Brugg
SP-Stadtrat Willi Däpp wirft der SVP vor, nicht verantwortungsbewusst zu partizipieren

In der Diskussion um die neue Führungsstruktur an der Volksschule reagiert Stadtrat Willi Däpp persönlich auf ein emotionales Votum von SVP-Einwohnerrat Miro Barp. Die Partei sagt, warum sie nicht an einem Infoabend teilnahm und wie es um die Stadtratswahlen steht.

Claudia Meier
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Der Einwohnerrat Brugg hält die Sitzung am 25. Juli im Campussaal ab.

Der Einwohnerrat Brugg hält die Sitzung am 25. Juli im Campussaal ab.

Bild: Claudia Meier

Der Entscheid für die neue Führungsstruktur an der Volksschule Brugg fiel deutlich an der Einwohnerratssitzung am Freitag, 25. Juni, im Campussaal. Einzig die SVP brachte in einzelnen Punkten Kritik an und stellte einen Rückweisungsantrag, weil Änderungsanträge nicht möglich waren. SVP-Einwohnerrat Miro Barp sagte: «Der Gesamtschulleitung sind neun Schulleitungen unterstellt – mit zum Teil Minipensen.»

SVP-Einwohnerrat Miro Barp.

SVP-Einwohnerrat Miro Barp.

Bild: zvg

Die Führungsspanne sei zu gross. So könne nicht effizient geführt werden. Zudem sei die pädagogische Fachstelle inhaltlich ein Unding. Die Aufgaben, die der Fachstelle zugeordnet werden, müssten von den Lehrpersonen oder der Führung gelöst werden – also Schulleiter und Gesamtschulleiter, fuhr Miro Barp fort.

Die SVP-Fraktion forderte, die Zahl der Schulleitungen (sechs statt zwölf) zu reduzieren – mit entsprechend höheren Pensen. Auf die Schaffung einer pädagogischen Fachstelle sei zu verzichten. Schulleiter und Gesamtschulleiter sollen gestärkt werden. «In diesen Bericht gehören nur Pensenerhöhungen, die aufgrund der Abschaffung der Schulpflege notwendig sind», so Miro Barp weiter.

SP-Stadtrat Willi Däpp.

SP-Stadtrat Willi Däpp.

Bild: zvg

Der zuständige Stadtrat Willi Däpp (SP) verteidigte die Vorlage und betonte, dass alle in der Arbeitsgruppe Engagierten hinter dem Antrag ständen, der an einem Informationsabend für die Einwohnerräte im Detail dargelegt worden sei. Er erlaube sich jetzt eine persönliche Anmerkung, sagte Willi Däpp:

«Die SVP nahm nicht am Infoanlass teil und bringt einen Rückweisungsantrag. Ich frage mich, was sich die Partei unter verantwortungsvoller Partizipation vorstellt.»

Dieses Verhalten bereite ihm schon Mühe.

Die SVP kann die Entrüstung von Willi Däpp nicht nachvollziehen

Auf Nachfrage der AZ antwortet Präsident Stefan Baumann von der SVP Brugg. Er erinnert daran, dass die Einladung zum Infoabend vom 7. Juni am 31. Mai mit dem Versand der Ein- wohnerratsunterlagen erfolgt sei. Baumann sagt:

«Da unsere Einwohnerräte sowohl geschäftlich wie auch privat sehr engagiert sind, konnte sich leider niemand den Termin freimachen.»

Es sei auffallend, dass mittlerweile nicht nur im Stadtrat sehr viele Vertreter der Bildungs-, Sozial- und Umweltindustrie mit «Work-Life-balancierten» Jobs sitzen, die diese Zeit locker zur Verfügung haben. In der Regel versuche die Partei, ein Fraktionsmitglied an solche Veranstaltungen zu entsenden.

Stefan Baumann ist Präsident der SVP Brugg und Einwohnerrat.

Stefan Baumann ist Präsident der SVP Brugg und Einwohnerrat.

Bild: san

Der SVP-Präsident ergänzt: «Wir können die Entrüstung von Stadtrat Willi Däpp nicht wirklich nachvollziehen. Wenn sich der Stadtrat eine Partizipation wünschen würde, wären die Einwohnerräte im Vorfeld eingebunden worden.» Wie der Name sagt, habe es sich um eine Infoveranstaltung und nicht um einen Workshop gehandelt.

«Wir politisieren strikt nach unseren Leitsätzen»

Als Oppositionspartei mag Baumann die SVP nicht bezeichnen. Vielmehr gehe es der Partei in der Diskussion ­darum, was die Auslöser der entsprechenden Anträge sind. «Wir politisieren strikt nach unseren Leitsätzen und ordnungspolitischen Werthaltungen im Sinne unsere Wähler.»

Apropos Wahlen: Wird die SVP einen Stadtratskandidaten portieren? Baumann sagt: «Im Moment haben wir keinen eigenen Kandidaten, da unsere Mitglieder mehrheitlich in der Privatwirtschaft arbeiten und sich ein Teilzeitpensum nicht so leicht vereinbaren lässt.» Mit Blick auf das Kandidatenfeld, stelle man fest, dass es den meisten Kandidierenden an anspruchsvoller Erfahrung in der Privatwirtschaft und insbesondere an Führungserfahrung in einem auf Ziele und Wettbewerb fokussierten Umfeld mangle.