Brugg
Lauben und grössere Fenster: Was die neuen Besitzer mit der Brunnenmühle planen

Das Bauvorhaben, das derzeit in Brugg öffentlich aufliegt, sieht unter anderem neue Wohnateliers in der Scheune und im Wöschhüsli vor. Die Zahl der Autoparkplätze wird reduziert. Die Bauherrschaft ist bereit, dafür der Stadt Brugg eine Ersatzabgabe zu zahlen.

Claudia Meier
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Auf dem Dach der Brunnenmühle und vor dem Wöschhüsli (links) sind kleine Bauprofile montiert.

Auf dem Dach der Brunnenmühle und vor dem Wöschhüsli (links) sind kleine Bauprofile montiert.

Bild: Claudia Meier
(3. September 2021)

Seit die Zürcher Familie Schwegler vor einem Jahr das denkmalgeschützte Brunnenmühle-Ensemble aus dem 17. Jahrhundert für zwei Millionen Franken von der Einwohnergemeinde Brugg erwarb, war es ruhig um die Liegenschaft. Im Innern wurden aber in der Zwischenzeit zwei der sieben Wohnungen saniert, eine davon hatte einen Wasserschaden.

Im Freien deuten nun kleine Bauprofile auf weitere Bauvorhaben hin. Noch bis am 4. Oktober liegt das Baugesuch der Karl Schwegler AG bei der Abteilung Planung und Bau in Brugg öffentlich auf.

Das Wöschhüsli (links) soll mit der Wohnung im Obergeschoss zu einem separat zugänglichen Wohnatelier mit Balkon ausgebaut werden.

Das Wöschhüsli (links) soll mit der Wohnung im Obergeschoss zu einem separat zugänglichen Wohnatelier mit Balkon ausgebaut werden.

Bild: Claudia Meier
(3. September 2021)

Im Projekt der Froelich & Hsu Architekten ETH BSA SIA AG aus Brugg geht es primär um die Umnutzung und Sanierung der Scheune. Aufgrund des undichten Dachs und der beeinträchtigten Statik ist der Handlungsbedarf hier besonders gross. Ziel ist, die Bausubstanz und das Erscheinungsbild der Scheune zu bewahren.

Haus-im-Haus-Bauweise in der Scheune

Die beiden neuen Wohnateliers, so der Plan, werden daher als Haus-im-Haus, als unabhängiger Holzbau, in das bestehende Mauerwerk gestellt. Eine partielle Unterkellerung, die vom Fundament Abstand nimmt, ermögliche einen Technikraum für die Scheune, heisst es im Bericht des Architekturbüros.

Bei der Scheune ist der Handlungsbedarf für die Sanierung gross.

Bei der Scheune ist der Handlungsbedarf für die Sanierung gross.

Bild: Claudia Meier
(27. Mai 2029)

An der Südfassade zur Aare hin sind situativ hochformatige Fensteröffnungen mit vorgelagerten Balkonen vorgesehen. Die drei bestehenden Fenster im ersten Obergeschoss der Scheune werden zusätzlich reaktiviert. Nach Norden zur Strasse hin ist ebenfalls ein hochformatiges Fenster angedacht. Auf den Ost-West-Seiten sollen – neben neuen Dachfenstern – je eine Fotovoltaikanlage bündig in die Dachfläche integriert werden.

Im derzeitigen Keller sind Arbeitsplätze angedacht

An der Mühle wird die Gebäudehülle (Sockel, Estrich und Fenster) ertüchtigt. Die Fassade wird renoviert und, wo nötig, einzelne Fensterläden ersetzt. Im derzeitigen Keller könnten Arbeitsplätze für die Bewohner entstehen. Das im Sockelgeschoss ehemals vorhandene Fenster wird wieder aktiviert. Der Ostflügel wird durch eine vorgesetzte Laubenschicht erweitert. Beim Hauptflügel ist ostseitig zum Hof hin ebenfalls eine Laubenschicht vorgesehen. Um auf die Lauben zu gelangen, wird je ein Fenster pro Wohneinheit in eine Balkontür umgewandelt.

Das Brunnenmühle-Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Das Brunnenmühle-Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Bild: Claudia Meier
(22. Mai 2019)

Mit diesen Erweiterungen und Öffnungen soll der Bezug der Bewohner zur Aare gestärkt werden, heisst es im Architektenbericht weiter. Und:

«Die französischen Fenster inklusive Geländer werden zurückhaltend materialisiert; die steinernen Fenstergewände nach unten vom Steinmetz ergänzt.»

Um die energetische Sanierung der Liegenschaft zu vervollständigen, soll das brachliegende räumliche Potenzial des Wöschhüslis im Erdgeschoss, das momentan eine Garage beherbergt, mit der bestehenden Wohnung im Obergeschoss zu einem separat zugänglichen Wohnatelier ausgebaut werden. In der zur Aare zugewandten Fassade werden zwei neue Fenster eingebaut sowie ein Balkon montiert.

Die Bauherrschaft steht mit den Mietern in Kontakt

Laut der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) müssten für die Brunnenmühle sieben Parkplätze vorgesehen werden. Nach der Umnutzung des Wöschhüslis von einer Garage in ein Wohnatelier stehen aber nur noch fünf Parkplätze zur Verfügung (drei vor dem Haus und zwei gekieste entlang des Brunnenmühleweg), «welche die Umgebung wenig tangieren und nicht befestigt werden müssen». Für die restlichen zwei Parkplätze strebt die Bauherrschaft eine Ersatzabgabe, die sich laut Reglement der Stadt Brugg auf 4000 Franken pro Parkplatz beläuft.

Die Mühleräder bleiben der Brunnenmühle erhalten.

Die Mühleräder bleiben der Brunnenmühle erhalten.

Bild: Claudia Meier
(3. September 2021)

Was das Bauvorhaben für die aktuellen Bewohner der Brunnenmühle bedeutet, steht laut Auskunft von Mieter- und Besitzerseite nicht definitiv fest. Auf Nachfrage sagt Cäcilia Schwegler von der Besitzerfamilie, dass es jetzt zuerst darum gehe, mit allen involvierten Stellen wie Denkmalpflege und Stadt zu schauen, was effektiv möglich ist.

Die Abklärungen und zahlreichen Schnittstellen erfordern viel Zeit und Koordination. Sobald die Baubewilligung vorliege, werde zuerst die Scheune saniert und umgenutzt. Dann gehe man weitere Projekte an.

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