Brugg
Umfrage bei engagierten Persönlichkeiten: Das erwarten sie vom künftigen Stadtrat

Am Sonntag wird die Brugger Regierung gewählt. Das Interesse scheint gross: Über 3000 Wählende haben ihre Stimme schon abgegeben.

Michael Hunziker
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Zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an bei den Stadtratswahlen.

Zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an bei den Stadtratswahlen.

Claudia Meier (7. September 2021)

Zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an bei den Brugger Stadtratswahlen diesen Sonntag, vier Bisherige und sechs Neue: Barbara Horlacher (Grüne, bisher, Stadtammann); Leo Geissmann (Die Mitte, bisher, Vizeammann); Reto Wettstein (FDP, bisher); Jürg Baur (Die Mitte, bisher); Rita Boeck (SP, neu); Roger Brogli (parteilos, neu); Yvonne Buchwalder-Keller (FDP, neu); Alexandra Dahinden (SP, neu); Yolanda Dätwiler (SVP, neu); Adriaan Kerkhoven (GLP, neu).

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben also die Qual der Wahl. Spannung ist garantiert. Zusätzlich auch bei der Wahl um das Stadtammann-Amt, denn Stadtrat Reto Wettstein macht der amtierenden Frau Stadtammann Barbara Horlacher den Platz an der Spitze der Stadt streitig.

Die «Aargauer Zeitung» hat engagierte Persönlichkeiten angefragt, was sie sich vom Stadtrat wünschen in der kommenden Amtszeit, was vom Stadtammann. Sechs haben geantwortet. Einige – vor allem Frauen – wollten sich indes nicht aus dem Fenster lehnen und politisch äussern.

Alles in allem scheinen die Wahlen auf Interesse zu stossen beim Stimmvolk: Bis Dienstagmittag, 12 Uhr, sind bei der Stadtkanzlei 3003 Abstimmungscouverts eingegangen bei aktuell 7713 Stimmberechtigten, sagt Stadtschreiber Matthias Guggisberg auf Anfrage. Zum Vergleich: Bei den letzten Stadtratsgesamterneuerungswahlen im September vor vier Jahren betrug die Stimmbeteiligung 51 Prozent. Bei damals insgesamt 6793 Stimmberechtigten – noch ohne Ortsteil Schinznach-Bad – wurden total 3769 gültige Stimmrechtsausweise eingereicht.

Daniel Bieri

«Wir würden es sehr begrüssen, wenn der Stadtrat in der Wirtschafts- und Standförderung die Themen Gesundheit und Thermalwasser stärker gewichtet», sagt Daniel Bieri. «Die Region Brugg bietet eine einzigartige Attraktivität für vielseitig Interessierte Menschen.» In den Leitsätzen des Stadtrats seien bisher wichtige und breit gefächerte Themen berücksichtigt worden, führt der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG aus.

Mit der Fusion 2020 habe Brugg mit dem Stadtteil Schinznach-Bad die Bad Schinznach AG «als vielseitiges Ausflugs- und Ferienresort» dazugewonnen. Die Bad Schinznach AG zähle zu den ältesten Unternehmen der Region und biete über 320 Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz, gibt Bieri zu bedenken. Vom Stadtammann wünscht er sich den Mut, auch in Zukunft Geschichte zu schreiben. «Die Region Brugg soll regional und überregional als interessanter Standort für Unternehmen und als wertvoller Lebensraum wahrgenommen werden.»

Es gebe viele gute Gründe, weshalb er wähle, stellt Bieri fest. «Einer davon ist, dass ich das Privileg der direkten Demokratie und das Recht mitzubestimmen sehr schätze. Wählen heisst, sich im Vorfeld zu informieren, mit Themen zu befassen und eine Meinung zu bilden. Mit einer Stimmabgabe geht auch eine gewisse Verantwortung des Einzelnen einher.»

Valentin Trentin

Valentin Trentin erwartet vom Stadtrat in der kommenden Amtszeit die fünf K: «Kollegial nach innen, kohärent nach aussen, kompetent in der Sache, konsequent im Handeln, kooperativ mit der Region.» Und was wünscht sich der Autor und frühere Gemeinderat aus dem Ortsteil Schinznach-Bad vom Stadtammann? «Von ihr: Dass sie ihren Kurs hält, etwas energischer auf Realisierung des Begonnenen drängt und sich nicht von irrealen Visionen wie Gendereien, Fundamentalismen und Sparposaunen betören lässt», antwortet Trentin. «Von ihm: Dass er seinem grossmütig plakativen Tatendrang auch tatsächlich Taten folgen lässt; dies mit moderaterer Tonalität und weniger Showbiz.» Wählen gehe er, sagt er kurz und knapp auf die entsprechende Frage, «weil ich ein sehr direkter Demokrat bin».

Christine Neff

Christine Neff erwartet vom Stadtrat, dass er sich an einem gemeinsamen Leitstern orientiert, sich für die Realisierung einer zentralen Verwaltung in bestehenden Bauten einsetzt und dieses Ansinnen zur Stärkung der Region gemeinsam mit Windisch vorantreibt. Vom Stadtammann wünscht sich die Bruggerin, dass sie oder er für eine nachhaltige Lebensqualität und für attraktive, durchgrünte Begegnungsorte einsteht und den Dialog über die Gemeindegrenzen hinaus stärkt. Warum geht Christine Neff wählen? «Es ist in Kenntnis der Situation in anderen Ländern ein Privileg, wählen und mitbestimmen zu können!», antwortet sie auf diese Frage.

Kenan Selcuk

Unabhängig von Partei und Personen sei es ihm sehr wichtig, was der Stadtrat die nächsten vier Jahre bewirken wolle, sagt Kenan Selcuk. «Mir ist es ein grosses Anliegen, dass konsequent eine wirtschaftsfreundliche, umweltbewusste und soziale Politik angestrebt und umgesetzt wird.» Der Wirt vom «La Dolce Vita» erhofft sich etwa konkrete Vorschläge, um die Altstadt wieder zu beleben – nicht nur Diskussionen, Pilotprojekte, Reglemente oder symbolische Massnahmen wie Blumen oder Bäume. Als Beispiel nennt Selcuk eine Taxizufahrt ab 19 Uhr oder eine Parkzeit von einer Stunde.

Weiter sollte nach seinem Dafürhalten das Bauprojekt Zentralisierung der Stadtverwaltung sowie die Schaffung von Wohnräumen vorangetrieben werden, «zur Schliessung der Lücke zwischen Altstadt und Neumarkt». Brugg als Hochschulstadt könnte zudem mehr Angebote schaffen, damit die Altstadt für die jungen Leute attraktiver wird. Kurz: «Ich wünsche mir einen Stadtrat, der volksnah und konsequent handelt, auch wenn er sich ab und zu unbeliebt machen sollte im Sinn des Sprichworts: Wer Grosses bewirken will, darf keine Angst vor Veränderungen haben.»

Dietrich Berger

«Ich wünsche mir einen Stadtrat, der berät, entscheidet und dann für eine rasche und sichtbare Umsetzung sorgt, mit dem Ziel, Brugg aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und weiterzubringen», sagt Dietrich «Didi» Berger, der Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg. Er hofft, dass es der Stadtammann in der kommenden Amtszeit schafft, «als Basis ein Klima der kompromiss- und konsensorientierten Zusammenarbeit aller Beteiligten wie Stadtrat, Einwohnerrat, Angestellte, Gewerbe und Bürger zu schaffen, um rasch alle anstehenden Projekte bestmöglich umzusetzen», antwortet Berger auf die entsprechende Frage.

Manuel Keller

Ein gutes Miteinander zum Wohle der Stadt und seiner Bevölkerung wie auch der Industrie und den Arbeitsplätzen, erhofft sich Manuel Keller vom Stadtrat in der kommenden Amtszeit –sowie kluge, mit Weitsicht gefällte, aber auch nachhaltige Entscheide. An der Spitze der Stadt wünscht er sich einen Stadtammann, «der ein offenes Ohr hat für die Anliegen der Bevölkerung, der auf die Bevölkerung eingeht und die Begehren versucht umzusetzen».

Wählen gehe er, weil er da Einfluss nehmen und Entscheidungen mittragen könne. «Ich finde, es sollte sich jeder die Zeit nehmen um zu wählen. Wir haben eine Auswahl und können unsere Favoriten unterstützen», stellt der Brugger Feuerwehrkommandant fest. Denn schade sei, wenn jemand nicht wähle und im Nachhinein nicht zufrieden sei mit dem Ausgang.