Brugg
SP ist nicht mehr vertreten im Stadtrat: Der Parteilose landet einen Coup

Der Brugger Stadtrat ist schon nach dem ersten Wahlgang komplett. Roger Brogli ist neu gewählt. Rita Boeck kann den Sitz der SP nicht verteidigen.

Michael Hunziker
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Roger Brogli (parteilos, neu) feiert seine Wahl im Bahnpark Brugg.

Roger Brogli (parteilos, neu) feiert seine Wahl im Bahnpark Brugg.

mhu

Der Grill läuft heiss, die Getränke fliessen, die Stimmung ist heiter, die Diskussionen sind angeregt, die Gratulationen und Geschenke treffen ein. Roger Brogli hat wahrlich Grund zum Strahlen: Als Parteiloser ist er am Sonntag in den Brugger Stadtrat gewählt worden. Mit seinen Helfern, Unterstützern und Freunden – «alle, die mich motiviert und getragen haben» – feiert er im Bahnpark Brugg am späteren Nachmittag.

Dass es mit dem Sprung in die Stadtregierung gleich im ersten Wahlgang geklappt hat, sei eine Überraschung, stellt der 63-Jährige fest. «Damit hätte ich nie gerechnet.» Zurückzuführen sei seine Wahl sicher auch auf den Umstand, dass er als ehemaliger Werkdienst-Chef einen gewissen Bekanntheitsgrad geniesse in Brugg. Schön sei, dass sein langjähriger Einsatz offenbar zur Kenntnis genommen wurde und geschätzt werde, dass die Leute noch nicht genug hätten von ihm als frühpensionierten «alten Chlaus».

Horlacher macht in Brugg das beste Resultat

Resultate der Stadtratswahlen Brugg
*
bisher im Amt.
gewählt
Barbara Horlacher
*
Grüne
2 796
Leo Geissmann
*
Die Mitte
2 559
Reto Wettstein
*
FDP
2 057
Roger Brogli
Parteilos
1 913
Jürg Baur
*
Die Mitte
1 891
Verfügbare Sitze: 5
Rita Boeck
SP
1 734
Alexandra Dahinden
SP
1 396
Yvonne Buchwalder
FDP
1 276
Yolanda Dätwiler
SVP
1 194
Adriaan Kerkhoven
GLP
1 008

Das absolute Mehr lag bei 1803 Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 54,3%.

Bei der Tätigkeit als Stadtrat freue er sich vor allem auf den Kontakt mit den Bruggerinnen und Bruggern, sagt der frisch Gewählte. Die Zeit, die es brauche, werde er sich gerne nehmen. Er sei offen und könne sich einiges vorstellen, antwortet Brogli auf die Frage nach seinem Wunschressort. Die Bisherigen hätten den Vorrang. Kurz: Die Vorfreude sei riesig, die Motivation ebenso. Erstaunt äussert sich Brogli darüber, dass SP-Kandidatin Rita Boeck die Wahl nicht geschafft hat.

Rita Boeck will wieder kandidieren für den Einwohnerrat

Tatsächlich konnte die SP den Sitz von Stadtrat Willi Däpp, der sich der Wiederwahl nicht mehr stellte, nicht verteidigen – obwohl mit Rita Boeck eine gestandene Politikerin antrat, die über reichlich politische Erfahrung verfügt als Einwohnerrätin – dem sie aktuell als Präsidentin vorsteht –, als Mitglied der Finanzkommission sowie als ehemalige Grossrätin. Es sei für sie noch nicht nachvollziehbar, dass die SP nach über 20 Jahren nicht mehr in der Stadtregierung vertreten sei, sagt Rita Boeck am Sonntagnachmittag bei der gemeinsamen Wahlfeier von SP und Grünen im Odeon-Garten.

Auch wenn sie das Lachen nicht verlernt hat: Das Ergebnis sei bitter, ihre Gefühlslage ambivalent, gibt sie unumwunden zu. Mit Roger Brogli sei eine bekannte, hilfsbereite und positive Person ins Rennen gestiegen, räumt Rita Boeck ein. Die Ausgangslage sei, das sei ihr im Vorfeld bewusst gewesen, keine einfache beim Kandidatenfeld mit vier Bisherigen sowie sechs Neuen für die fünf Sitze. Sie habe sich nicht verstellt und habe sich nicht verbiegen lassen, sei ehrlich und offen, transparent und direkt geblieben, stellt Rita Boeck fest. Dass sie sich in vier Jahren noch einmal der Wahl stellen wird für den Stadtrat, schliesst die 58-Jährige aus. Erneut kandidieren will die ausgebildete Lehrerin, Schulleiterin und Mediatorin aber für den Einwohnerrat.

Horlacher mit Glanzresultat als Stadtammann bestätigt

Ganz anders ist die Stimmungslage bei Barbara Horlacher. Die 50-jährige Grünen-Politikerin ist mit 2403 Stimmen glanzvoll wieder gewählt worden als Stadtammann. Sie freut sich, dass bereits nach dem ersten Wahlgang Klarheit herrscht, das Gremium komplett und die Ammann-Frage geklärt ist, führt sie mit einem Lachen aus. Im Odeon-Garten überreicht ihr Robert Obrist, Präsident der Grünen Brugg und Grossrat, einen Blumenstrauss mit prächtigen rosa Blüten.

Die mit einem Glanzresultat gewählte Frau Stadtammann Barbara Horlacher (Grüne) erhält bei der Wahlfeier im Odeon-Garten einen Blumenstrauss von Robert Obrist, Präsident der Grünen Brugg und Grossrat.

Die mit einem Glanzresultat gewählte Frau Stadtammann Barbara Horlacher (Grüne) erhält bei der Wahlfeier im Odeon-Garten einen Blumenstrauss von Robert Obrist, Präsident der Grünen Brugg und Grossrat.

mhu

Der amtierende FDP-Stadtrat Reto Wettstein, der ihr den Sitz streitig machte, kam auf 1133 Stimmen. Mit diesem Ergebnis könne er sehr gut leben, sagt er am Sonntagnachmittag gut gelaunt am Telefon. Froh sei er, dass es eindeutig herausgekommen sei. Ein Drittel der Bevölkerung, gibt der 42-jährige Unternehmer zu bedenken, wäre bereit gewesen für eine Veränderung. Er freue sich auf die nächsten vier Jahre im Stadtrat mit Barbara Horlacher an der Spitze, darauf, sich fokussieren und seinen Beitrag leisten zu können, seine Energie und Zeit einzusetzen für Brugg.

Das Ressort Planung und Bau, dem er derzeit vorsteht, sei für die Zukunft so wichtig, dass es vom vollamtlichen Stadtammann geführt werden müsste, hat Wettstein im Wahlkampf argumentiert. Diese Ansicht vertrete er nach wie vor, hält er fest. Bei der Ressortverteilung werde sich zeigen, wie sich der Stadtrat finden werde.

Unbestritten war die Wahl von Leo Geissmann (Die Mitte), der mit 2323 Stimmen als Vizeammann bestätigt wurde.

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