Brugg
Neue Stadtbibliothek schafft die erste Hürde für den Umzug in den Effingerhof

Nachdem der Einwohnerrat Brugg grünes Licht gegeben hat, liegt der Ball beim Stimmvolk. Dieses wird am 26. September entscheiden. Läuft alles rund, kann die Bevölkerung das erweiterte Angebot in der ehemaligen Druckerei am Rand der Altstadt ab 1. Juli 2022 nutzen.

Claudia Meier
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Über eine neue Rampe an der Storchengasse haben künftig alle bequem Zugang zum Effingerhof.

Über eine neue Rampe an der Storchengasse haben künftig alle bequem Zugang zum Effingerhof.

Visualisierung: zvg/Netwerch

«Die Stadtbibliothek müssen wir noch behandeln», sagte Bruggs Einwohnerratspräsidentin Rita Boeck (SP) am Freitagabend um 22.14 Uhr. Das Stadtparlament hatte zu diesem Zeitpunkt zwar bereits eine mehr als dreistündige Sitzung im Campussaal hinter sich, die Traktandenliste jedoch erst bis gut zur Hälfte abgearbeitet. Dass die Präsidentin so drängte und von der Mehrheit der 48 anwesenden Einwohnerräten (von 50) Zustimmung zur Sitzungsverlängerung erhielt, hat damit zu tun, dass die Vorlage am 26. September auch noch die Urnenabstimmung passieren muss.

Erst dann kann die zeitgemässe Stadtbibliothek am temporären Standort im Effingerhof im Detail geplant und realisiert werden. Läuft alles rund, sind die Überführung der Stadtbibliothek in die städtische Verwaltung auf den 1. Januar und der Umzug in den Effingerhof auf den 1. Juli 2022 vorgesehen. Kein Wunder sprach Vizeammann Leo Geissmann (Die Mitte) von einem Wendepunkt. Als Kultur- und Finanzminister hat er gleich in beiden Bereichen seit langem mit diesem Thema zu tun. Vor sieben Jahren wandte sich der ehrenamtliche Verein Stadtbibliothek an die Stadt und bat um Unterstützung, um die einer Dorfbibliothek ähnliche Institution zu modernisieren.

Bevölkerung stimmt über wiederkehrende Kosten ab

Eigentlich sollte die neue Stadtbibliothek mit der zentralisierten Stadtverwaltung in die Überbauung «Alte Post» kommen. Doch weil der Gestaltungsplan aufgrund von Beschwerden und des ausstehenden Regierungsratsentscheids blockiert ist, liess sich der Stadtrat auf die Zwischenlösung für fünf Jahre im Effingerhof ein – mit der Option auf Verlängerung.

Der Stadtrat beantragte, für die Überführung der Bibliothek in die Verwaltung 250 Stellenprozente mit jährlich wiederkehrenden Personalkosten von durchschnittlich 263'600 Franken sowie jährlich wiederkehrende Betriebskosten von durchschnittlich 206'600 Franken zuhanden der Urnenabstimmung zu bewilligen. Für die baulichen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Umzug in den Effingerhof und die Umrüstung der Medien auf kontaktlose Technologie waren einmalige Investitionskosten von 175'000 Franken gutzuheissen.

Der Bibliotheksverein ist weit über 100 Jahre alt

Von den Einwohnerratsfraktionen sprach sich einzig die SVP deutlich gegen die beiden Anträge des Stadtrats aus. Patrick von Niederhäusern sagte, dass man mit dem erweiterten Bibliotheksangebot private Betriebe auch von der Gastronomie konkurrenziere. Zudem befände sich nur 700 Meter entfernt eine grosse und moderne Bibliothek. Damit meinte er die Campus-Bibliothek. Das ist eine Fachbibliothek, deren Bestand sich komplett von demjenigen einer Stadtbibliothek unterscheidet.

Dass der Bibliotheksverein nach weit über 100 Jahren ausgedient hat, machten Doris Erhardt (EVP) und Titus Meier (FDP) deutlich. Die FDP kritisierte unter anderem, dass nicht klar ist, was mit den Räumen im Zimmermann geschehen wird. Ansonsten betonten Reto Bertschi (SP) und Markus Lang (GLP) den gesellschaftlichen Nutzen, Matthias Rüede (Die Mitte) die Attraktivitätssteigerung für die Stadt und Yves Gärtner (Grüne) den Vorentscheid für das Stimmvolk. Vizeammann Geissmann ergänzte, dass Gehbehinderte einen digitalen Schlüssel bekommen werden, um über die Rampe von der Storchengasse her Zugang zum digitalen Angebot zu haben.