Brugg
«Klimaschutz beginnt im Kleinen»: GLP reicht Motion zu Strassensanierungen ein

Bei Strassensanierungen seien dem Einwohnerrat stets Varianten vorzulegen, welche die Kriterien des Klimas, der Ökologie sowie der Begrünung berücksichtigen und den Prioritäten des Gewässerschutzgesetzes prinzipiell Vorrang einräumen, fordert die Brugger GLP-Fraktion.

Michael Hunziker
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Als ein vorbildliches Beispiel bezeichnet die GLP die Sanierung  Fröhlichstrasse.

Als ein vorbildliches Beispiel bezeichnet die GLP die Sanierung
Fröhlichstrasse.

mhu (2. September 2021)

Die GLP hat angekündigt, die Strassenvorlagen zurückzuweisen und eine Neubeurteilung zu verlangen an der Sitzung des Brugger Einwohnerrats. Die Sanierungsbedürftigkeit des Strassenkörpers und der darunterliegenden Infrastruktur werde zwar anerkannt, so die Fraktion. Allerdings sei die Frage der Versickerungsmöglichkeit des Wassers noch nicht abschliessend geklärt.

Der Hintergrund: Für die Erneuerung von Habsburgerstrasse und Enzianweg samt den Schmutzwasserleitungen stehen Kredite von insgesamt 1,435 Mio. Franken zur Diskussion. Die Beläge haben ihr Gebrauchsalter überschritten und die Entwässerung ist nur ungenügend gewährleistet, bei den Leitungen besteht ebenfalls Handlungsbedarf.

Das nicht verschmutzte Abwasser – zum Beispiel das Dachwasser – soll aufgrund der gut sickerfähigen Böden im Westquartier in erster Linie versickert werden, heisst es in der Botschaft an den Einwohnerrat. Die Einführung eines Trenn­systems für das nicht verschmutzte und das verschmutzte Abwasser erachtet der Stadtrat daher als nicht zweckmässig, «zumal das weiterführende Entwässerungsnetz auf dem Mischsystem basiert».

Mehrfacher Nutzen kann erzielt werden

Die GLP wird eine Motion einreichen zum Thema «Mehrwert bei Strassensanierungen». Der Stadtrat soll beauftragt werden, bei Strassensanierungen dem Einwohnerrat stets Varianten vorzulegen, welche die Kriterien des Klimas, der Ökologie sowie der Begrünung berücksichtigen und den Prioritäten des Gewässerschutzgesetzes prinzipiell Vorrang einräumen.

Adriaan Kerkhoven ist Einwohnerrat der GLP.

Adriaan Kerkhoven ist Einwohnerrat der GLP.

zvg

Die Qualität des Stadtklimas sowie die Lebensqualität in den Quartieren könne auf diese Weise nachhaltig und vorteilhaft saniert werden, da mehrfacher Nutzen erzielt werde, ist die GLP überzeugt und nennt Stichworte wie Grünstreifen, Bäume und Biodiversität, attraktive Erlebnis- und Begegnungszonen, Mitgestaltungsmöglichkeiten durch Anwohner oder Erhöhung der lokalen Wertschöpfung. Als ein vorbildliches Beispiel bezeichnet die Fraktion die Sanierung der Fröhlichstrasse mit Sickergrube und Grünanlagen.

In der Begründung verweist GLP-Einwohnerrat Adriaan Kerkhoven im Namen der Fraktion auf den Kanton: auf dessen Ausführungen zur Siedlungsentwässerung sowie zur Wahl der Entwässerungsart bei Verkehrsflächen. Prinzipiell lautet die Prioritätenanordnung: erstens Versickerung, zweitens Einleitung in oberirdische Gewässer und drittens Einleitung in die öffentliche Mischkanalisation.

Ein genauso absurder wie faszinierender Gedanke

Für die GLP ist klar: Klimaschutz und gesellschaftlicher Wandel beginnen im Kleinen. Die Verantwortung fürs Lösen globaler Probleme erfordere die Mitgestaltung jedes Einzelnen. Denn selbst wenn sich die internationale Staatengemeinschaft auf Klimaziele einige, sei es für Regierungen kaum möglich, diese gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Der Wandel finde vor allem dann statt, wenn der Wunsch nach Veränderung bei den Menschen vor Ort den Wert und Sinn generiere.

Der Gedanke, dass sich das Verhalten eines Einzelnen auf acht Milliarden Menschen auswirke, scheine genauso absurd wie faszinierend. «Allerdings lehrt uns die Geschichte, dass Transformation letztlich auf Kleines zurückzuführen ist», hält die Fraktion fest. Und:

«Wenn Brugg anfängt, Strassen künftig – nach den kantonalen Empfehlungen – im Sinne von Lebens- und ökologischer Qualität zu sanieren, wird das Beispiel und Freude machen.»

So könnten sowieso anstehende Renovierungen nicht bloss banaler Ersatz sein, sondern zusätzlichen Nutzen und zusätzliche Werte fürs grosse Ganze schaffen.

Einwohnerrat Freitag, 3. September, 19.30 Uhr, Campussaal.

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