Brugg
Brugg und Rottweil sind einander treu

Heute wird im Heimatmuseum Brugg eine Sonderschau über eine einzigartige Städtefreundschaft eröffnet

Elisabeth Feller
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Sonderschau: In der Vitrine liegt das «Schweizer Laudum 1579». Mathias Marx

Sonderschau: In der Vitrine liegt das «Schweizer Laudum 1579». Mathias Marx

Wer die Untere Hofstatt in Brugg aufsucht, taucht in eine andere Welt ein: Kopfsteinpflaster, alte Häuser, das Heimatmuseum im alten Zeughaus und sein im ersten Stock beheimatetes Stäblistübli. Die Türflügel des Heimatmuseums sind weit geöffnet. Das wirkt einladend, deshalb: Nichts wie rein. Die Überraschung ist gross. Dort, wo ansonsten Waffen, Uniformen, Zinngeschirr und Handwerksgeräte zu sehen sind, dominieren Schautafeln; jahrhundertealte, aber auch aus dem 20. Jahrhundert stammende Dokumente.

«Rottweil und Brugg» liest man ringsum, und da wird klar, weshalb das Heimatmuseum temporär eine andere Gestalt angenommen hat: Es lässt in einer Sonderausstellung die Städtepartnerschaft Brugg–Rottweil – die älteste im deutschen Sprachraum – aufleben.

Ein Geschenk für die Stadt

Das Stadtarchiv Rottweil macht den Bruggern mit dieser Sonderschau vor dem Stadtfest ein feines Geschenk – im Wissen, dass der Partnerschaft eine jahrhundertelange Freundschaft der schwäbischen Reichsstadt mit der Schweiz vorausging. Schon vor 550 Jahren war in «Treue, Liebe und Freundschaft» ein erstes Bündnis Rottweils mit den Schweizer Orten besiegelt worden. Die Verbindung erreichte 1519 ihren Höhepunkt mit dem Ewigen Bund, der Rottweil als zugewandten Ort zu einem vollwertigen Stand der Eidgenossenschaft erhob. Selbst wenn sich in der Folgezeit die politischen und rechtlichen Bande lockerten, blieb man einander in vielerlei Hinsicht verbunden. Nicht verwunderlich, dass Bürgerinnen und Bürger beider Städte fleissig hin und her pendeln.

Wie sehr die eine Stadt die andere respektiert und schätzt, ist im Heimatmuseum auf Schritt und Tritt abzulesen. Wer in den Raum im Parterre eingetreten ist, weiss kaum, wo er mit dem Rundgang beginnen soll. Vielleicht steuert er zunächst auf eine grössere Vitrine zu, unter deren Glasdecke er eine alte Schrift vermutet. Richtig. Es handelt sich um das Original-Pergament «Schweizer Laudum 1579». Wie zierlich und akkurat mutet doch die Handschrift an. Lesen können diese wohl nur wenige Besucher.

Ein Kinderstuhl für den Richter

Deswegen wird erklärt, worum es sich bei diesem singulären Dokument handelt. 1578 wendet sich der Rottweiler Magistrat an die eidgenössische Tagsatzung mit der Bitte, eine Schlichtungskommission zu ernennen, um im Streit zwischen Rat und Bürgerschaft zu vermitteln. Dabei ging es um unterschiedliche Auslegungen der Bestimmungen des Rottweiler Stadtrechts.

Einige Schritte weiter stösst die Besucherin auf einen niedlichen Stuhl, den sie am liebsten gleich unter den Arm klemmen würde. Ein Stuhl für Kinder? Fehlanzeige. Hier handelt es sich um das Modell des letzten Richterstuhls des Kaiserlichen Hofgerichts zu Rottweil von 1782. So läuft die Besucherin eine Station nach der anderen ab; so erfährt sie zum Beispiel vieles über die Reformation und ihre Folgen für den Rottweiler Schweizerbund, aber auch über die Jahre nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. 1947 sandte Brugg Lebensmittel nach Rottweil; Rottweil bedankte sich dafür mit 500 Christbäumen aus seinen Wäldern. Und heute? Ist die Städtefreundschaft lebendiger denn je. Sie suche «europaweit ihresgleichen», sagt der Brugger Historiker Titus Meier dazu.

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