Brugg
Nach Entscheid des Regierungsrats: Aargauer Heimatschutz mischt das Stadtzentrum auf

Der Stadtratsbeschluss zum Gestaltungsplan «Alten Post» wurde vom Kanton aufgehoben. Heimatschutz-Präsident Christoph Brun nimmt Stellung zur erfolgreichen Beschwerde und zum weiteren Vorgehen.

Claudia Meier
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Die Liegenschaften auf dem Areal «Alte Post» in Brugg (von vorne): Alte Schmitte, Müller-Haus, Kupperhaus.

Die Liegenschaften auf dem Areal «Alte Post» in Brugg (von vorne): Alte Schmitte, Müller-Haus, Kupperhaus.

Michael Hunziker
(14. Januar 2019)

Das Projekt «Zentralisierung der Stadtverwaltung» soll weitergeführt werden. So steht es in den Leitsätzen 2019–2022 des Stadtrats Brugg. Doch an Stelle eines Fortschritts ist es zu einem Rückschritt gekommen – zurück an den Start sozusagen. Denn der Regierungsrat des Kantons Aargau hat die Entscheide des Brugger Stadtrats zu den Gestaltungsplänen «Alte Post» und «Annerstrasse» Mitte September aufgrund der Beschwerde des Aargauer Heimatschutzes aufgehoben und zur Überarbeitung an den Stadtrat zurückgewiesen.

Inzwischen ist bekannt, dass sowohl die Stadt Brugg als auch der Aargauer Heimatschutz auf Rechtsmittel verzichten. Im Zentrum der Neubeurteilung der Gestaltungspläne steht die Prüfung, ob beim kommunalen Interesse an einer Verdichtung und attraktiven Verbindung zwischen Altstadt und Neumarkt die Schutzinteressen des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) gehörig berücksichtigt werden.

Brun: «Mit Befriedigung zur Kenntnis genommen»

Der Aargauer Heimatschutz (AHS) habe mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass der Regierungsrat die Bedenken des AHS so gewichtet hat, dass er den Beschluss des Stadtrats über die Gestaltungspläne aufgehoben hat, sagt AHS-Präsident Christoph Brun. Dieser Entscheid ermögliche einen Neuanfang in diesem Schild.

Christoph Brun ist AHS-Präsident.

Christoph Brun ist AHS-Präsident.

Sandra Ardizzone

Christoph Brun war der erste Grüne im Brugger Stadtrat. Von 2004 bis 2013 gehörte er der Stadtregierung an. Zu den Perspektiven für eine zentralisierte Stadtverwaltung und einen Neubau für die Stadtbibliothek Brugg hinter der «Alten Post» will sich Christoph Brun als ehemaliger Stadtrat nicht öffentlich äussern. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei er im AHS konsequenterweise bei diesem Geschäft bisher in Ausstand getreten, teilt Brun mit.

Die Stadt Brugg und der AHS haben vereinbart, den Neustart unter Einbezug des AHS anzugehen. Christoph Brun sagt dazu:

«Der AHS wird dabei seine statutengemässen Zielsetzungen konstruktiv in den Planungsprozess einbringen.»

Auf die Frage nach den zentralen Anliegen des AHS im Perimeter «Annerstrasse» und «Alte Post» hält der Präsident fest: «Die Gestaltungspläne sollen sicherstellen, dass eine städtebauliche Lösung realisiert wird, die den ortsbaulichen Gegebenheiten an diesem Ort angemessen Rechnung tragen. Der Entscheid des Regierungsrats hat dem ISOS jene Bedeutung zugewiesen, die ihm zukommt.»

Heimatschutz will künftig von Anfang an mitreden

Dass die Relevanz des ISOS verkannt wird, stellt der AHS bei zahlreichen Vorhaben fest, bei denen er interveniert. «Unser Anliegen wird insbesondere die sorgfältige Umsetzung des ISOS sein. Wie das geschehen soll, dafür besteht immer ein gewisser Handlungsspielraum», fährt Brun fort. Dieser könne dann gut genutzt werden, wenn die Anliegen des ISOS bereits am Anfang des Planungsprozesses mit dem angemessenen Gewicht einbezogen werden.

Welche Gebäude im erwähnten Brugger Perimeter unbedingt erhalten und wie sie künftig genutzt werden sollen, kann Christoph Brun derzeit nicht sagen. Nur so viel: «Die Klärung dieser Frage ist Gegenstand des vorgesehenen Prozesses.» Der AHS setze sich statutengemäss für seine Anliegen ein, verschliesse sich aber einer angemessenen Abwägung der massgeblichen Interessen nicht, wiederholt der Präsident.

In einem kürzlich erschienenen Leserbrief schrieb SP-Einwohnerrat Martin Brügger: «Die Stadt Brugg müsste sich überlegen, ob/wie man sich von externer Planung und Finanzierung abhängig machen will und generell wie viel Mehrwert (für Bevölkerung und städtische Angestellte) man durch eine solche zentrale Verwaltung erzielt.»

Anstatt über den Plan B für die Verwaltung zu sprechen, will die Stadt den Bedarf neu analysieren.

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