Brugg
SP ist nicht mehr vertreten im Stadtrat: «An unseren Kandidatinnen hat es nicht gelegen»

SP-Co-Präsident Heini Kalt sagt, dass die neue Zusammensetzung des Brugger Stadtrats kein Vorteil ist für den Politbetrieb.

Michael Hunziker
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Silvia Haug war 1985 die erste Frau im Brugger Stadtrat (das Bild stammt von 2016). Willi Däpp ist seit 2014 im Amt und stellte sich der Wiederwahl nicht mehr.

Silvia Haug war 1985 die erste Frau im Brugger Stadtrat (das Bild stammt von 2016). Willi Däpp ist seit 2014 im Amt und stellte sich der Wiederwahl nicht mehr.

cm/zvg

Die zweitstärkste politische Kraft ist nicht mehr im Brugger Stadtrat: Die SP konnte den Sitz von Willi Däpp, der nicht mehr angetreten ist bei den Gesamterneuerungswahlen, nicht verteidigen mit den beiden Kandidatinnen Rita Boeck und Alexandra Dahinden.

Als Parteiloser schaffte stattdessen Roger Brogli, der langjährige Brugger Werkdienst-Chef, neu die Wahl neben den vier Bisherigen: Barbara Hor­lacher (Grüne, Stadtammann), Leo Geissmann (Die Mitte, Vizeammann), Reto Wettstein (FDP) sowie Jürg Baur (Die Mitte).

Voll motiviert für die Einwohnerratswahlen

Die Ausgangslage – «dessen waren wir uns bewusst» – sei schwierig gewesen mit nur einer Vakanz und der Kandidatur des beliebten Roger Brogli, sagt Heini Kalt, Co-Präsident SP Bezirk Brugg, drei Tage nach dem Wahlwochenende. «An unseren Kandidatinnen hat es nicht gelegen», ist der SP-Co-Präsident überzeugt. Rita Boeck sei ein Brugger Polit-Urgestein und Alexandra Dahinden sei in Kulturkreisen gut vernetzt.

Dass es trotzdem nicht gereicht habe, bedauere die SP sehr und glaube nicht, dass es für den Politbetrieb in Brugg von Vorteil sei, wenn die zweitgrösste Partei keinen Sitz mehr in der Regierung habe. Kalt:

«Die Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Einwohnerrat wird so nicht vereinfacht.»

Die SP sei nun aber voll motiviert, bei den kommenden Einwohnerratswahlen Ende November ins Rennen zu steigen und sich im Parlament für alle Bruggerinnen und Brugger zu engagieren.

Rita Boeck – als amtierende Einwohnerratspräsidentin ist sie die derzeit höchste Bruggerin – sprach an der Wahlfeier am Sonntagnachmittag im Odeon-Garten von einem bitteren Moment. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die SP nicht mehr mit mindestens einem Mitglied in der Stadtregierung vertreten sei. Nach wie langer Zeit genau, liess sich von den Anwesenden aus dem Stand nicht beantworten. Niemand konnte sich erinnern.

Bis ins Jahr 1985 waren die Männer unter sich

Licht ins Dunkel bringen können einerseits Heini Kalt sowie ein Blick ins Buch zur Stadtgeschichte «Brugg erleben». Bis 1958, ist in diesem festgehalten, stellten die Sozialdemokraten jeweils einen Stadtrat: Gottlieb Schaffner in den Jahren 1918 bis 1929, Arthur Basler von 1929 bis 1947 sowie Walter Gloor von 1947 bis 1970. Formiert hatte sich die Sozialdemokratische Partei Brugg während des Ersten Weltkriegs.

Ab 1958 waren zwei Sitze im Stadtrat in der Hand der SP, drei waren besetzt von der FDP. Mit der Sozialdemokratin Silvia Haug nahm 1985 erstmals eine Frau Einsitz in die Brugger Exekutive. Im Stadtrat war sie mit Peter Haller.

Bei der Ersatzwahl wurde Ueli Kalt – der Vater von Heini Kalt – gewählt. Bei den Wahlen im 2001 holte die SP den zweiten Sitz nach acht Jahren zurück mit Gregor Tomasi und Denise Widmer. Letztere trat noch in der ersten Legislatur zurück, Christoph Brun von den Grünen gewann 2004 die Ersatzwahl.

Im 2009 schaffte SP-Kandidatin Andrea Metzler die Wahl. Sie gehörte dem Stadtrat acht Jahre an, vier Jahre als Vizeammann. Bei den Gesamterneuerungswahlen im 2017 erreichte sie zwar das absolute Mehr deutlich, landete aber auf dem sechsten Platz und war für das fünfköpfige Gremium überzählig. Ihr Kollege Willi Däpp, der seit 2014 im Amt ist, schaffte damals die Wiederwahl.

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