Brugg
Brugg ist eine Kampfsporthochburg

Vor 50 Jahren wurde der Jiu-Jitsu- und Judo-Club Brugg gegründet. Heute ist Brugg eine Hochburg japanischer Kampfsportarten.

Katja Landolt-Schlegel
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Anno 1960, Judo-Training auf Heu und Sägemehl

Anno 1960, Judo-Training auf Heu und Sägemehl

Im Garten von Gründungsvater Albert Frey in Brugg hatte es begonnen: Auf der mit Heu gepolsterten Wiese hinter dem Haus kämpften die ersten Judo-Schüler unter freiem Himmel. Später rangen sie im Sägemehl, im Schwingkeller des Schulhaus Hallwyler. Die Judokas mussten eine Blache auslegen, um nicht zu viel Sägemehl zu schlucken.

Das war in den Jahren nach 1960, als Albert Frey zusammen mit Franz Brandenberg, Hans Hofstetter und Willi Finsterwald den Jiu-Jitsu- und Judo-Club Brugg, kurz JJJC Brugg, gegründet hatte. In diesen Tagen, zeitgenau zum 50-Jahr-Jubiläum, bezieht der JJJC Brugg das neue Trainingslokal im Untergeschoss der neuen Mehrzweckhalle Mülimatt.

Judo war in, weil es anders war

Zeit für eine Bilanz: «Der Blick auf die Anfangsjahre des Clubs ist leider etwas verschleiert», sagt Benjamin Simmen, Präsident des JJJC Brugg. Dokumente oder Unterlagen aus dieser Zeit fehlen. Einzige Anhaltspunkte sind alte Fotografien in Schwarz-Weiss: beispielsweise ein Bild der 1. Generalversammlung mit rund 20 Mitgliedern – die Frauen mit hochtoupiertem Haar, die Herren mit strengem Seitenscheitel, allesamt elegant gekleidet. «Judo war damals kein Kindersport, sondern etwas für gestandene Herrschaften.»

Nach den Trainingslokalen im Garten, im Schwingkeller und im Boxclub im Schulhaus Freudenstein zog der JJJC Brugg 1975 in die alte Turnhalle Langmatt Lauffohr. Dies war das erste richtige Dojo, so wird das Trainingslokal genannt. Der JJJC vergrösserte sich kontinuierlich. «Judo war in, weil es etwas anderes war», sagt Simmen. Etwas Geheimnisvolles. Nicht wie Fussball, Tennis oder Basketball. Für Simmen ist es aber nicht nur das. «Ich muss im Judo meinen Mann stehen. Es gibt nur mich und mein Gegenüber und kein helfendes Team.» Zwei Kämpfer, Angesicht zu Angesicht. Ein Zusammenspiel von Beweglichkeit, Flexibilität, Technik und Geist.

Kampfsporthochburg Brugg

1995 kam mit dem Bezug des Dojos im Wildischachen der grosse Durchbruch: Die Mitgliederzahl stieg steil an – und mit den Mitgliedern kam der Erfolg. Es regnete Schweizer Meistertitel (Einzel und Mannschaft), gute Platzierungen an Europa- und Weltmeisterschaften. Einen schweren Stand in der vereinsinternen Geschichte hatte hingegen die Jiu-Jitsu-Truppe. Trotz vielen Bemühungen konnte kein Erfolg erzielt werden. «Das hat sich nun aber im letzten Jahr geändert, die Anzahl Trainierende ist markant gestiegen», sagt Simmen.

Heute ist Brugg eine Hochburg japanischer Kampfsportarten. Seit das Leistungszentrum «Elite» des Schweizerischen Judoverbandes von Magglingen nach Brugg verlegt wurde, trainiert hier mindestens zweimal pro Woche die Schweizer Judoelite. Und der JJJC trainiert wöchentlich 180 Mitglieder, davon 100 Kinder und Jugendliche, in 20 verschiedenen Kursen. Doch nicht nur Judo, auch Karate hat in Brugg riesigen Erfolg. Woran liegt das? «Wir haben hier Kämpfer, die für Judo und Karate leben. Diese Motivation reisst die Leute mit», sagt Simmen.

Medaille im Visier

Motivation – ein wichtiger Punkt im Judo. «Es braucht mindestens zehn Jahre hartes Training, bis man bei der Elite dabei ist», sagt Simmen. Ein langer Weg, häufig durch Verletzungen unterbrochen – und die Konkurrenz ist weltweit gewaltig: In der Schweiz sind 2000 Judokämpfer lizenziert, allein in Frankreich sind es 40000.

Trotzdem: «Bei den Olympischen Spielen 2012 oder spätestens 2016 müsste es mit einer Medaille wieder hinhauen», sagt Simmen. Das habe der Schweizerische Judoverband als Ziel formuliert. Das einzige Mal, als ein Schweizer Judoka Olympiasieger geworden ist, war 1980 mit Jürg Röthlisberger. Ein ehrgeiziger Plan also, oder nicht? Simmen lacht: «Man muss im Leben Ziele haben.»

Einweihung MZH Mülimatt Samstag,
6. November, 11 und 15 Uhr, Training Kampfmannschaft / Sonntag, 7. November, 11.30 und 13.45 Uhr Showblock

Final Schweizerische Mannschafts-Meisterschaften im Judo der Damen und Herren (NLA und NLB), 4. Dezember, 9 Uhr, MZH Mülimatt www.jjjcbrugg.ch

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