Brugg
Brugger Ärzte operierten häufiger als im Vorjahr, trotzdem resultiert ein Verlust

Hohe Abschreibungen, personelle Veränderungen und Tarifkürzungen - das Medizinische Zentrum Brugg blickt auf ein turbulentes letztes Jahr zurück. Die Verantwortlichen erklären die Gründe dafür und blicken dennoch optimistisch in die Zukunft.

Michael Hunziker
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3645 Eingriffe sind im letzten Jahr im Medizinischen Zentrum Brugg vorgenommen worden

3645 Eingriffe sind im letzten Jahr im Medizinischen Zentrum Brugg vorgenommen worden

ZVG

Das Medizinische Zentrum Brugg (MZB) hat eines der turbulentesten Jahre seiner Geschichte hinter sich. An der Medieninformation vom Dienstag zum Geschäftsabschluss 2015 – der hinter den Erwartungen blieb – standen Red und Antwort: Sandra Weingart, Geschäftsleiterin; Andreas Meyenberg, ärztlicher Leiter und Vizepräsident des Verwaltungsrats; Ruedi Steiner, Mitglied des Verwaltungsrats.

Trotz leicht höheren Eingriffszahlen weist das Medizinische Zentrum Brugg einen Verlust von knapp 200 000 Franken aus. Der betriebliche Ertrag beläuft sich auf 6,49 Mio. Franken (Vorjahr 7,96 Mio. Franken), der Aufwand auf 6,85 Mio. Franken (7,86 Mio. Franken). Allerdings wird der Abschluss 2015 ohne die Gemeinschaftspraxis MZB Brugg AG ausgewiesen, die heute als Partner auftritt.

Als einen Grund für den negativen Abschluss nannte Geschäftsleiterin Sandra Weingart die erheblich höheren Abschreibungen als Folge der gestiegenen Investitionen. Diese wiederum seien zurückzuführen auf die rasante Entwicklung im Gesundheitswesen. Der Gerätepark – unter anderem im Bereich Augenchirurgie oder Gelenk-Infiltration – wurde auf den neusten Stand gebracht.

«Neue Technologien halten Einzug», stellte Sandra Weingart fest. Die Abschreibungen würden, auch wenn sie den Abschluss zusätzlich belasten, konsequent vorgenommen. Denn im Vordergrund stehe die Patientensicherheit und zudem lege das MZB Wert darauf, den hohen Qualitätsstandard zu erhalten. Anders ausgedrückt: «Wir handeln nachhaltig.»

Personelle Veränderungen

Zum negativen Abschluss beigetragen haben weiter die Wechsel in der Geschäftsleitung sowie im Kader und die – durch die Einarbeitungszeiten – höheren Personalkosten. Auf Susanna Mattenberger folgte im Oktober 2015 Sandra Weingart als neue Geschäftsleiterin. Für den abtretenden Finanzleiter Manuel Süess hat Yvonne Buchwalder ihre Stelle angetreten.

Zu Buche geschlagen haben ebenfalls die Eingriffe des Bundesrats in der Tarifstruktur Tarmed. Diese haben laut Sandra Weingart und Andreas Meyenberg in einigen Fachgebieten zu erheblichen Ertragseinbussen geführt. Gerade eine ambulante Klinik mit Operationssälen sei von diesen Kürzungen sehr betroffen.

Ganz im Zeichen des 10-Jahr-Jubiläums wurden im MZB überdies eine Jubiläumsbroschüre realisiert und verschiedene Anlässe – wie Fachvorträge – organisiert. Auch präsentierte sich das MZB an der Gewerbeausstellung Expo Brugg-Windisch mit seinen medizinischen Dienstleistungen. Trotz Aufwand: «Dies sind Investitionen in die Zukunft. Sie lohnen sich», sagte Sandra Weingart.

Positiv ins neue Jahr

Apropos Zukunft: Die Aussichten werden als optimistisch beurteilt. «Trotz des negativen Abschlusses blicken wir positiv in das neue Jahr», hielten Sandra Weingart und Andreas Meyenberg übereinstimmend fest. Der Start ins 2016 jedenfalls sei erfolgreich und vielversprechend verlaufen und es konnten zusätzliche neue Belegärzte gewonnen werden.

Die Zuversicht ist gross, dass diese für ein langfristiges Engagement für das MZB gewonnen werden können – und damit die Anzahl der Eingriffe steigen wird. Auch zeigten sich die Verantwortlichen überzeugt davon, dass der Trend künftig vermehrt in Richtung «ambulant vor stationär» gehen wird. Derzeit seien die finanziellen Anreize nicht gegeben.

An der Generalversammlung am 28. April werden Wahlen auf dem Programm stehen. Aus dem Verwaltungsrat zurücktreten Max Brentano und Heinz Sager. Als zusätzliche Verwaltungsratsmitglieder vorgeschlagen werden Susanna Mattenberger, Rolf Wolfensberger, Andreas Schreiber und James Bruderer.

Die Handchirurgie legt deutlich zu

Das Medizinische Zentrum Brugg (MZB) deckt ein grosses Spektrum an ambulanten Behandlungen ab. Insgesamt sind im letzten Jahr 3645 Eingriffe durchgeführt worden. 2014 waren es 3480 Eingriffe.

Eine Zunahme zu verzeichnen war im Bereich Handchirurgie mit 422 Eingriffen (Vorjahr 342) und Augenchirurgie mit 526 Eingriffen (505) sowie neu 158 intravitrealen Injektionen am Auge (Injektion in den Glaskörper), die eine Makuladegeneration (Erblindung im Alter) verzögern.

Hier wird mit einer weiteren Zunahme gerechnet. Im Bereich Krampfadernoperation war die massive Abnahme auf 188 Eingriffe (316) gemäss dem ärztlichen Leiter Andreas Meyenberg zurückzuführen auf die neuen Verfahren.

Will heissen: Eingriffe können nicht mehr nur von einem Chirurgen vorgenommen werden, sondern in vielen Fällen auch von einem Gefässspezialisten. (mhu)