diese Männer und Frauen kommen, so friedlich die Stimmung. Quasi ein Sinnbild für die Mission des Peace Support, für die sie hier sind.

Leben im Camp heisst leben in einer eigenen Welt. Alles, was nicht hier stattfindet, läuft Gefahr, in den Hintergrund zu geraten. Deshalb pflege ich bewusst den Kontakt zur Familie. Täglich mit meiner Frau und meinem jüngsten Sohn zur fixen Stunde zu skypen, ist ein Ritual. Ich habe meinem Zehnjährigen bereits ein Weihnachtsgeschenk gekauft: einen Helikopter mit Fernbedienung, den ich jetzt noch eingehend testen werde - als Ausgleich zur Arbeit.

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