Brugg
Im Weiermatt-Quartier soll neuer Wohnraum entstehen: Vier Varianten gehen in die Ausscheidung

Die Zentrumsentwicklung Weiermatt kann weitergeführt werden. Die Brugger Ortsbürger haben den Antrag des Stadtrats im zweiten Anlauf gutgeheissen. Zu diskutieren gab es auch sonst viel, etwa bei der Pensumserhöhung für das Stadtmuseum.

Dieter Minder
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Im Quartier Weiermatt gehört die freie Parzelle neben den Häusern der Wohnbaugenossenschaft für Bundespersonal den Brugger Ortsbürgern.

Im Quartier Weiermatt gehört die freie Parzelle neben den Häusern der Wohnbaugenossenschaft für Bundespersonal den Brugger Ortsbürgern.

Bild: Claudia Meier
(20. Februar 2021)

«Im Hinblick auf das langfristige Überleben müssen die Ortsbürger zusätzliche Ertragsquellen generieren», forderte Willi Wengi, Präsident der Finanzkommission. Die Rechnung 2020 der Ortsbürgergemeinde Brugg schloss mit einem Verlust von 95'000 Franken. Besonders der Forstbetrieb leide unter den tiefen Holzpreisen, sagte Vizeammann Leo Geissmann bei der Präsentation der Rechnung an der Ortsbürgergemeindeversammlung. Die Versammlung genehmigte die Rechnung. Jedoch wurden die Traktanden Stadtmuseum und Quartierzentrum Weiermatt stark im Zeichen der Finanzen diskutiert.

In der Weiermatt besitzen die Ortsbürger 14540 m2 Land in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (OeBA). Mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) wurden die südlichen 3050 m2 der Zone Wohnen Arbeiten (WA5) zugeteilt. Zusammen mit den benachbarten Liegenschaften der Wohngenossenschaft für Bundespersonal und eines Privaten gilt dafür eine Gestaltungsplanpflicht. Die neue Zonierung erlaubt fünf-, allenfalls siebengeschossige Häuser. Für die Ortsbürgergemeinde ist die Wertsteigerung des Areals eine Möglichkeit, ihre Finanzen zu verbessern. Ein erster Versuch des Stadtrats, das weitere Vorgehen festzulegen, scheiterte an der Ortsbürgergmeind im Dezember 2020.

Arbeitsgruppe aus jungen Ortsbürgern verlangt

Die Brugger Frau Stadtammann Barbara Horlacher (10. März 2020)

Die Brugger Frau Stadtammann Barbara Horlacher (10. März 2020)

Sandra Ardizzone / BRU

Frau Stadtammann Barbara Horlacher stellte das Geschäft vor, das im Wesentlichen der abgelehnten Fassung entsprach: Variante 0 beibehalten Status quo, Variante 1 Landverkauf, Variante 2 Landabgabe im Baurecht und Variante 3 Realisieren eines eigenen Projekts. «Wir unterbreiten bewusst nicht einen Antrag für eine Variante, damit die Ortsbürger entscheiden können», sagte Horlacher. Der Bruttokredit von 105'000 Franken ist für Abklärungen, insbesondere eine Machbarkeitsstudie vorgesehen. Daran entzündete sich eine längere Diskussion. In einem engagierten Votum sprach sich Finanzkommissionspräsident Willi Wengi für die Vorlage aus.

Gleich zu Beginn stellte ein Votant einen Änderungsantrag. Er verlangte, auf eine Machbarkeitsstudie zu verzichten und stattdessen aus jungen engagierten Ortsbürgern eine Arbeitsgruppe zu bilden, die über die Zukunft diskutiert. An weiteren Gemeindeversammlungen soll dann entschieden werden. Dafür sollten 25'000 Franken genügen. Ein Versammlungsmitglied sagte:

«Wir müssen das Areal entwickeln, aber der eingeschlagene Weg freut mich nicht.»

Anstelle der Machbarkeitsstudie forderte er einen Architekturwettbewerb: «Das Verfahren solle nicht unnötig verlängert werden.» Dem widersprach ein Votant, der sich für ein präzises Verfahren mit den entsprechenden Kosten starkmachte.

Prüfung von Parkhaus und Fernwärmeheizung

Auf die Frage, was die Wohnbaugenossenschaft beabsichtigte, antwortete Stadtammann Barbara Horlacher: «Sie hat die Absicht, ihr Grundstück weiterzuentwickeln, so wie es die BNO erlaubt.» Für die Machbarkeitsstudie und zugleich junge Leute machte sich ein Votant stark. Er regte an, Studenten der Fachhochschule beizuziehen. Ein weiterer Versammlungsteilnehmer schlug vor, ein Parkhaus und eine Fernwärmeheizung für das Quartier zu prüfen. Die Holzschnitzel könne der Forstbetrieb liefern.

Die Parzelle 201 ist im Besitz der Ortsbürgergemeinde.

Die Parzelle 201 ist im Besitz der Ortsbürgergemeinde.

Bild: zvg

«Wenn ich alle Voten vergleiche, bin ich etwas ratlos», fasste Horlacher die Diskussion zusammen. Einerseits werde ein Ausschuss junger Ortsbürger gefordert, der sich Gedanken machen solle, anderseits solle es schnell gehen. Der Gemeinderat wolle in einem frühen Stadium bei der Planung auch mit den anderen Grundeigentümern zusammenarbeiten, deshalb: «Geben sie uns grünes Licht.» Dies machten die Ortsbürger in der Folge. Zuerst obsiegte der Stadtratsantrag mit 32 gegen 14 Stimmen dem Änderungsantrag. In der Schlussabstimmung wurde der Stadtratsantrag mit 38 zu 2 Stimmen angenommen.

Aufstockung des Pensums wurde kritisch hinterfragt

«Sammeln, bewahren, ausstellen und vermitteln sind die Aufgaben des neuen Stadtmuseums», sagte Vizeammann Leo Geissmann. Deshalb solle das aktuelle 25%-Pensum zu einem 40%-Pensum ausgebaut werden, was die Ortsbürgergemeinde rund 18'600 Franken pro Jahr kostet. Seit dem 1. Februar leitet Rebecca Niederhauser das Museum. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich, doch aufgewachsen ist sie in Brugg.

Aus der Versammlung wurde verlangt, auf die Pensumserhöhung zu verzichten: «Zuerst müssen wir neue Einnahmen generieren.» «Eigentlich können wir uns das nicht leisten, aber es ist eine Aufgabe der Ortsbürger Traditionen zu pflegen», sagte Finanzkommissionspräsident Wengi. Deshalb unterstütze die Kommission den Antrag. Nach kontroverser Diskussion, wie ein Kommissionsmitglied ergänzte. Ein Versammlungsteilnehmer sagte:

«Brugg hat eine interessante Geschichte und ein schönes Museum, jetzt braucht es eine gute Vermittlung.»

Vom Stadtrat wurden «kreative Vorschläge» für die Finanzierung gefordert. Gedacht wird an Beiträge der Einwohnergemeinde oder Sponsoring der IBB. Ein Votant wollte angesichts der Finanzlage auf die Pensumserhöhung verzichten: «Wir brauchen weitere Erträge und nicht weitere Personalkosten.» Eine Versammlungsteilnehmerin warnte: «Das wäre, wie wenn man ein tolles Auto, aber kein Benzin hat.» Mit grosser Mehrheit und sechs Gegenstimmen wurde der Antrag angenommen.

Land für Wildwarnanlage an den Kanton verkauft

Einstimmig oder mit grossem Mehr genehmigte die Versammlung die weiteren Anträge: Mit Riniken wird ein neuer Forst-Zusammenarbeitsvertrag abgeschlossen. Die Gemeinde Riniken hat ihm bereits zugestimmt. Als Ersatz für den Forstschlepper kauft die Gemeinde zwei Forstfahrzeuge. Dem Kanton verkaufen die Ortsbürger zwischen Vierlinden und der Bözberg-Passhöhe Land für einen Radstreifen sowie eine Wildtierwarnanlage.

Und der IBB Wasser AG räumen sie das Baurecht für ein neues Reservoir Mühleweiher ein. Marco Zimmerli und sein Sohn Mj Parker Zimmerli wurden ins Ortsbürgerrecht aufgenommen. Da nur 56 der 393 Ortsbürger zur Versammlung in die Turnhalle Freudenstein gekommen waren, unterliegen die Beschlüsse dem fakultativen Referendum.